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Charles Conversational Commerce Software

© Charles

Das Startup Charles entwickelt eine Software, die es Händlern ermöglicht, ihren Webshop mit WhatsApp zu verbinden und Produkte nahtlos innerhalb des Chats zu verkaufen. In Asien ist das Geschäftsmodell längst Usus.

Das Problem: Verkauf via Whatsapp in Deutschland noch am Anfang

Mit rund zwei Milliarden aktiven Nutzern gilt WhatsApp laut Erhebung von Statista als weltweit beliebtester Messenger: 79 Prozent der Deutschen pflegen Kontakte darüber, bei den 18- bis 29-Jährigen sogar 97 Prozent. Unternehmen schätzen den Kanal bislang vor allem im Sinne des Loyalty Managements als direkten Kommunikationskanal zum Kunden.

Doch während rund 1,2 Milliarden Konsumenten in China den dort dominierenden Dienst WeChat auch zum Shoppen nutzen und ihre Warenkörbe anschließend mit dem integrierten Paymentdienst WeChat Pay direkt innerhalb des Ökosystems bezahlen, steckt dieses Conversational Commerce genannte Geschäftsmodell in Deutschland noch in den Kinderschuhen.

 

Die Lösung: Die Conversational-Commerce-as-a-Service-Software von Charles

Andreas Tussing und Artjem Weissbeck sind davon überzeugt, dass es nur eine Frage der Zeit ist, bis der Trend aus Asien hierzulande Fuß fasst. „Wir haben uns gefragt, wie man nicht allein Serviceaspekte, sondern den kompletten Verkaufsprozess im Chat abbilden könnte – denn schließlich muss der Handel dort stattfinden, wo die Kunden sind“, erzählt Tussing.

Ihre Lösung: Die Conversational-Commerce-as-a-Service-Software von Charles, die „auf bestehenden Handelssystemen aufbaut und schnell skalierbar ist“. WhatsApp stellt dafür eine Schnittstelle zu Warenwirtschaftssystemen zur Verfügung und kündigte im Firmenblog an, es Unternehmen künftig leichter machen zu wollen, Chat-Shoppingfunktionen zu integrieren.

Endkunden können im Chatkanal mit Charles-Anbindung Fragen stellen, sich Produkte anschauen oder vorschlagen lassen, Lieferungen nachverfolgen sowie aus dem Chatverlauf heraus direkt bestellen und auch bezahlen. Die Nutzer werden über ihre Rufnummer identifiziert, sodass sich ein Login erübrigt. Zu ihren Preisen mögen sich die Gründer nicht äußern. „Wir bieten ein Preismodul mit Basiswerkzeugen für kleinere Unternehmen an“, so Weissbeck.

 

Die Anwendung: Schneller Kaufprozess über Messenger

„Ich war mir zunächst nicht sicher, ob WhatsApp über die direkte Kundenkommunikation hinaus auch als Verkaufsplattform funktioniert“, sagt Mischa-Amadeus Olma, dessen Firma seit Oktober 2020 zu den ersten Nutzern der Software gehört. Der Gründer und CEO des Online-Möbelhändlers Woodboom bietet den Besuchern seiner Website an, ihn per WhatsApp zu kontaktieren.

„Etwa 70 Prozent der Beratungsgespräche, die ich auf diesem Kanal führe, münden in einen Verkaufsabschluss“, berichtet Olma. „Der Kaufprozess über den Messenger geht für die Kunden schneller – und für uns auch.“ Er schickt den Interessenten Bilder von Hölzern, bespricht Maße, Preise und Lieferfristen. Zu Themen wie Holzpflege oder Produktneuheiten bleibt Olma nach der Lieferung per  WhatsApp in Kontakt.

Das kann nicht jedes Unternehmen leisten, deshalb setzt Charles auch Chatbots ein. Gründer Weissbeck empfiehlt, sie lediglich unterstützend zu nutzen: „Es zahlt sich aus, Kunden mit größeren oder potenziell größeren Warenkörben ein individualisiertes Einkaufserlebnis zu kreieren. Viele wissen die persönliche Ansprache durch Mitarbeiter des Shops wertzuschätzen.“