Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Ob Lebensmittel, Maschinen oder IT-Service – jeder Produktions- und Dienstleistungsprozess hat Auswirkungen auf die Umwelt. Etwa in Form von zusätzlichem CO₂. Das Beispiel des Tiefkühlexperten Frosta zeigt, wie Firmen niedrige Treibhausgasemissionen verkaufswirksam einsetzen.

Fischstäbchen kennt jeder und zumindest Kinder essen sie auch gerne. Immerhin: Jeder Bundesbürger verzehrt durchschnittlich 24 Stuck pro Jahr von dem frittierten Pressfisch. Doch was kaum jemand weiß: Für je 100 Gramm des Gerichts fallt mehr als dreimal so viel schädliches Kohlendioxid an, exakt 340 Gramm. Diesen ökologischen Sündenfall hat der Bremerhavener Tiefkühlkosthersteller Frosta AG zumindest für sein Angebot genau ermittelt und veröffentlicht den Wert, ebenso wie für eine Reihe weiterer Tiefkühlprodukte, auf seiner Homepage.

Grün verkauft besser

Product Carbon Footprint (PCF), zu Deutsch CO₂-Fußabdruck, heißt diese gasförmige Hinterlassenschaft in der Atmosphäre. Sie bezeichnet alle Treibhausgasemissionen, die wahrend des gesamten Lebenszyklus eines Produkts anfallen – von der Gewinnung und dem Transport der Rohstoffe und Vorprodukte über die eigentliche Herstellung und Distribution bis zur Nutzung sowie zur Entsorgung und zum Recycling des Produkts. Dem gesellschaftlichen Trend zu bewussterem Leben folgend, achten auch immer mehr Verbraucher auf diesen Wert. So gaben zum Beispiel in einer GfK-Umfrage 88 Prozent der Befragten an, dass die von ihnen genutzten Produkte der Umwelt nicht schaden sollen. Für die sogenannten bewussten Einkäufer nimmt der Umweltschutz sogar einen noch höheren Stellenwert ein – Merkmale wie der möglichst geringe CO₂-Fußabdruck sind für sie ein überzeugendes Kaufargument.

Den Wandel zu einem nachhaltig agierenden Hersteller im Tiefkühlsegment begann Frosta 2003 mit der Einführung des Reinheitsgebots für sämtliche Produkte: Zusatzstoffe, Farbstoffe, Geschmacksverstärker, Aromen, Stabilisatoren oder gehärtete Fette – alles muss draußen bleiben. Im zweiten Schritt wurde der sogenannte Zutatentracker ins Leben gerufen. Per QR-Code auf der Verpackung des Fischs kann sich der Verbraucher über Fanggebiet, -zeitpunkt und -technik informieren. „Wenn Sie das ganz transparent halten, müssen Sie ein Stuck weit auch die Hosen runterlassen“, sagt Hinnerk Ehlers, Vorstand Marketing und Vertrieb der Frosta AG.

Als Nächstes kommunizierte Frosta dann noch den CO₂-Fußabdruck diverser Produkte. Eigentlich kein Verkaufsargument, da der Fischfang selbst den größten Anteil am CO₂-Wert ausmacht und diesen immens hochschnellen lasst. Doch schon der Wille zur Offenheit überzeugt den Verbraucher. Und das sogar, obwohl Formulierungen wie „verursacht 340 Gramm CO₂“ nur schwer einzuschätzen sind – ist das jetzt viel oder ein optimaler CO₂-Ausstoß? Dennoch rät Stephan Schaller von GS1 Germany, dem deutschen Ableger der weltweiten Organisation zur Verbesserung von Wertschöpfungsketten, allen Herstellern und Händlern, „ihre Produkte auch in diesem Bereich zu optimieren und dies zu kommunizieren“.

Vom Rohstoff bis zur Abfallentsorgung

Unternehmen sollten ihre Produktaussagen jedoch immer kritisch daraufhin überprüfen, ob sich diese auf das gesamte Angebot oder nur auf einen Teil davon beziehen – und entsprechend deutlich in der Kommunikation sein. Auch hier geht Frosta mit gutem Beispiel voran: So weist der Tiefkühlhersteller den CO₂-Ausstoß für jeden einzelnen Produktionsschritt aus, unabhängig davon, ob es um den Fischfang, das Fischstäbchen selbst, die Verpackung, den Transport zum Groß- und Einzelhändler oder um die Einkaufsfahrt des Verbrauchers und die Zubereitung der Mahlzeit geht. Sogar das Spulen des Geschirrs und die Abfallbeseitigung bei Frosta, im Handel und beim Verbraucher werden berücksichtigt. Unterm Strich wird deutlich: Der Anteil des Herstellers am CO₂-Fußabdruck von Fischstäbchen liegt bei 54 Prozent, der des Verbrauchers bei rund 38 Prozent.

Um dem Verkaufsargument Carbon Footprint mehr Gewicht zu verleihen, sollten Unternehmen zusätzlich auf Aussagen unabhängiger Experten oder Zertifikate setzen. Frosta etwa führte seine CO2-Berechnungen im Rahmen des PCF Pilotprojekts Deutschland bereits 2007 aus. Dabei schlossen sich die Bremerhavener mit neun weiteren Unternehmen zusammen, um gemeinsam mit renommierten Projektträgern wie etwa dem WWF, dem Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung oder der Universität Bremen. Das Ziel: untereinander Erfahrungen mit der Methodik der Berechnung von CO₂-Fußabdrücken zu sammeln. Als Basis dienen anerkannte internationale Normen für Ökobilanzen wie ISO 14040 und 14044 oder das Memorandum Product Carbon Footprint des Freiburger Öko-Instituts.

„Mehr als jeden siebten Euro des Umsatzes kann Frosta auf sein grünes Image zurückführen.“ „Wirtschaftswoche“

Transparenz zahlt sich aus

Für Frosta ist die Veröffentlichung des CO₂-Fußabdrucks inzwischen zu einem wichtigen Baustein in der Kommunikation mit Verbrauchern geworden. Laut einer Studie von Serviceplan und Facit Research weisen die Norddeutschen in der Kategorie Tiefkühlkost und Fertiggerichte das nachhaltigste Markenprofil auf. Das schlagt sich auch auf die Zahlen nieder: Nach Meinung der „Wirtschaftswoche“ verbucht Frosta „mehr als jeden siebten Euro Umsatz aufgrund seines grünen Images“.

 

Runter mit der CO2-Marke

Mit diesen Maßnahmen kann jedes Unternehmen seinen Ausstoß an Treibhausgasen reduzieren:

• Möglichst Strom aus regenerativen Energiequellen wie Wind, Wasser, Geothermie und Sonne nutzen – sowohl im Büro als auch in der Produktion.

• Mithilfe von ohnehin anstehenden Modernisierungsinvestitionen die Energieeffizienz steigern und Energie sparen, auch in puncto Fuhrpark und Immobilie.

• Bei Rohstoffeinkaufen wenn möglich auf regionale Zulieferer zurückgreifen. Das senkt die Transportkosten und den CO₂-Ausstoß der Lkws – und schont die Umwelt.

• Die wichtigsten Lieferanten in die eigene Umweltstrategie einbeziehen und auch dort ein Bewusstsein zur Vermeidung von Treibhausgasen wecken.

Nicht vermeidbare Emissionen können ausgeglichen werden, zum Beispiel über die Finanzierung eines Aufforstungsprojekts zur dauerhaften Bindung von CO₂. Wichtig: Um sich nicht dem Vorwurf des „Ablasshandels“ auszusetzen, sollten Firmen sich zuvor bemühen, die eigenen Möglichkeiten zur Reduzierung des CO₂-Footprints voll auszuschöpfen.