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Der Schritt erscheint konsequent: Erstmals wird die CeBIT exklusiv nur Fachleuten Eintritt gewähren. Im Gegenzug sollen diese den Ausstellern gute Kontakte und lukrative Geschäfte bescheren. Messeleitung und Aussteller können sich somit ganz auf die Welt der Business-IT konzentrieren. Deren abstrakte Begrifflichkeiten würden das Gros der privaten Konsumenten wohl ohnehin abschrecken.

Eines der viel genannten Fachwörter benennt das diesjährige Leitthema: Datability, zusammengesetzt aus „Data“ und „Sustainability“ (Nachhaltigkeit). Gemeint ist damit, aus immensen und unstrukturierten Datenbeständen neue Erkenntnisse für das Unternehmen zu gewinnen – etwa, um wichtige Kennzahlen besser im Blick zu haben, um das Kundenverhalten besser abschätzen zu können oder um neue Produkte zu entwickeln.

Wie wichtig die Auswertung von Informationen ist, zeigt die folgende Zahl: Satte 2,8 Zettabyte groß war der bis 2012 weltweit produzierte Datenberg, so eine Erhebung des Speicherspezialisten EMC. Zettabytes – hinter dieser Einheit verbergen sich schier unvorstellbar viele Bytes: eine Eins mit 21 Nullen. Da verliert man schnell den Überblick.

Doch eine aktuelle Studie zur Nutzung von Big Data zeigt, dass die Mehrheit der Unternehmen noch wenig mit Datability vertraut ist: Demnach nutzen 83 Prozent der Befragten nur maximal die Hälfte der verfügbaren Daten für “ eine Analyse. Dabei lohnt der Aufwand: „Gerade in großen Lieferketten und Liefernetzwerken klagen die kleinen und mittelständischen Unternehmen als Zulieferer darüber, dass ihnen Daten und Informationen fehlen, wie das Endprodukt beim Endkonsumenten wahrgenommen wird“, berichtet Studienleiter Norbert Gronau. Der Professor für Wirtschaftsinformatik an der Universität Potsdam betont, dass die finanziellen Hürden mittlerweile auch für kleinere Betriebe überwindbar seien: „Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass Großunternehmen über größere Budgets und in der Regel bereits über eine umfassendere IT-Infrastruktur verfügen, die sich für eine Big-Data-Erweiterung nutzen lassen – aber es gibt durchaus vergleichbare Open-Source-Angebote für den Mittelstand.“

Die Zahl der Angebote steigt

Zwar bieten große IT-Konzerne wie IBM (CeBIT-Halle 2/Stand A10), Microsoft (Halle 4/Stand A26) und Intel (Nord/ LB-Forum) seit vielen Jahren Lösungen an, mit denen sich die Datenmassen im Unternehmensbereich strategisch und gewinnbringend nutzen lassen. Spätestens seit den 1990er Jahren setzen Konzerne diese auch flächendeckend ein. Für kleine und mittlere Unternehmen sind diese Möglichkeiten aber erst seit wenigen Jahren – dank sinkender Kosten durch Open Source – interessant. Das gilt für Hersteller und Anwender gleichermaßen: Während die All-in-One-Plattformen der Platzhirsche auch heute oftmals einen sieben- bis achtstelligen Betrag kosten, etwa die Profi-Anwendungen der Software AG (Halle 4/ Stand C11), finden sich bei kleineren Anbietern nun auch preiswertere Optionen: Anlässlich des CeBIT-Wettbewerbs CODE_n unter dem Motto „Driving the Data Revolution“ präsentieren in diesem Jahr 50 Start-ups aus 16 Ländern ihre Big-Data-Lösungen für ganz unterschiedliche Branchen.

Eine innovative und kostengünstige Big-Data-Anwendung stammt aus Norderstedt. Das Unternehmen G-Predictive (Halle 16) hat eine auf Open Source basierende Software entwickelt, die für Unternehmen vergleichsweise günstig ist, weil sie ohne Lizenzgebühren auskommt. „Für untere vierstellige Beträge im Monat können wir Unternehmen Einblicke in das zukünftige Verhalten ihrer Kunden ermöglichen“, erläutert Björn Goerke, CEO von G-Predictive. „Damit lassen sich zum Beispiel Retourenquoten im Versandhandel reduzieren und gezieltere Werbeangebote mit höherer Kaufrate gestalten.“ Die Anwendung ist leicht zu bedienen.

„Wir installieren in der Regel nicht einmal eine Software auf den Rechnern unserer Kunden. Die Daten werden über eine Schnittstelle zu uns gesandt, automatisiert ausgewertet und die Ergebnisse aufbereitet zurückgespielt“, so Goerke.

Der Software-Hersteller Macio gehört zu den wenigen Mittelständlern, die Datenanalyse-Tools einsetzen. Geschäftsführer Alexander Friedel ist überzeugt: „Auf der Basis des von G-Predictive ermittelten Lead Scores können wir unsere Vertriebsaktivitäten jetzt gezielter ausrichten. Wir gewinnen so größere Projekte und investieren mehr Zeit in Lösungen für unsere Kunden.“ Doch nicht nur im Vertrieb bietet die Nutzung von Big Data Vorteile, wie Experte Gronau weiß: „Unsere Studie zeigt, dass in den kleinen und mittelgroßen Betrieben neben dem Service und dem Vertrieb insbesondere das Finanzwesen und die Logistik als Fachbereiche genannt werden, in denen Business-Intelligence- und Business-Analytics-Anwendungen bereits häufiger zum Einsatz kommen.“ Diese Abteilungen werden auch am häufigsten genannt bei der Frage, wo die Bedeutung von Data Analytics künftig zunehmen werde.

Die entsprechenden Tools entwickeln sich rasant weiter. Stand bisher die Bewältigung von immer größeren Datenmengen im Fokus, konzentrieren sich neueste Anwendungen auf eine höhere Geschwindigkeit der Analyse und den intelligenten Umgang mit unterschiedlichen Datentypen: „Auf der CeBIT werden wir eine neue Plattform präsentieren, die Datenströme in Echtzeit überwacht, Ereignismuster erkennt und analysiert und – falls erforderlich – sofortige Maßnahmen automatisch einleitet“, sagt zum Beispiel Bärbel Strothmann von der Software AG.

 

Checkliste: So beherrschen Sie die Datenflut

Damit die Nutzung von Big Data im eigenen Unternehmen gelingt, ist eine passende Software-Lösung erforderlich – und eine professionelle Big-Data-Strategie. Die folgende Checkliste hilft Ihnen, sich der Einführung von Big-Data-Tools strukturiert zu nähern und diese nachhaltig für den Unternehmenserfolg einzusetzen.

  1. Anforderungen ermitteln: Erheben Sie vor Beginn des Projekts Ihren Analysebedarf. Wo reicht die Informationsverarbeitung mit bisherigen Mitteln nicht aus und in welchen Bereichen ist sie tatsächlich für den wirtschaftlichen Erfolg notwendig?
  2. Ziele setzen: Damit die praktische Umsetzung einer Big-Data-Lösung für alle Betroffenen nachvollziehbar ist, müssen Sie vor Beginn quantitativ oder qualitativ messbare Ziele festlegen, zum Beispiel Steigerung der Kundenbindung, Erschließung neuer Umsatzquellen oder Qualitätssteigerung im Kundenservice.
  3. Datenquellen festlegen: Neben internen sollten auch externe Datenquellen ausgewertet werden. Sowohl strukturierte als auch unstrukturierte Daten müssen für einen maximalen Erkenntnisgewinn erschlossen werden, etwa aus dem Social Web, aus dem Internet oder aus den Daten mobiler Endgeräte. Spüren Sie vorab die Quellen auf, deren Auswertung Ihnen bei aktuellen Entscheidungsfindungen helfen könnte.
  4. IT und Fachbereiche vernetzen: Der Erfolg hängt von der gelungenen Zusammenarbeit zwischen der IT und den Fachbereichen ab, die von der Datenauswertung profitieren sollen. Schulen Sie Ihre Mitarbeiter intern oder extern, damit sie die Analysemöglichkeiten optimal nutzen.
  5. Ergebnis kontrollieren: Wie alle Anwendungen sind auch Big-Data-Projekte wechselnden Einflüssen ausgesetzt und müssen auf diese abgestimmt werden. Prüfen Sie regelmäßig die zuvor gesetzten Ziele und passen Sie Ihre Strategie gegebenenfalls an.

 

Die Cebit-Fakten

– Öffnungszeiten: Montag, 10. März, bis Freitag, 14. März 2014, von 9 bis 18 Uhr.

– Inhalte: Themenschwerpunkte sind Enterprise Resource Planning & Data Analysis, Enterprise Content Management, Web & Mobile Solutions, IT-Services, Security, Communication & Networks, Infrastructure & Data Centers sowie Research & Innovations. Hierzu finden zusätzliche Vorträge, Seminare, Foren und Networking-Angebote statt.

– Kosten: Das Tagesticket kostet im Vorverkauf 55 Euro. Die Teilnahme an den Vorträgen der CeBIT Global Conferences (CGC) in Halle 8 ist in diesem Jahr kostenpflichtig. Das entsprechende Tagesticket „Exhibition & Conferences“ kostet für Frühbucher (bis 24.2.2014) 240 Euro, danach 600 Euro.

– Die CRM- und ERP-Arenen: Mit der aktuellen Standard-Software aus dem Segment Customer Relationship Management (CRM) können Unternehmer vorhandene Kundendaten besser nutzen. Wie dies geschieht, zeigt beispielsweise das Würzburger Business Application Research Center (BARC), ein unabhängiges Forschungs- und Beratungsinstitut für Unternehmenssoftware. In den vergangenen Jahren hatte das BARC in Hannover zum Thema Business Intelligence & Datenmanagement informiert, in diesem Jahr wird es in Halle 6 zusätzlich ein Forum zum Thema CRM geben. In derselben Halle finden die Besucher zahlreiche weitere Aussteller aus dem Bereich CRM beziehungsweise Marketing Analytics. Unternehmer, die soziale Plattformen oder mobile Geräte nutzen möchten, sind in Halle 6 ebenfalls richtig. Sie ist gleichzeitig der Treffpunkt für Entwickler von Web Solutions und Mobile Solutions. Experten berichten zum Beispiel über neue Entwicklungen im E-Commerce, Start-ups stellen neue Apps vor und in der neu eingerichteten Social-Business-Arena erläutern Referenten, wie sich über soziale Plattformen in Firmen neue Wege für die Zusammenarbeit der Mitarbeiter und für den Dialog mit Kunden schaffen lassen.

Gleich nebenan in Halle 5 geht es um die digitale Basis von Unternehmungen: Software aus dem Bereich Enterprise Ressource Planing (ERP). Ein Tipp: die Guided Tours, bei denen täglich verschiedene Software-Produkte anhand einheitlicher, vergleichbarer Kriterien kurz vorgestellt werden. Außerdem finden sich in den Hallen 5 und 6 Aussteller von Systemen für Zeiterfassung, AutoID und RFID, Logistics sowie Retail Solutions.

Wer Infos zu Dokumentenmanagement, Archivierung, Druckmanagement, Lösungen für Post und Mailings oder Scansystemen sucht, ist in Halle 3 richtig. Dort gibt es die erste Anlaufstelle zum Thema Enterprise Content Management (ECM) in Form eines Gemeinschaftsstands des Verbands Organisations- und Informationssysteme und des Branchenverbands Bitkom. In Halle 11 geht es um Data Center, Netzwerkausrüstung und Automatisierungstechniken und in Halle 12 sammeln sich Aussteller aus dem Bereich IT-Security.

Lohnenswert ist auch ein Besuch der Hallen 2 und 4. Hier präsentieren große Hersteller anschaulich neue Digitalisierungstechniken. Trotz ihrer exklusiven Ausrichtung auf Fachbesucher bietet die CeBIT 2014 damit auch etwas fürs Auge.