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Volvo V90, Testfahrt

© Volvo

Das Raumgefühl in Volvos V90 erinnert an eine Lounge und seine stattliche Erscheinung macht auf dem Parkplatz des Geschäftsführers eine gute Figur. Vieles an Volvos großem Kombi-Flaggschiff wirkt sehr elegant. Sein Name ist es nicht.

 

Der Testwagen kommt als Volvo V90 Cross Country B5 Benzin Mild-Hybrid AWD Pro. Kurz gesagt: Er ist ein 250-PS-Benziner mit Allradantrieb. Und damit herumzufahren, kann etwas Besonderes sein. Das demonstriert der Kombi schon beim ersten Halt in meiner Einfahrt. Seine souveräne Erscheinung zieht sofort Blicke an.

Bevor ich losfahre, ein kurzer Blick auf die Preisliste: Mit 61.850,42 Euro schon kein billiges Basisfahrzeug, hat Volvo den Testwagen mit einigen modernen und komfortablen Extras ohne Probleme auf stramme 84.923,72 Euro aufgerüstet.

Man mag kaum noch von Mittelklasse sprechen. Doch wer mag schon auf ein LED-Tagfahrlicht namens „Thors Hammer“ verzichten?

 

Der Innenraum des Volvo V90 Cross Country

Was bekommt man noch für das Geld? Beim Cross Country eine höher gelegte Geländeoptik mit viel Bodenfreiheit. Innen geht es mit Echtholzeinlagen und weichem Leder vor allem großzügig zu, die Raumverhältnisse sind üppig. Kein Wunder, denn der Radstand misst fast drei Meter.

Das Raumgefühl wird durch ein riesiges Panoramaglasdach betont. Die Sitze sind gut auf alle Körpermaße und Positionswünsche eistellbar. Sie verwöhnen auch mit zupackenden bis entspannenden Sitzmassagefunktionen, die vor allem Vielfahrer zu schätzen wissen werden. Auch im Kofferraum herrscht kein Platzmangel, er kann notfalls als 1,99 Meter langes Schlafabteil genutzt werden.

Unterwegs habe ich die Schaltpaddles hinter dem Lenkrad vermisst, allerdings nur einen Tag lang. Danach hat die obligatorische Achtgang-Automatik in vielen Fahrsituationen überzeugt. Sie macht auch ohne mein Zutun so gut wie alles richtig.

Auf der Landstraße und bei hohem Autobahntempo fällt auf: Die optionale Akustikverglasung sorgt für Ruhe an Bord und der lange Radstand in Verbindung mit optional luftgefederter Hinterachse und 1.925 Kilo Leergewicht ermöglicht, dass der Wagen wie das sprichwörtliche Brett auf dem Asphalt liegt.

 

Eingebautes Tempolimit

Eine Eigenart der schwedischen Marke, die seit 2010 unter chinesischer Regie steht, ist traditionell ihr hoher Sicherheitsanspruch. An Bord bemüht sich demzufolge eine Vielzahl technisch aufwendiger und teurer Assistenten – teils übereifrig piepend – um die Unversehrtheit von Lack und Leben.

Ein neuer Entwicklungsschritt ist das selbstverordnete Tempolimit: Bei 180 km/h ist jetzt Schluss. Man kann das gut finden oder muss woanders kaufen. So selbstbewusst ist man bei Volvo.

Die Marke bietet zudem ausschließlich noch Zweiliter-Vierzylinder an, während andere Hersteller locker ein halbes Dutzend Motorvarianten für ihre besten Kombis vorhalten. Auch bei der Kraftverteilung gibt es keine Auswahl: Der V90 Cross Country hat immer eine Achtgang-Automatik und ist ausschließlich mit Allradantrieb zu haben.

 

Sicherheit im Volvo V90

Andere Besonderheiten sorgen für weniger Diskussionen: So ist etwa die Autopilot-Funktion mit nur zwei Knopfdrücken im Lenkrad zu aktivieren und sie funktionierte stets so gut, dass man sich ihr gerne anvertraut.

Zu den zahlreichen Komfort- und Sicherheitsfeatures zählt unter anderem ein Notbremsassistent mit Fußgänger- und Radfahrer-Erkennung bei Tag und bei Nacht, ein City-Safety-System, das sogar Zusammenstöße mit großen Wildtieren vermeiden kann, eine Parkkamera mit 360-Grad-Surround-View und ein Luftqualitätssystem mit Aktivkohle-Feinstaubfilter.

 

 

Frank Heide schreibt seit 15 Jahren über Autos. Für das Creditreform Magazin testet einmal im Monat die neuesten Firmenwagen. © Thomas Luther

Wer gegen die üblichen Premium-Verdächtigen in der oberen Dienstwagen-Liga bestehen will, der muss etwas Besonderes vorfahren. Für Volvo ist das kein Problem, dank des Lifestyle-Kombi V90 – der wirkt als Cross Country sogar im Gelände elegant.

 

Kritikpunkte gibt es an dem Fahrzeug nur wenige. Klar ist aber, dass man sich mit ihm beschäftigen sollte. Schon die Kurzform der Bedienungsanleitung hat zehn Seiten; und nicht alles, was sich hinter dem zentralen Touchscreen verbirgt, ist intuitiv zu bewerkstelligen. Dass man einen Mild-Hybrid fährt, also einen Benziner mit Elektro-Unterstützung, merkt man kaum.

Leider auch nicht beim Verbrauch. Unter acht Liter habe ich das Fahrzeug nie bewegen können, oft waren es eher unzeitgemäße zweistellige Verbräuche.

Volvo macht beim Cross Country wieder vieles bewusst anders als andere Hersteller. Nicht unbedingt besser, aber individueller. Der Geländekombi inszeniert Understatement als Show, er gefällt jedem, drängt sich aber niemandem auf. Das Topniveau gilt mit dem Namenszusatz Mild-Hybrid aber auch für Verbrauch und Preis.

Technische Daten

Volvo V90 Cross Country Mild-Hybrid

Antrieb: 2,0-Liter-Benzin-Direkteinspritzer, 8-Gang-Automatik

Leistung: 184 kW/250 PS

Maximales Drehmoment: 350 Nm bei 1.800 bis 4.800 U/min

E-Motor: 14 PS (10 kW), 40 Nm

Beschleunigung: 0 – 100 km/h: 7,4 Sek.

Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h

Durchschnittsverbrauch: 6,8 Liter/100 Kilometer (WLTP)

CO2-Ausstoß: 154 g/km

Abgasnorm: Euro 6d

Preis Basis: 61.850,42 Euro, (Testwagen: 84.923,72 Euro)