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Creditreform

Der Weg an die Firmenspitze in kleinen Schritten ist gelernt. Der heutige Seniorchef hat als Jugendlicher Zuckersäcke zur Verladung geschleppt. „Der Stoff der Säcke war wie ein Reibeisen, das hat die Hände aufgescheuert“, sagt er. Weniger schmerzhafte erste Erfahrungen in verantwortlicher Position sammelte Dettmer nach dem BWL-Studium bei Schiffsmaklern in Hamburg und London. Ende der 1970er Jahre kehrte er zum elterlichen Unternehmen zurück, übernahm die Buchhaltung und die IT. „Das war nicht so ein Traumjob“, erinnert er sich. „Im Nachhinein aber war es eine sehr gute Erfahrung.“ Den Mitarbeitern aus dem Finanzressort könne er jedenfalls stets die richtigen Fragen stellen. Ende der 1980er rückte Dettmer schließlich in die Geschäftsführung auf.

„Wir müssen weg von der reinen Binnenschifffahrt, sonst wird es für uns schwierig.“ Heiner Dettmer, Dettmer Group

Schon vorher habe er auf die Strategie eingewirkt, berichtet Dettmer – und sich manchmal auch gegen den Widerstand der Seniorchefs durchgesetzt. „Ich habe gesagt: Wir müssen weg von der reinen Binnenschifffahrt, sonst wird es für uns als Unternehmen schwierig.“ Der damalige Junior erkannte die Chancen der Containerschifffahrt, deren Blütezeit damals begann. Mit der DCP gründete Dettmer eine Tochterfirma, die sich auf das Beladen von Containern spezialisierte. Auch das eine Antwort darauf, wie man aus einem schlechten ein gutes Geschäft macht.

Bis in die 1980er Jahre galt in Deutschland ein Festpreissystem für Frachttransporte auf Bundeswasserstraßen. Dettmer verschiffte damals auch Kohle aus dem Ruhrgebiet. „Über Frachtraten durften die Auftraggeber nicht mit uns sprechen“, sagt Heiner Dettmer. Es wurde um die Ecke verhandelt. „Wir bekamen von einem Bremer Kunden gesagt: Wenn ihr den Auftrag von uns haben wollt, müsst ihr unsere alte Kohlehalle am Hafen mieten.“ Die Familienunternehmer schlugen ein. Aber was tun mit 20.000 Quadratmetern leerem Raum? „Neue Geschäftsbereiche sind bei uns immer wieder aus einer gewissen Not heraus entstanden“, sagt Dettmer. Anders als die trägen Binnenschiffe, deren Kurs von Flüssen und Kanälen vorgegeben wird und die, einmal in Fahrt, Hunderte Meter brauchen, um zu stoppen, ist das Unternehmen selbst äußerst beweglich.

Wendig bleiben, Chancen erkennen, auch mal Risiko gehen und selbst vermeintliche Niederlagen in Siege verwandeln: Das ist es, was Dettmer zu einer der größten inhabergeführten Binnenreedereien in Europa gemacht hat. Mit einer Vielzahl zusätzlicher Logistikangebote erwirtschaftet die Unternehmensgruppe mit 1.400 Beschäftigten heute einen Umsatz von 320 Millionen Euro. In der zwangsweise angemieteten Kohlenhalle starteten die Containerpacker der DCP. Europas größter Containerbestücker ist heute in fünf Häfen aktiv. Auch ein Reparaturdienst fur die Transporteinheiten zählt inzwischen zur Bremer Unternehmensgruppe.

Reederei bringt weltweite Erfahrungen ein

Wie ihr Vater sammelte auch Julia Dettmer erste Erfahrung abseits des elterlichen Betriebs. „Ich hatte Optionen, mich umzuschauen“, sagt sie. „Das war spannend.“ Sieben Jahre war sie im Ausland, studierte BWL in London und Barcelona, arbeitete beim Logistikkonzern Schenker in Hongkong. Auch sie kennt die Dettmer Group von der Pike auf. Sie hat Touren auf den eigenen Binnenschiffen mitgemacht und im Lager in der Kommissionierung gelernt, mit anzupacken. „Da habe ich das eine oder andere Paar Sicherheitsschuhe durchgelatscht.“ Besonders wichtig dabei: „Man lernt die Mitarbeiter kennen.“ Sie weis: Führungsqualität kommt nicht von alleine. „Man muss durch Leistung überzeugen.“

Ihren Vater bezeichnet sie als Mentor und Vorbild. Doch beim Führungsstil gebe es durchaus Unterschiede: „Er ist etwas distanzierter im Umgang mit den Beschäftigten, da bin ich direkter“, sagt sie. Viel hängt ab vom Vertrauen in die Chefs der insgesamt 34 Gesellschaften unter dem Dach der Dettmer Group. Sie haben Freiraum, um das Tagesgeschäft am Laufen zu halten. „Geht es jedoch um strategische Fragen, entscheidet die Familie“, sagt Julia Dettmer.

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