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Creditreform

Wie sieht sie die Zukunft im Logistikgeschäft? Die Branche reagiert empfindlich auf Konjunktureinbrüche. Wenn sich die Wirtschaftslage abschwächt, bekommen die Unternehmen dies rasch zu spüren. „Wir sehen schon, dass die Luftfracht schwächelt“, sagt Julia Dettmer. Doch ernsthafte Sorgen um das eigene Geschäft macht sie sich ebenso wenig wie ihr Vater. „Wir sind breit aufgestellt und können Abkühlungen abfedern“, sagt er. Beispiel Tanklager: „Die Leute fahren auch in Krisen weiter Auto. Auch Landwirte brauchen Treibstoff, um ihre Felder zu bestellen.“

Zudem hat sich Dettmer von der Gründerzeit der Firma, als nur mit eigenen Schiffen operiert wurde, verabschiedet. Inzwischen sind viele sogenannte Fremdschiffe für die Reederei unterwegs, die für Aufträge gebucht werden. Auch das senkt den Kostendruck, falls einmal eine ökonomische Flaute droht. Sorgen bereite vielmehr, dass der Bund die Wasserstraßen im Gegensatz zu den Autobahnen vernachlässige, sagt die Juniorchefin. „Man muss in Volumen denken: Die Binnenschifffahrt bewältigt pro Jahr 220 bis 230 Millionen Tonnen Fracht. Das lässt sich nicht so einfach auf die Straße oder die Schiene bringen.“

 Tochtergesellschaften wie die LUG Aircargo Handling GmbH am Frankfurter Flughafen komplettieren das Angebot des Transport- und Logistikunternehmens Dettmer. © Dettmer

Tochtergesellschaften wie die LUG Aircargo Handling GmbH am Frankfurter Flughafen komplettieren das Angebot des Transport- und Logistikunternehmens Dettmer. © Dettmer

Das Problem sei die fehlende Lobby: „Wir haben in Deutschland 1.400 Binnenschiffer, die Branche hat vielleicht 10.000 Beschäftigte – das ist keine relevante Wählerschaft.“ Dabei zeigen Studien, dass Lkws gemessen an der Frachtleistung bei den CO₂-Emissionen schlechter abschneiden. Dettmer legt dagegen auch bei der Ökobilanz weiter zu: Das 2013 gebaute „Tankschiff 140“ erhielt für hohe Sicherheit und Umweltfreundlichkeit den „Green Award“ der Schifffahrtsbranche.

Am Frankfurter Flughafen betreibt Dettmer erfolgreich je ein Umschlagzentrum für Luftfracht und für verderbliche Güter. In der Entsorgungsbranche ist das Unternehmen ebenfalls aktiv – in Nürnberg hat Dettmer einen Tochterbetrieb für Wertstoffrecycling. Im Kerngeschäft will die Reederei dabei weiter vorausfahren. Das nächste große Wagnis wird gerade in die Tat umgesetzt: der Einstieg in die Seeschifffahrt. „Wir werden Transporte über das Mittelmeer anbieten“, sagt Dettmer. Das Risiko sei überschaubar – statt selbst Schiffe zu bauen oder zu kaufen, werden diese gechartert. Ob der Markt das Angebot annimmt? Dettmer ist selbst gespannt: „Ich weis nicht, ob das klappt.“ Ein Satz, der vermutlich mehr hanseatisches Understatement als tatsächliche Zweifel enthält.