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Creditreform

Ordnung ist das halbe Leben – das gilt auch für den Arbeitsplatz. Wie Wissensarbeiter mit ein paar Tricks immer einen aufgeräumten Schreibtisch haben – und damit ihre Karriere positiv beeinflussen.

Zeige mir deinen Schreibtisch und ich sage dir, wer du bist: Experten sind der Ansicht, dass die Gestaltung des Arbeitsplatzes verlässliche Rückschlüsse auf deren Besitzer zulässt. Der britische Psychologe Cary Cooper etwa hat in einer Studie Schreibtische in Hunderten von Büros untersucht und fünf grobe Typen herauskristallisiert – vom Familienmenschen über den Chaoten bis zum Ordnungsfreak.

Zwar gibt es hierzulande keine vergleichbare Studie, doch teilen Arbeitsorganisationsberater wie Jürgen Kurz aus dem schwäbischen Gingen und Ina Grombach aus Bonn Coopers Erkenntnis: „Chaos auf dem Schreibtisch lässt bei Vorgesetzten wie auch Kunden die Unterstellung zu, dass die Ausführung der Arbeit ähnlich chaotisch verläuft“, sagt Grombach. Wachsende Papier- und Aktenberge führten außerdem zu Frust und dem Gefühl der Überforderung.

Silent Worker, Hypercross: Welcher Bürotyp sind Sie? Was lenkt Ihre Mitarbeiter ab? Wie viel Arbeitszeit kostet ineffiziente Arbeitsorganisation? Antworten: creditreform-magazin.de/arbeitsorganisation

In ihren Einsätzen in Unternehmen jeder Größenordnung haben die Berater bereits alles gesehen: von chaotischen Zuständen mit Papierstapeln und verstaubten Plüschtieren über kinderzimmerähnliches Ambiente bis zu durchgestylten Schreibtischen inklusive Accessoires und pedantisch aufgeräumten Tischen. „An einem vollen Schreibtisch kann durchaus ein tüchtiger Mitarbeiter sitzen“, räumt Kurz ein. „Doch der Umkehrschluss, dass an einem leeren Schreibtisch ein Faulpelz sitzt, stimmt nicht: Leertischler sind erwiesenermaßen effizienter.“

Bereits vor Jahren fand die „Lean-Office-Studie“ des Stuttgarter Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnik und Automatisierung heraus: Zehn Prozent der Arbeitszeit werden durch fehlende Arbeitsmaterialien oder ständiges Suchen nach dem richtigen Dokument verschwendet.

Noch schlimmer: Eine unordentliche Arbeitsumgebung kann auch negative Auswirkungen auf das Mitarbeiterklima und die persönliche Karriere haben. Das fand eine Studie des Bürobedarfsausstatters Staples heraus. Sowohl Chefs als auch Mitarbeiter waren darin mehrheitlich davon überzeugt, dass Mitarbeiter mit einem aufgeräumten Schreibtisch bei einer Beförderung bevorzugt würden.

Vorbild: Besteckschublade

Wie Wissenschaftler der University of Minnesota erforschten, wirkt sich der Zustand auf dem Schreibtisch auch auf das Verhalten des Arbeitnehmers aus: Eine aufgeräumte Arbeitsumgebung fördert demnach gewissenhaftes Verhalten. Ein Grund mehr für Mitarbeiter, sich ihren Schreibtisch einmal vorzunehmen. Das größte Hindernis in den Köpfen vieler Mitarbeiter ist nach der Erfahrung von Organisationsberater Kurz der Glaubenssatz, eine permanente Ordnung auf dem Schreibtisch sei schlichtweg unmöglich. „Die Menschen leiden unter der Unordnung.

Sie räumen widerwillig auf, weil sie wissen, dass es doch bald wieder genauso aussehen wird. Diese Sinnlosigkeit des Tuns nervt sie“, erklärt er. Dann bringt er gerne sein Beispiel mit der Besteckschublade an: Jeder hat eine zu Hause und die ist immer geordnet. Das Prinzip „Alles hat einen Platz, alles hat seinen Platz“ gelte es nun, auf den Schreibtisch zu übertragen. „Auf den Tisch gehört nur das, woran gerade gearbeitet wird“, so Kurz.

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