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Mit dem Data Act hat die EU im Februar eine Verordnung vorgestellt, die einen offenen Markt für Daten schaffen soll. Für die Wirtschaft geht es um den Innovationsstandort Europa, für Nutzer um bessere Services und Geräte – und für Unternehmen um ihr Geschäftsmodell.

 

Was ist das Ziel des Data Act?

Daten sind der Rohstoff des 21. Jahrhunderts. Sie werden milliardenfach in vernetzten Produkten wie Haushaltsgeräten, Autos oder Maschinen erfasst. Wer Zugriff auf sie erhält, ist bisher aber kaum geregelt.

Deshalb hat die Europäische Kommission mit dem Data Act einen Vorschlag gemacht, wie künftig insbesondere Daten, die im Internet der Dinge, also durch physische Produkte, entstehen, zur Grundlage für neue Services werden können. Das Potenzial ist gigantisch. 80 Prozent der Industriedaten werden bisher nie genutzt.

 

Welche Pflichten sind damit verbunden?

Im Kern geht es darum, zu regeln, wer unter welchen Bedingungen Daten nutzen darf. Ist es der Besitzer oder der Benutzer eines Geräts oder dessen Hersteller?

Der Data Act gibt vor: Wer ein Produkt entwickelt und verkauft, muss darauf achten, dass er die bei dessen Nutzung entstehenden Daten auf Anfrage des Nutzers zugänglich machen kann. Unter Umständen sogar in Echtzeit, „damit diese Daten an Dritte weitergegeben werden können, die anschließende oder andere datengesteuerte innovative Dienste anbieten“, so der Vorschlag.

 

Wie könnten diese Daten genutzt werden?

Als Beispiel werden oft moderne Autos genannt. Sie speichern und senden permanent Informationen über ihre Umgebung und ihren Zustand. Hersteller nutzen sie, um die Fahrzeuge weiterzuentwickeln. Kunden haben aber so gut wie keinen Zugriff darauf.

In Zukunft erhalten sie das Recht, die Daten ihres Autos an Dritte weiterzugeben, etwa an eine freie Werkstatt oder ihre Versicherung. Die EU verspricht sich vom Data Act eine Steigerung des Bruttoinlandsprodukts bis 2028 um rund 270 Milliarden Euro.

 

Was müssen Hersteller berücksichtigen?

Der Data Act soll 2024 in Kraft treten. Doch schon jetzt lohnt ein Blick auf die neuen Anforderungen, um sie in der Produktentwicklung zu berücksichtigen. Denn es gibt durchaus Fallstricke. Der Bundesverband der Industrie (BDI) mahnt, dass der Data Act die Wahrung von Geschäftsgeheimnissen nicht ausreichend berücksichtige.

Darüber hinaus kollidiere er an einigen Stellen mit der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). So dürften Industriedaten weder direkt noch indirekt Rückschlüsse auf Personen zulassen.

 

Wo gibt es bereits frei verfügbare Daten?

Der Staat will mit gutem Beispiel vorangehen und ebenfalls den Großteil seiner Daten teilen. Digitalminister Volker Wissing möchte beispielsweise die Daten öffentlicher Unternehmen wie der Autobahn GmbH sowie weitere Mobilitätsdaten zugänglich machen. Ähnliche Anstrengungen gibt es im Gesundheitsbereich.

Und auch die EU hat mit data.europa.eu schon ein Datenportal online, in dem Informationen zu Bevölkerung, Umwelt, Wirtschaft, Energie, Wissenschaft und Technologie frei zugänglich sind.