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Kennen Sie schon den Adaptability Quotient? Er gibt Aufschluss über die Beweglichkeit Ihres Unternehmens – ein Buzzword zwar, aber in dieser Krise ein besonders wichtiges.

 

Da sitzt er plötzlich wieder vor meinem inneren Auge: der Affe im Oberhemd. Jetzt, ausgerechnet, denke ich an das Maskottchen des Textilunternehmens Trigema. Während das Leben auf den Kopf gestellt wird, steht eine Ikone meiner Kindheit plötzlich für deutsche Innovationskultur. Damit hatte ich nun wirklich nicht gerechnet.

Mit der Einschlagswucht eines einzelnen Virus allerdings ebenso wenig. Während viele Unternehmen Anfang April noch um Fassung ringen, handelt der als konservativ geltende schwäbische Mittelständler bereits entschlossen und produziert Schutzmasken statt Polohemden.

Anpassungsfähigkeit ist in unserer schnelllebigen Zeit (Stichwort VUCA) entscheidend für den nachhaltigen Erfolg eines Unternehmens. Krisen wie diese legen Defizite in der Beweglichkeit schonungslos frei.

Unternehmer sind also gut beraten, wenn sie den sogenannten Adaptability Quotient (AQ) ihrer Mannschaft genau im Blick behalten. Hinter dem Buzzword steckt die Fähigkeit, schnell zu reagieren sowie Produkte, Dienstleistungen und Strategie an neue Anforderungen anzupassen.

 

Neues entdecken wollen

Der Treibstoff auf dem Weg zu einem hohen AQ ist schon in uns: Neugier. Ohne den Drang, Neues zu entdecken, würde das Leben irgendwann zum Erliegen kommen. Gleiches gilt für Geschäftsmodelle. Je mehr wir uns aus der eigenen Komfortzone herauswagen, desto höher steigt der AQ in der Organisation.

Wenn Führungskräfte den Willen zur Veränderung in die Belegschaft tragen wollen, brauchen sie nicht nur selbst Offenheit und Empathie – sie müssen diese Werte auch vorleben. Nichts ist so effektiv wie ein glaubwürdiger Chef, wenn es um den Kulturwandel geht.

Ein authentischer CEO allein bleibt freilich wirkungslos. Auch die Führungskräfte müssen aufgeschlossen handeln und ihre Teams dazu ermutigen, eigene Ideen zu entwickeln.

Und zwar aufrichtig. Denn wer experimentiert, der macht auch Fehler. Wenn Mitarbeiter damit rechnen müssen, dass sie dafür abgestraft werden, ist der Weg zurück in die Komfortzone nicht weit.

Führungskräfte sollten deshalb selbst offen mit ihren Fehlern umgehen. Das tut auch Textil-Chef Wolfgang Grupp: Er ärgere sich noch heute, dass er für einige Jahre auf den Affen in der Werbung verzichtet habe.

Ob es sich mit seinen Masken anders verhält? Noch ist es zu früh für Heldensagen aus der Corona-Krise. Doch dieses schnelle Handeln kann sich in einigen Monaten als (Über-)Lebenselixier des Mittelständlers herausstellen.

 

Hanna Holzberg verantwortet die Redaktion Change bei der Handelsblatt Media Group. In ihrer Kolumne „Zeit, was zu ändern“ macht sie Lust auf Veränderung.