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Creditreform
Toyota, Testfahrt

© Toyota

Es gibt spannendere Autos als Toyotas RAV4. Doch als Plug-in-Hybrid punktet das SUV mit guter Elektro-Reichweite und großer Alltagstauglichkeit. Ideal für Pendler mit Lademöglichkeit.

 

Umweltschützer können noch so über die massive Förderung von Plug-in-Hybriden (PHEV) schimpfen – die finanziellen Anreize wirken. Noch nie wurden in Deutschland so viele (Teil-)Elektroautos verkauft wie in den Monaten seit Juli 2020.

Ihr Marktanteil beträgt mittlerweile mehr als zehn Prozent aller Neuzulassungen. Im Jahr zuvor waren es gerade mal drei Prozent.

Toyota macht also alles richtig, wenn in genau dieser Phase der Umwelt- und Innovationsprämien die Neuauflage eines globalen Bestsellers der Marke in den Wettbewerb rollt. Der RAV4 zählt zwar seit 1994 zum Urgestein des SUV-Segments, doch erst in der fünften Generation bekommt er nun die Hybridtechnik, die aktuell mit 6.750 Euro bezuschusst wird. Das Fahrzeug kostet mindestens 46.300 Euro.

Dienstwagenfahrer, die den Plug-in-RAV4 auch privat nutzen, müssen monatlich außerdem nur 0,5 statt 1,0 Prozent des Bruttolistenpreises versteuern. Bei 59.000 Euro, die der RAV4 in Topausstattung kostet, sind statt 590 also nur 295 Euro Steuern fällig.

 

Ungewöhnliches E-Auto mit viel Hubraum

Auf den ersten Blick erkennt man den RAV4 gar nicht als PHEV. Doch unterm Blech arbeiten gleich drei Motoren, was ihn zu einem ungewöhnlichen E-Auto mit viel Hubraum macht.

Zwei mal Elektro, mit 134 kW (182 PS) beziehungsweise 40 kW (54 PS) vorne und hinten, plus weitere 136 kW (185 PS) aus einem 2,5-Liter-Vierzylinderbenziner. Macht zusammen 225 kW oder 306 PS Systemleistung, die eine stufenlose CVT-Automatik auf alle vier Räder verteilt.

 

Frank Heide schreibt seit 15 Jahren über Autos. Für das Creditreform Magazin testet einmal im Monat die neuesten Firmenwagen. © Thomas Luther

Der Plug-in-Hybrid punktet mit guter Elektro-Reichweite, beherrscht aber auch den Sprint, wenn es mal sein muss. Seine Stärken spielt der RAV4 aus, wenn man es ruhig angehen lässt. Natürlich gibt es spannendere Autos als diesen Toyota, doch mit denen ist der Fahralltag kein solch unaufgeregtes Vergnügen.

Damit fährt der 4,40 Meter lange Fünftürer im Stadtverkehr wirklich sparsam, wo er im Alltag die Herstellerangabe von 75 Kilometern rein elektrischer Reichweite schafft.

Auch für viele Pendler dürfte diese Fahrleistung aus der 18,1-kWh-Lithium-Ionen-Batterie reichen, um die tägliche Strecke ohne Verbrennungsmotor zu überwinden.

Dynamische Fahrleistungen im Sport-Modus

Im Sport-Modus sind weniger sparsame, aber dafür dynamische Fahrleistungen möglich. In nur sechs Sekunden lässt sich der gediegen ausgestattete 1,9-Tonner aus dem Stand auf Tempo 100 pushen.

Auch bei Zwischenspurts springt der Wagen förmlich nach vorn, diese reifenquälende Power hatte ich ihm gar nicht zugetraut. Allerdings kommt er so auch schnell an seine Grenzen, denn das Fahrwerk des RAV4 ist auf Alltag, Komfort und kleinere Offroad-Ausflüge ausgelegt.

Rein elektrisch schafft er auf der Autobahn 135 km/h, bei Tempo 180 wird er abgeregelt. Auf der Habenseite verbucht der RAV4 zudem eine vernünftige Zuladung, sie liegt zwischen 520 und 1.605 Liter Stauvolumen.

Im Vergleich zur „normalen“ Variante haben die großen Akkus also im Heck nicht allzu viel Platz gekostet.

Was gefällt nicht so gut? In die vielen Anzeigen zu Verbrauch, Ladestand, Reichweite oder Fahrstil muss man sich erst mal einarbeiten.

 

RAV4: Informationsflut für Hybrid-Fans

Die Bedienung im Toyota ist wenig intuitiv, was schade ist, denn der RAV4 bietet Hybridfans eine wahre Informationsflut. Ein bisschen altmodisch wirkt auch die hohe Anzahl von Knöpfchen, Schaltern und Reglern im Innenraum.

Viele Wettbewerber haben ihre Fahrzeuge inzwischen erfolgreicher entrümpelt. Andererseits findet man – je nach Ausstattungsvariante – eine enorme Zahl an modernen Komfortfeatures und Sicherheitsassistenten, von Apple CarPlay und Android Auto über aktive Spurhaltung und Kollisionsvermeidung bis hin zu einem Kamera-Rückspiegel, der für neue Perspektiven sorgt.

Vielfahrer sollten beachten, dass der Toyota bei hohen Geschwindigkeiten richtig zuschlägt, sowohl beim Verbrauch als auch bei der Geräuschentwicklung. Wer ohnehin lieber gemäßigt mit 130 statt 180 Stundenkilometern unterwegs ist, wird damit jedoch kein Problem haben.

Fünf-Liter-Verbräuche bei Stadtfahrten

Ich habe im Hybrid-Modus bei Stadtfahrten Fünf-Liter-Verbräuche geschafft, sofern ich nicht rein elektrisch unterwegs war.

Auf der Landstraße waren es rund sieben Liter, auf der Autobahn acht und mehr – was trotz der aktuell massiven Förderanreize und großen Beliebtheit einmal mehr zeigt: Ein Plug-in-Hybrid ist nur sinnvoll für Fahrer, die zu Hause oder beim Arbeitgeber die Möglichkeit haben, die Akkus aufzuladen und mit voller Batterie zu starten.

Sonst wird die E-Technik zum unnötigen Ballast.

Technische Daten

Antrieb: 2,5-Liter-Vierzylinder-Benziner, Elektromotor vorne, Elektromotor hinten, Allrad

Leistung: 225 kW/306 PS(Systemleistung)

Beschleunigung: 0 - 100 km: 6,0 Sek., max. 180 km/h (rein elektr.: 135 km/h),

Normverbrauch: 1,2 Liter/100 Kilometer

CO2-Ausstoß: 22 g/km

Elektrische Reichweite: 75 km

Preis: ab 46.293 Euro, minus 6.750 Euro Umweltprämie