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Creditreform

© akindo/iStock

Die Digitalisierung sorgt für einen Umbruch im Großhandel. Creditreform hat mit dem Deutschen Großhandelstag für die Branche ein Forum zum Austausch geschaffen.

Welches sind die nach Umsatz und Beschäftigten stärksten Branchen in Deutschland? Bei dieser Frage denken die meisten an die Automobilindustrie, den Maschinenbau, die Chemie und vielleicht auch noch an die Ernährungswirtschaft.

Alles richtig. Eine Branche, die vor allem als Arbeitgeber immense Bedeutung besitzt, haben jedoch nur wenige auf dem Zettel: den Großhandel, umtriebiger Mittler zwischen Herstellern und Kunden.

Die etwa 148.000 Großhändler in Deutschland beschäftigen knapp zwei Millionen Menschen. Die Leistungen der Unternehmen sind vielfältig.

Sie bündeln Produktsortimente, sind Drehscheibe für die Verteilung von Waren und organisieren deren Transport. Sie lagern die Produkte, finanzieren Handelsgeschäfte und beraten ihre Kunden, beispielsweise in der Beschaffungs- und Sortimentspolitik oder in Fragen des Marketings.

 

Verändertes Kundenverhalten

Doch diese Alleskönner, wie der BGA Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen seine Mitglieder gerne nennt, sind bedroht. Nicht von globalem Protektionismus, unsicheren Handelsbestimmungen oder dem Brexit – darauf werden sich die meisten Großhändler einstellen können.

Sehr viel größere Gefahr droht ihnen durch die Veränderungen, die mit der Digitalisierung einhergehen. Noch haben digitale Techniken den Großhandel nicht im selben Maße auf den Kopf gestellt wie den Einzelhandel oder andere Branchen.

Aber die meisten Unternehmen spüren, dass sich Kundenverhalten und Wettbewerbsumfeld verändern.

 

Hersteller versuchen, den Großhandel zu überspringen

In einer Studie, die das Institut ibi research an der Universität Regensburg im Auftrag von Creditreform durchgeführt hat, gaben 87 Prozent der befragten B2B-Unternehmen an, dass der Großhandel nach ihrer Einschätzung in den nächsten fünf Jahren an Bedeutung verlieren wird.

Der Hauptgrund: Immer mehr Hersteller werden versuchen, Wertschöpfungsketten zu integrieren, den Großhandel zu überspringen und direkt mit den Endabnehmern Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Hinzu kommt, dass technologische Entwicklungen und Innovationen die Eintrittsbarrieren und Investitionskosten senken und neue Wettbewerber anlocken.

Kurzum: Die Branche steht vor gewaltigen Herausforderungen. Es gibt keine Alternative zu einer intensiven Beschäftigung mit dem Thema Digitalisierung und damit einhergehenden Geschäftsmodellen.

 

Plattform für Austausch: der Deutsche Großhandelstag

Vor diesem Hintergrund bietet der Deutsche Großhandelstag, den Creditreform gemeinsam mit dem BGA Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen jährlich ausrichtet, eine ideale Plattform für einen regelmäßigen Austausch.

„Für uns als Creditreform Gruppe ist der Großhandel eine unserer wichtigsten Kundengruppen. Sowohl bei Bonitätsinformationen als auch im Inkasso bauen Tausende B2B-Händler national wie international auf unsere Leistungen.

Um unsere Mitglieder auch bei ihren täglichen und strategischen Herausforderungen zu begleiten, haben wir dieses Forum ins Leben gerufen“, erläutert Volker Ulbricht, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Vereine Creditreform.

 

Digitalisierung: eigener Vertrieb oder Plattform?

Die jüngste Veranstaltung in Frankfurt hatte das Thema „Digitalisierung. Chancen. Finanzierung“. In Vorträgen namhafter Branchenexperten sowie in Workshops erhielten die Teilnehmer Anregungen, wie sie ihr Unternehmen in die digitale Zukunft führen können – und mit welchen Instrumenten die notwendigen Finanzierungen gestemmt werden können.

„In vielen Gesprächen sowie in einer Live-Umfrage unter den Teilnehmern wurde klar, dass kaum ein anderes Thema die Branche so stark bewegt wie die digitale Transformation“, sagt Christian Kramer, Branchenmanager Groß- und Außenhandel beim Verband der Vereine Creditreform.

Unsicher seien die Unternehmen vor allem bei der Frage, ob sie ihren Online-Vertrieb in eigener Regie durchführen oder sich einer der großen Plattformen anschließen sollen.

 

E-Commerce-Aktivitäten verstärken

Unstrittig ist, dass der Großhandel seine E-Commerce-Aktivitäten verstärken muss. Denn der eigene Außendienst und die Abwicklung schriftlicher Bestellungen – aktuell laut ibi research mit die wichtigsten Vertriebskanäle – werden schon bald an Bedeutung verlieren.

Der Aufbau eines eigenen B2B-Onlineshops erfordert jedoch Anstrengungen, die viele Akteure unterschätzen. Mehr als die Hälfte der von ibi research befragten Unternehmen gab an, dass die Anpassung der eingesetzten Standardsoftware sowie die Aufbereitung der Produktdaten mehr Zeit und mehr Ressourcen in Anspruch genommen hätten als erwartet.

Nur 15 Prozent der Befragten bauten den Onlineshop mit eigenen Ressourcen auf. Die übrigen Unternehmen bedienten sich der Hilfe eines darauf spezialisierten Dienstleisters.

 

Wertvoller Branchentreff

Auf dem Deutschen Großhandelstag 2020 in Frankfurt diskutierten Vertreter von mehr als 100 Unternehmen gemeinsam mit Experten, unter anderem von Kühne + Nagel, Nintendo und B+S Logistik, über Herausforderungen und deren Lösungen für die Branche.

Ergänzt wurde das Programm durch Vorträge, Workshops sowie eine Keynote von Holger Bingmann, Präsident des BGA Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen. Der nächste Großhandelstag findet im Frühjahr 2021 statt.