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Creditreform

© Toyota

Für die Hersteller wird es einfacher, für die Kunden etwas komplizierter: Wenn vier verschiedene Autoproduzenten das technisch fast identische Fahrzeug bauen, kann man mit den Bezeichnungen schon mal durcheinanderkommen. Vor allem, wenn es von den Geschwistermodellen auch noch verschiedene Karosserielängen sowie private und gewerbliche Ausstattungsvarianten gibt.

 

Also, aufgepasst: Hier geht es um Toyotas Hochdachkombi Proace City, der als Pkw-Version­­ City­ Verso heißt. Er entspricht dem Citroën Berlingo, der Peugeot-­Paarung Rifter und Partner und rollt bei Opel als Combo vom Band.

Die drei Letztgenannten sind schon länger auf dem Markt. Nun schließt Toyota mit französischer Hilfe eine Modelllücke und hofft ebenfalls auf mehr Transporterkunden. Die wichtigsten Konkurrenten heißen VW Caddy und Ford Tourneo Custom.

 

Solide und pflegeleicht

Wie in diesem Segment üblich, kann der Kastenwagen seine gewerblichen Wurzeln nicht verbergen: Ein nützlicher Transporter ist nun mal kein Sportcoupé, auch der Proace City wird niemandem den Kopf verdrehen. Die inneren Werte sind bedeutsamer.

Obwohl Sitzkomfort und Cockpitanmutung absolut dem Pkw-Bereich entsprechen, muss man mit viel hartem und grauem Kunststoff leben. Das ist robust und pflegeleicht, verströmt aber kein Verwöhnaroma.

Dafür ist das Raumangebot mehr als üppig. Ablagefächer gibt es sogar so viele, dass man sie gleich zweimal durchzählen muss. Besonders praktisch: die großen Fächer über Kopf im Dachhimmel und vor dem Lenkrad im Armaturenbrett.

Gut gelungen sind auch die Platzierungen sämtlicher Bedienelemente, die alle von PSA kommen. Der große Touchscreen trägt dazu bei, dass man sich wie in einem Pkw fühlt.

Frank Heide schreibt seit 15 Jahren über Autos. Für das Creditreform Magazin testet einmal im Monat die neuesten Firmenwagen. © Thomas Luther

Toyotas Proace City gibt es auch als Peugeot Rifter beziehungsweise Partner, als Citroën Berlingo und als Opel Combo. Praktisch sind sie alle. Toyota schließt mit dem Proace seine Angebotslücke im Transporterbereich, aber versäumt es leider, bei dem von PSA entwickelten Modell eigene Akzente zu setzen.

Verso = variantenreich

Weil sich der Proace City Verso an Familien wendet, kann man ihn in beiden Karosserielängen – in der 4,50 Meter langen Kurzversion und in der 4,77 Meter messenden Langversion – als Fünf- oder als Siebensitzer bestellen.

Wer den Proace City als reines Nutzfahrzeug erwirbt, kann ebenfalls zwischen den beiden Längen wählen. Darüber hinaus gibt es den Japaner als Kastenwagen oder verglast mit zwei oder drei Sitzen in der ersten Reihe. Vor allem das Glasdach stünde auf meiner Liste mit Extras, denn es wertet den Innenraum erheblich auf.

Aber auch wer den Kastenwagen für gewerbliche Zwecke konfigurieren will, hat viele Varianten zur Auswahl. Die Langversion ist auch als Doppelkabinenmodell mit Rückbank zu haben und bietet dann Platz für fünf Personen. Das Ladevolumen beträgt je nach Ausführung zwischen 3.300 und 4.300 Litern, die maximale Nutzlast beträgt bis zu einer Tonne.

Die Beladung erfolgt wahlweise über nur eine oder zwei seitliche Schiebetüren. Und große Güter mit bis zu 3,40 Meter Ladelänge gelangen am besten von hinten ins Auto, entweder durch asymmetrische Hecktüren oder durch eine optionale Klappe, die beim Pkw Standard ist. Besonders praktisch dabei: Die Heckscheibe lässt sich ­separat öffnen, wie bei BMWs Touring-Modellen.

Gefahren habe ich die Top-Dieselversion, den 1,5-Liter-Selbstzünder mit 130 PS beziehungsweise 96 kW. Damit ist der Kastenwagen für den Alltag so souverän motorisiert, dass er geradezu agil durch den Stadtverkehr sprintet.

Was wohl auch am geringen Wendekreis der getesteten Kurzver­sion von 10,80 Meter liegt. Auffällig ist allenfalls eine höhere Geräuschentwicklung als in einem Pkw, Federung und Fahrverhalten sind aber ein gelungener Kompromiss mit einigem Alltagskomfort.

Auch die Übersicht fand ich für einen Transporter sehr gut, der Verbrauch geht mit etwas über sechs Liter im Durchschnitt ebenfalls voll in Ordnung. Etwas eingebremst hat mich aber die Breite des Autos von 2,10 Meter.

 

Die Suche nach dem USP

Auch die kleineren Motorvarianten – ein 1,2-Liter-Benziner mit 81 kW/110 PS und 96 kW/130 PS sowie der 1,5-Liter-Diesel in den Leistungsstufen 55 kW/75 PS und 75 kW/102 PS – kommen aus dem PSA-Konzern, ebenso wie die manuellen Getriebe mit fünf oder sechs Gängen und die Achtstufenautomatik, die den Topmodellen vorbehalten bleibt. Im kommenden Jahr soll es außerdem eine Elektrovariante geben.

Es spricht für Toyota, sich bei seinem ersten Hochdachkombi für die PSA-Plattform zu entscheiden. Sie ist nützlich, modern und kombiniert gewerbliche Tugenden mit Pkw-ähnlichem Fahrgefühl.

Für welche Marke sich Kunden aber letztlich entscheiden, überlassen die Japaner stark dem Zufall. Der Proace City wirkt im Vergleich etwa zum Berlingo, der gekonnt mit Farben und Stoffen spielt, nicht wirklich eigenständig.

Damit sich der Japaner wirklich von den Franzosen und dem Opel unterscheidet, muss man intensiv in der Liste der Extras suchen – und da wird es bekanntlich auch richtig teuer.

 

Technische Daten

Antrieb: 1,5-Liter-Vierzylinder-Diesel

 

Leistung: 96 kW/130 PS

 

Beschleunigung: 0-100 km/h: 10,6 Sek., max. 185 km/h

 

Abgasnorm: Euro 6d-temp

 

Verbrauch: 6,2 bis 5,6 l/100 km (nach WLTP)

 

Nutzlast: 650 bis 1.000 Kilogramm

 

Laderaumvolumen: Nfz: 3.800 Liter (Langversion: 4.300 Liter), Pkw: 597 bis 2.126 Liter

 

Preis: ab 16.220 Euro als Kastenwagen (netto), ab 20.660 Euro als Pkw (brutto)