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Creditreform

Papier, Glas, Kunststoffe und seltene Metalle – die deutschen Verbraucher und Unternehmen sammeln und wiederverwerten, was nur möglich ist. Seit Jahren gehört Deutschland weltweit zu den Vorreitern in Sachen Recycling. Interessante Fakten rund um diesen Wirtschaftszweig.

 

Entsorgung

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© Klaus Niesen; Creditreform-Magazin 01/2016

 

Recycling

© Klaus Niesen; Creditreform-Magazin 01/2016

© Klaus Niesen; Creditreform-Magazin 01/2016

 

Drei Fragen an Henning Wilts vom Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie

 

Wie steht die deutsche Entsorgungs- und Recyclingbranche aktuell da?
Ganz hervorragend: Sie gehört zu den im letzten Jahrzehnt am schnellsten wachsenden Industriesektoren. Speziell bei der Entwicklung von Anlagen zur Müllverbrennung oder -sortierung zählt sie zur Weltspitze und profitiert von der global steigenden Bedeutung der Recyclingbranche.

Henning Wilts © Wuppertal Institut

Henning Wilts © Wuppertal Institut

Vor welchen Herausforderungen steht die Branche mittel- und langfristig?
Trotz der guten Ausgangslage sind diese riesig: Deutschland droht seine Spitzenposition zu verlieren, den Übergang in die Kreislaufwirtschaft zu verpassen. Es geht nunmehr darum, die Ressourcen der Abfälle zu nutzen. Ironischerweise ist es die hohe Qualität der Abfallinfrastrukturen, die den Anpassungsdruck zu integriertem Ressourcenmanagement und Abfallvermeidung niedrig halten. Die Innovationsdynamik hat seit der Einführung des Kreislaufwirtschafts- und Abfallgesetzes im Jahr 1996, gemessen an der Zahl der Patente, Investitionen oder geplanten Neueinstellungen, deutlich nachgelassen und hinkt mittlerweile anderen Sektoren der Umweltwirtschaft hinterher. Ein Problem ist die ungeklärte Rollenverteilung zwischen öffentlicher und privater Abfallwirtschaft: Viele Anpassungen der rechtlichen Rahmenbedingungen enden in Minimalkompromissen, weil sich beide Seiten blockieren.

Was kann die Politik tun, um eine positive Entwicklung zu unterstützen?
Sie muss Rahmenbedingungen schaffen, Abfälle schneller und billiger als Sekundärrohstoffe in den Markt zu bringen. Es braucht Anreize, Abfälle hochwertigen Recyclinganlagen zuzuführen statt sie zu verbrennen. Das neue Kreislaufwirtschaftspaket der Europäischen Kommission weist über die klassische Abfallwirtschaft hinaus: Design for Recycling, industrielle Symbiose oder Kaskadennutzung sind nur einige Stichworte, die es jetzt durch intelligente Instrumente zu unterstützen gilt – mit ganz neuen Koordinationsmechanismen zwischen Produktregulierung, Wirtschaftsförderung und weiteren Akteuren.