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Im harten Wettbewerb bleibt Sinalco nur die Flucht nach vorn: Mit wertigem Markenauftritt und Produktqualität alte und neue Limotrinker überzeugen, das ist das Ziel. 16 verschiedene Sinalco-Varianten sind mittlerweile aufgelegt, vom orangenen Klassiker über Cola bis Zitrone zero. „Wir müssen auf den Markenkern fokussieren“, sagt Skopyrla. Es bringe nichts, auf die immer schneller wechselnden Trends aufzuspringen. „Wellness zum Beispiel ist schon wieder tot. Auch die Biowelle ebbt ab. Und für Fassbrause fehlt uns die Brauereikompetenz, das sind wir nicht.“ Schlimm sei das nicht, denn die tradierten Klassiker haben Bestand: „Cola, Limo, Zitrone – das macht stets 90 Prozent aus.“

Skizzen für Facebook: Sinalco positioniert sich für jüngere Zielgruppen. © Archiv Sinalco

Skizzen für Facebook: Sinalco positioniert sich für jüngere Zielgruppen. © Archiv Sinalco

Limonade für die ganze Familie

Fans der Marke sind oft Kinder der 1960er-Jahre. Um nicht als Retrogetränk ein allzu kurzes Revival zu feiern und dann unterzugehen, muss Skopyrla auch die Generation Facebook ansprechen. Im neuen TV-Werbespot stellt er den Familiengedanken in den Mittelpunkt. „Sinalco ist ein generationenverbindendes Getränk.“ Ein Funke namens „gute Laune“ soll überspringen, wenn ein Senior im Anzug mit einer Flasche in der Hand radelt, junge Skater ihren Durst löschen und zwei verliebte Zelter in der Dämmerung jeweils eine PET-Literflasche an den Hals setzen. Dazu Dauerbeschallung. Manch hämischen Kommentar erntete der TV-Spot auf Facebook. „Lieber einfach nur 15 Sekunden das rote Sinalco-Zeichen einblenden, ohne Ton. Kommt besser an“, empfiehlt ein Nutzer. „Wir sollten auf das Stärkste setzen“, hält Skopyrla dagegen. „Und der legendäre Jingle ist kein leerer Slogan, sondern unser Versprechen: Die Sinalco schmeckt.“

Akzeptiert. Aber schmeckt sie immer gleich? Das beileibe nicht. „Sie schmeckt heute anders als 1905“, sagt Skopyrla. „Nie waren wir klebrig-süß, eher fruchtig-frisch, aber die Rezeptur wurde durchaus ab und zu in Nuancen verändert.“ Zuletzt habe man beim Klassiker Sinalco Orange im Jahr 2014 „an Schräubchen gedreht“. Den Anlass gaben die EU-Kommissare und ihre Novelle der Lebensmittelinformationsverordnung. „Auf den Etiketten muss seit Ende 2014 bei den Inhaltsangaben eine Mindestschriftgröße eingehalten werden – gemessen am kleinen ‚x‘“, sagt Skopyrla. Man merkt ihm an, in welche Stimmung ihn das Thema damals versetzt hat. „Wir mussten die Gestaltung von 80 Etiketten anpacken. Da haben wir gedacht: Wenn wir eh schon diesen Gewaltakt machen, dann drehen wir noch etwas am Geschmack.“ Die EU-Bürokraten wollten ein größeres „x“ und bekamen einen weiteren Spritzer Orange obendrauf. Ob ihnen das aufgefallen ist?

Historisches Fahrzeug vor der Duisburger Firmenzentrale. © Archiv Sinalco

Historisches Fahrzeug vor der Duisburger Firmenzentrale. © Archiv Sinalco

 

DIE SINALCO-GESCHICHTE

1902: Der Getränkefabrikant Franz Hartmann und der bekannte Naturheilkundler Friedrich Eduard Bilz entwickeln in Radebeul bei Dresden das neue Erfrischungsgetränk – zunächst „Bilz-Limetta“ genannt. Produziert wird in Detmold.
1905: Bilz und Hartmann geraten in Konflikt. Per Preisausschreiben lässt Hartmann einen neuen Namen suchen, um „Bilz-Brause“ zu ersetzen. „Sinalco“ gewinnt – kurz für „sine alcohole“ (ohne Alkohol). Heute ist der Markenname weltweit geschützt.
1907: Sinalco wird weltweit exportiert, Schwerpunkt Südamerika und Nahost.
1930: Die Dortmunder Hansa Brauerei übernimmt die Aktienmehrheit an der Detmolder Sinalco AG.
1937: Der rote Punkt als markantes Markenzeichen kommt hinzu.
1946: In der Nachkriegszeit weicht man aus auf Marmeladenproduktion, weil Rohstoffe fehlen.
1950er- und 1960er-Jahre: Im Wirtschaſtswunderland boomt auch Sinalco und dominiert das Segment der fruchtigen Erfrischungsgetränke. Auch Sinalco Kola wird nun intensiv beworben.
Ab 1970er-Jahre: Mehrere Besitzerwechsel, eingeleitet durch den Verkauf des Mehrheitsaktionärs. Bedeutungsverlust der Marke.
1994: Kauf der Markenrechte durch die Getränkegruppe Hövelmann, zunächst gemeinsam mit Franken Brunnen. Gründung der Deutsche Sinalco GmbH Markengetränke & Co. KG.
1997: Internationales Geschäſt wird von Heino Hövelmann übernommen. Aktives Lizenzgeschäſt in über 50 Ländern.
2001: Vollständiger Erwerb der Deutsche Sinalco durch die Hövelmann-Gruppe. Revitalisierung der Marke, Investitionen von 100 Millionen Euro bis 2005.
2011: Die Deutsche Sinalco übernimmt die Fachingen Heil- und Mineralbrunnen GmbH aus Rheinland-Pfalz.
2014: Markenrelaunch und -Offensive, Jahresabsatz rund 100 Millionen Liter, Mehrweganteil über 80 Prozent.