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Die neue Heimat des Rotpunkts: Walsum, mitten im Ruhrgebiet. Das klingt etwas romantischer als Duisburg-Nord, kommt aber auf dasselbe raus. 1994 fasste hier der Getränkeunternehmer Hermann Hövelmann einen mutigen Entschluss: Er erwarb die Markenrechte, damals noch gemeinsam mit einem süddeutschen Brunnenbetrieb. 1997 kaufte er die internationalen Sinalco-Rechte mit Ausnahme von Schweiz und Liechtenstein hinzu und ging 2001 aufs Ganze: Der bis dahin eher regional aktive Unternehmer übernahm Sinalco komplett.

„Es war ein absolut gelungener Coup, die Marke nach Walsum zu holen. Wie ein verbuddelter Schatz, den man freilegen musste. Hier ist jeder darauf stolz“, resümiert Skopyrla. „Hermann Hövelmann hatte als mittelständischer Unternehmer Spaß an der Herausforderung, der Marke neues Leben einzuhauchen.“ Noch heute bildet der 80-jährige geschäftsführende Gesellschafter der Getränkegruppe Hövelmann, zu der neben Sinalco auch Mineralwassermarken wie Staatl.
Fachingen, Rheinfelsquelle und Römerwall gehören, gemeinsam mit Wilhelm Josten, Bernd Raebel und Skopyrla das vierköpfige Führungsteam. Bei allen wichtigen Dingen redet der Seniorchef mit.

Die alte Glanzzeit: Brauseboom in den 1950-er Jahren. © Archiv Sinalco

Die alte Glanzzeit: Brauseboom in den 1950-er Jahren. © Archiv Sinalco

Hövelmann investierte nach eigenen Angaben rund 100 Millionen Euro bis 2005, um Sinalco überhaupt wieder marktgängig zu machen. Flaschen, Kästen, Anlagen – alles wollte neu aufgesetzt werden. Auch in der Gastronomie, einem wichtigen Multiplikator, war Sinalco praktisch nicht mehr vertreten. Inzwischen macht der Gaststättenausschank wieder rund ein Fünftel der Absatzmenge aus – ein gesundes Verhältnis. Gerade in der Gastronomie lassen sich Kunden an die Marke heranführen.

Direkt neben seinem Elternhaus erwarb Hövelmann im Lauf der Jahrzehnte immer mehr Flächen für den ständig wachsenden Betrieb. Schon wieder stehen Baukräne auf dem Gelände. Heute werden Mineralwasser und Limo auf 220.000 Quadratmetern, einer Fläche von rund 30 Fußballfeldern, Tag und Nacht an fünf Tagen abgefüllt. „Vor zehn Jahren gab es nebenan noch 6.000 Zechenarbeiter, die sind alle weg. Wir sind heute größter Arbeitgeber in Walsum“, sagt Skopyrla. Für die 700 Mitarbeiter in der Gruppe spüre man hier besondere Verantwortung. Mittelstand eben.

Bekenntnis zur Mehrwegflasche

Die einzelne Flasche flitzt in einem Tempo durch die Anlage, dass man fast eine Zeitlupe braucht, um sie im Auge zu behalten. Mit 5,6 bar Druck wird das Getränk in die Flasche gepresst und diese in Windeseile verschlossen. Pro Minute 500 Flaschen – und das allein an einer Abfüllstation, von denen es in den Duisburger Hallen acht Stück gibt. Zwei weitere Lohnabfüller in Nord- und Süddeutschland übernehmen die Sinalco-Produktion für die dortigen Marktgebiete.

Als sechstgrößter Mineralbrunnen in Deutschland pflegt man eine Besonderheit: Hövelmann hat in Mehrwegsysteme investiert – und das gegen den Trend. „Wir bekennen uns dazu, es ist Teil unseres Qualitätsverständnisses.“ Die Branchengrößen, zunehmend auch Marktführer Coca-Cola, setzten auf das im Discount übliche Einweg, das auch von der Bundesregierung mit der Einführung des Einwegpfands protegiert worden sei, moniert Skopyrla: „Und das, obwohl es ökologisch nachteilig ist und Arbeitsplätze vernichtet.“

Hermann Hövelmann. © Archiv Sinalco

Hermann Hövelmann. © Archiv Sinalco

Für Sinalco hatte der Politikschwenk spürbare Folgen: 2009 füllte man noch 140 Millionen Liter Sinalco ab – und fasste die 200-Millionen-Marke ins Auge. „Ja, das war mal das Ziel. Wir sind aber auf heute 100 Millionen Liter runtergerutscht, vor allem wegen der Einwegthematik.“ Zum Gruppenumsatz von 620 Millionen Euro im Jahr 2014 trug Sinalco rund 50 Millionen Euro bei, sagt Skopyrla. Die Getränkehersteller haben gelernt, mit kleinen Margen zu operieren: „Die Umsatzrendite liegt bei ein bis zwei Prozent. Das ist nicht erfreulich, aber noch besser als bei Mineralwasser.“ Eigenmarken im Discountsegment haben enorm an Boden gewonnen, „und dann gibt es ja noch den Weltmarktführer aus den USA“, sagt Skopyrla. „Da wird schon an der Preisschraube gedreht, etwa mit heftigen Aktionen im Getränkemarkt nach dem Muster ‚zwei Kisten für eine und den Teddy obendrauf‘.“

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