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Creditreform
Krankenschein

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Ursprünglich sollte der gelbe, papierne Krankenschein ab dem 1. Januar 2021 der Vergangenheit angehören. Nun hat die Regierung die Einführung der elektronischen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (eAU) auf Januar 2022 verschoben. Unternehmen sollten die Zeit nutzen.

 

Worum geht es?

Die ärztliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung (AU), wie der Krankenschein offiziell heißt, ist wichtig für die Entgeltfortzahlung im Krankheitsfall.

Bisher stellt der Arzt drei Ausfertigungen aus: eine für die Krankenkasse, eine für den Arbeitgeber und eine für den Arbeitnehmer.

Letzterer muss die Bescheinigung seinem Arbeitgeber spätestens am vierten Kalendertag der Krankheit vorlegen, um gemäß Entgeltfortzahlungsgesetz Anspruch darauf zu haben, während der Krankheit für maximal sechs Wochen weiter sein reguläres Gehalt zu beziehen.

 

Warum wird der Krankenschein digitalisiert?

„Die Politik möchte das Gesundheitswesen stärker digitalisieren und Bürokratie abbauen“, erklärt Kathrin Vossen, Fachanwältin für Arbeitsrecht und Partnerin der Kölner Kanzlei Oppenhoff. Ein papiergebundener Prozess gelte nicht mehr als zeitgemäß.

Zum Beispiel reichen Arbeitnehmer die Bescheinigung zu spät ein oder aber gar nicht, weil sie sie verlegt haben. Hinzu kommt der Verwaltungsaufwand in den Personalabteilungen, die die Scheine kontrollieren und archivieren.

 

Wie wird die eAU funktionieren?

Ab dem 1. Oktober 2021 sollen Ärzte testweise Daten zur Arbeitsunfähigkeit elektronisch an die Krankenkassen übermitteln. Die zugrunde liegende Gesetzesänderung wird zum 1. Januar 2022 gültig.

Arbeitnehmer müssen dann keinen Krankenschein mehr abgeben, sondern nur bis zum vierten Kalendertag die Arbeitsunfähigkeit durch einen Arzt feststellen lassen und sie ihrem Arbeitgeber melden.

Der wiederum kann die vom Arzt übermittelten Daten mit seinem Entgeltabrechnungsprogramm bei der Krankenkasse abrufen.

 

Was bedeutet der neue Prozess für Arbeitgeber?

„Der große Wurf ist die Änderung noch nicht“, kommentiert Kathrin Vossen. „Es entfallen zwar zwei der drei papiergebundenen Ausfertigungen. Eine Ausfertigung in Papierform muss der Arzt seinem Patienten aber nach wie vor aushändigen, sozusagen als Backup.“

Hinzu kommt: Das neue Prozedere gilt nur für gesetzlich Versicherte. Bei privat versicherten Arbeitnehmern müssen Unternehmen nach wie vor die Papier-AU einfordern.

 

Wird tatsächlich Bürokratie vermieden?

Konflikte darüber, ob die AU fristgerecht vorlag, dürften der Vergangenheit angehören. Doch die eAU wirft neue Fragen auf. „In vielen Arbeitsverträgen wird der Nachweis einer Arbeitsunfähigkeit durch die Vorlage einer papiergebundenen AU verlangt.

Diese Verträge müssten angepasst werden“, sagt Vossen. Auch erhalten Unternehmen elektronisch weniger Informationen. „Sie erfahren zum Beispiel nicht mehr, wer der ausstellende Arzt ist.“ Ein möglicher Missbrauch durch Arbeitnehmer ist dadurch schwieriger zu erkennen.