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Creditreform
Illustration: Virtual Reality

© Andreas Klammt

Virtuelle Realitäten (VR) unterstützen bei einer Vielzahl von Aufgaben. In der Anlagenbeschaffung können die Anwendungen Zeit und Geld sparen.

 

Problem trifft Lösung

Digitale Services machen Mittelständlern das Geschäftsleben leichter. Das Creditreform-Magazin stellt jeden Monat eine clevere Dienstleistung vor, deren Einsatz sich wirklich lohnt.

Das Problem: Die Anlagenbeschaffung mit Virtual Reality optimieren

Wieder eine Technologie, die von der Corona-Pandemie befeuert wird – möchte man jedenfalls meinen. De facto ist der Absatz von Virtual-Reality-Brillen im Jahr 2020 zurückgegangen.

Dennoch wird dem Markt mittelfristig ein starkes Wachstum vorausgesagt – laut PwC wachsen die Umsätze aus VR-Anwendungen in Deutschland bis zum Jahr 2023 zweistellig auf 280 Millionen Euro, Gaming und Video eingeschlossen.

Während die Anwendungen dort einleuchtend sind, ist das Potenzial von VR in der Arbeitswelt nicht immer so offensichtlich. In der Industrie kann VR bei der Beschaffung von Anlagen unterstützen.

 

Die Lösung: Realitätsgetreue Umgebungen schaffen

Realworld One hat einen Ansatz zur Implementierung von VR und Augmented Reality in verschiedenen Unternehmensbereichen entwickelt. „Mithilfe von VR können unsere Kunden interaktive und realitätsgetreue Umgebungen und Inhalte erstellen und ihren Mitarbeitern, Kunden und Partnern zugänglich machen“, sagt Gründer und Geschäftsführer Pascal Stiegelmann.

„Dort können das Produktportfolio, die Technologien und anwendungsbezogene Informationen abgebildet werden, um diese etwa für Produktpräsentationen oder Schulungen zu nutzen.“ Die virtuellen Räume können um eine Shopfunktion erweitert werden.

Bei den vielfältigen Nutzungsmöglichkeiten ist der Anspruch von Realworld One immer derselbe: „Wir bauen die Realität nach“, sagt  Marcel Stiegelmann, Bruder von Pascal und ebenfalls Gründer der Firma. „Unser Ziel ist, dies so zu tun, dass die virtuelle Realität nicht mehr von der realen zu unterscheiden ist.“

 

Die Anwendung: Sehen, was passt und was nicht

Beim Automatisierungsspezialisten Festo kam VR zuerst in der Anlagenbeschaffung zum Einsatz. Sie wurde dort zunächst im Jahr 2017 im Rahmen eines Pilotprojekts genutzt, seit 2018 ist sie Standard.

Von hier aus eroberte die Technologie das Tochterunternehmen Festo Didactic SE in der Aus- und Weiterbildung, für das Realworld One eine Industrie-4.0-Lernfabrik schuf, in der Studenten und Berufsschüler ausgebildet werden und etwa mithilfe realgroßer VR-Elemente die Prozessmodule einer Fertigungsstraße bauen.

„Wir stehen bei der Beschaffung vor der Herausforderung, die Anlagen verschiedener Hersteller zusammenzubringen“, sagt Florian Aust, Innovationsmanager bei Festo. „Wenn wir einen Roboter beschaffen müssen, der Teile in eine Maschine einlegen soll, können wir unter anderem prüfen, ob die Höhen zueinanderpassen.

So lassen sich Fehler schon vor der Beschaffung ermitteln und ausmerzen.“ Die erzielte Kosteneinsparung sei fünfstellig und die Laufzeit einiger Teilprojekte konnte um etwa 50 Prozent verkürzt werden.

Die Lösung sei gut skalierbar: „Konzepte von Montagesystemen müssen nur einmal dargestellt werden und können an anderen Standorten genutzt werden“, erklärt Aust.

So könnten etwa die Abnahmen von Betriebsrat, Betriebssicherheit und dem Betreiber der Maschine  virtuell erfolgen. Festo plant weitere VR-Projekte – zum Beispiel in Marketing und Sales.