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Creditreform
Digitalkompetenz

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Die Veränderungen der Arbeitswelt durch die Digitalisierung wurden infolge der Corona-Krise noch einmal beschleunigt. Manager und Mitarbeiter müssen mit diesem Tempo Schritt halten. Wie gelingt der erfolgreiche Aufbau von Digitalkompetenz in Unternehmen?

Mit der Digitalisierung und Vernetzung hat sich die Arbeitswelt ähnlich grundlegend verändert wie durch die Industrialisierung und Elektrifizierung. Das stellt Wirtschaft und Verwaltung vor enorme Herausforderungen, ihr Personal erfolgreich auf die veränderten Arbeitsbedingungen einzustellen.

Im privaten Bereich haben viele die Vorteile bereits erkannt, aber im Unternehmen oft noch nicht umgesetzt. Auch die Politik hat erst 2018 mit der Gründung der Bundestags-Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ auf diesen Bedarf reagiert.

Klar ist: Die erfolgreiche Vermittlung digitalen Wissens muss in geeigneter Form und ausreichendem Umfang bereits in der Schule beginnen. Laut einer Untersuchung der Universität Paderborn kann ein Drittel der Achtklässler nur „klicken“ und „wischen“, sprich Computer und Tablets zwar bedienen, nicht aber zielgerichtet nutzen.

Im Rahmen des Adult Education Survey 2018 wurde festgestellt, dass mehr als 80 Prozent der Teilnehmer von Weiterbildungen auch danach keine Fähigkeiten besaßen, etwa im Internet zielgerichtet Informationen zu finden.

 

Defizite in der Aus- und Weiterbildung aufarbeiten

Das bedeutet für Unternehmen: Sie müssen sich darauf einstellen, diese Defizite in der eigenen Aus- und Weiterbildung aufzuarbeiten. Erfolgversprechende Umstrukturierungsprozesse setzen voraus, dass die Anforderungen an eine digitalisierte Arbeitswelt korrekt und konkret eingeordnet werden.

Klassische Strukturen mit vielen Regeln müssen durch agile Organisationen mit akzeptierten Feedbackmechanismen ersetzt werden. Nur so können die vielen Unentschlossenen überzeugt werden, die Transformation nicht nur mitzugehen, sondern zu beeinflussen.

Dabei sind – weitgehend unabhängig von der beruflichen Ausrichtung – die folgenden fachlichen Inhalte wichtig: Das Erlernen einer allgemeinen Digitalkompetenz setzt interdisziplinäre Fähigkeiten voraus wie Datenbankkenntnisse, Mathematik, Statistik, Musteranalytik oder Prozessplanung.

Es sollte ein Überblick über Softwaretypen (zum Beispiel Daten- versus Textanalyse) erarbeitet werden und es sollte die Kommunikation mit Programmen so gut verstanden werden, dass auch abstraktere Anforderungen wie etwa die Arbeit mit Formeln in Excel korrekt umgesetzt werden können.

Digitalkompetenz darf aber nicht von Fachwissen getrennt vermittelt werden. In der Schule also nicht in Form zusätzlicher IT-Fächer, sondern begleitend in jedem Fach. Das Gleiche gilt für die Weiterbildung in Unternehmen. Die Fähigkeit, das Wissen und die Funktionalitäten des Internets nutzen zu können etwa, vervielfacht das eigene Fachwissen.

Deshalb sollte der Fokus bei der Vermittlung von Fachwissen auf Strukturen sowie der gezielten Recherche und Einordnung von Detailwissen liegen. Konfuzius hat dazu schon rund 2.500 Jahren gesagt: „Gib einem Mann einen Fisch und du ernährst ihn für einen Tag. Lehre einen Mann zu fischen und du ernährst ihn für sein Leben.“

Die Autoren

Bernd Giezek ist Professor an der FOM in Frankfurt am Main und unterrichtet bundesweit Steuerberatung und Wirtschaftsprüfung in der Aus- und Weiterbildung. Ferner ist er Sachverständiger in der Enquete-Kommission „Berufliche Bildung in der digitalen Arbeitswelt“ des Deutschen Bundestages.

 

Andreas Wähnert ist Betriebsprüfer in der Finanzverwaltung Schleswig-Holsteins und Entwickler des Prüfungsnetzes „Summarische Risikoprüfung (SRP)“, welches in fast allen deutschen Bundesländern und teilweise im Ausland zum Einsatz kommt.