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Creditreform

Und das gilt in nahezu jeder Branche: Man braucht kein Unternehmen aus der Telekommunikation oder der Spieleentwicklung zu lenken, um den Trend zum vernetzten Arbeiten mit seiner Büroarchitektur unterstützen zu wollen. Haufe-Lexware beispielsweise hat sich in den vergangenen Jahren von einem lokalen Verlag hin zu einer globalen Softwarefirma entwickelt. Inzwischen arbeiten 35 Prozent der Beschäftigten mobil, weitere 25 Prozent sind Freelancer und werden projektbezogen beschäftigt. Viele Arbeiten werden in Gruppen bestehend aus vier bis 24 Mitarbeitern erledigt. Vernetztes Arbeiten auch büroseitig zu unterstützen, war somit beim Neubau des Freiburger Konzernsitzes und einer Zweigstelle in Rumänien ein wichtiges Ziel.

Im Laufe des Jahres 2012 entstanden daher auf mehr als 5.000 Quadratmetern – ähnlich wie bei Vodafone – flexible Büroareale, die sowohl konzentrierte Einzelarbeit als auch Zusammenarbeit, Lernen und Netzwerken optimal unterstützen. „Buchbare Projekträume, Technologien für den Wissensaustausch, viele Rückzugs- und Besprechungsmöglichkeiten zeichnen die Etagen aus und verleihen den Räumen eine kreative Atmosphäre, die man sonst nur in Co-Working-Centern findet und nicht in einer Firmenzentrale“, sagt Matthias Walther, Leiter Facility Management und Services der Haufe Gruppe. „Die neuen Flächen sind flexibel, umkonfigurierbar und inspirierend, kurz: der ideale Ort, um Innovationen voranzutreiben und zu fördern“, findet auch Stephan Derr von Steelcase, dessen Mannschaft in Zusammenarbeit mit der Haufe-Geschäftsleitung und dem Facility Management sowie dem Fachhandelspartner Office-Plus den Umbau betreut hat.

Optimierungspotenzial für Arbeitgeber

Als seinen eigenen Lieblingsplatz im Büro bezeichnet Derr übrigens das VIVA Café – ein Work-Café, das Steelcase für seine Mitarbeiter am deutschen Firmensitz in Rosenheim eingerichtet hat. Damit ist der Manager in guter Gesellschaft: 31 Prozent der US-Amerikaner verlassen laut Flex & Strategy Group bereits regelmäßig ihr Büro, um in einer entspannten und kreativen Café-Atmosphäre ihren Aufgaben nachzugehen.

Doch nicht nur deshalb: Mal sind sie unterwegs beim Kunden, mal im Homeoffice, mal kommen aber auch Kunden ins Büro oder Freelancer stoßen hinzu und benötigen einen Arbeitsplatz. Auch das ist ein Aspekt bei offenen Bürokonzepten: Teure, prestigeträchtige Büroflächen in den Innenstädten müssen sich rentieren, Nutzungszeiten und Leerstände entsprechend optimiert werden. So war wohl einer der greifbarsten Eff ekte des Smart-Working-Programms bei Credit Suisse der, dass die Zahl der vorübergehend leerstehenden Arbeitsplätze um 70 Prozent sank. Ähnlich wie im Eingangsbeispiel aus Basel brauchte nicht mehr für jeden Mitarbeiter ein eigener Schreibtisch vorgehalten werden. Das zahlt sich schnell aus, denn ungenutzte Arbeitsplätze können laut Büroanbieter Regus schnell ein Vielfaches der reinen Raummiete betragen – sofern man auch weitere Posten wie Möbel, Strom, Heizung, IT, Wartung und Reinigung mit einbezieht.

Der Büroausrüster Steelcase verwöhnt seine Mitarbeiter mit einem Work-Café. © Steelcase

Der Büroausrüster Steelcase verwöhnt seine Mitarbeiter mit einem Work-Café. © Steelcase

Welche Vorteile den Arbeitgebern darüber hinaus noch winken, hat IDC in der Studie „Future Business World 2025“ herausgearbeitet. Die hierfür befragten „Information Worker“ versprechen sich und ihren Chefs darin mehr Produktivität durch effizientere Prozesse. Und zwar nicht nur durch den Einsatz mobiler Technologien – indem sie etwa Leerlaufzeiten zwischen Terminen besser nutzen oder Kundenanfragen schneller beantworten. Sie sehen explizit auch in modernen Arbeitsplatzkonzepten eine große Chance, die Prozesse in Unternehmen zu verbessern. Das schlägt sich auch auf der Kostenseite nieder, die im Durchschnitt von 51 Prozent der Befragten als Grund zur Beschäftigung mit der zukünftigen Arbeitswelt angeführt wird.

Doch es gibt auch mahnende Stimmen: „Gespräche mit den Nutzern der Büros und meine Tätigkeit als arbeitswissenschaftlicher Sachverständiger von Betriebsräten lassen einige der gut gemeinten Ansätze neuer Bürokonzepte in einem anderen Licht erscheinen“, sagt Peter Martin vom Büro für Arbeitsgestaltung und Arbeitsschutz. Seine Beurteilung vieler neuer Raumstrategien fällt geteilt aus: „Wo immer das vermeintlich neue Bürokonzept auf Flächenverdichtung – also mehr Menschen auf weniger Raumfläche – reduziert wird, finden wir vor allem gestresste Beschäftigte, die sich über die Geräuschkulisse beklagen.“

Oder handele es sich bei solchen Konzepten nur um „alten Wein in neuen Schläuchen“ – nämlich um das zu Recht in Verruf geratene Großraumbüro ohne zeitgemäße Optimierungen (mehr Fallstricke in der Tabelle auf Seite 20). Wirklich neue Konzepte sehen verschiedene attraktive Räume vor: mal für die konzentrierte, mal für die kommunikative Arbeit.

© Creditreform-Magazin 06/2015

© Creditreform-Magazin 06/2015

 

 

RAUMKONZEPTE: WAS DAS BÜRO VON MORGEN BIETET

Damit sich Büroflächen flexibel und damit effizienter nutzen lassen, werden typischerweise folgende Zonen geschaffen:

• Teamflächen für kooperatives Arbeiten, in vielen Firmen Homezones genannt
• Meeting-/Projekträume für größere Gruppenbesprechungen
• Räume mit Schalldämmung, etwa für Telefonkonferenzen
• Bereiche für konzentriertes Arbeiten oder vertrauliche Gespräche: Thinktank, Silent Room, Denkerzelle
• Ideenfördernde Treff punkte in Form von Meetingpoints, Lounges oder Marktplätzen
• Flexible Wechselarbeitsplätze mit der Möglichkeit der Datenaktualisierung im Firmennetz – vor allem für Schichtund Vertriebsmitarbeiter in wechselnder Besetzung.