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Creditreform

„Die Veranstaltung von Gewinnspielen bietet für Unternehmen die Möglichkeit, auf die eigenen Angebote und Produkte aufmerksam zu machen und damit Kunden an das Unternehmen zu binden“, sagt Christian Solmecke. „Interessante Preise und der Spaß am Spiel erzeugen bei den Teilnehmern eine positive Vorstellung über das Unternehmen. So können sich Marken und die dahinter stehenden Unternehmen hervorragend positionieren.“

Der positive Werbeeffekt kann jedoch schnell ins Gegenteil umschlagen, wenn das Gewinnspiel die zahlreichen rechtlichen Vorgaben nicht beachtet. Aufgrund des bestehenden erheblichen Abmahnrisikos werden Gewinnspiele dann schnell zu einem unkalkulierbaren rechtlichen Risiko, warnt der Anwalt.

Das müssen Sie berücksichtigen:

• Eine erste Hürde stellt bereits die schwierige Abgrenzungsfrage dar, ob es sich um ein Gewinn- oder Glückspiel handelt. Je nach Bewertung sind an das jeweilige Spiel gänzlich unterschiedliche rechtliche Anforderungen zu stellen.

• Außerdem sind bei der Veranstaltung von Gewinnspielen vor allem die Vorgaben des Wettbewerbsrechts zu beachten, die sich in einem stetigen dynamischen Wandel befinden. Die wettbewerbsrechtlichen Verbote des psychischen Kaufzwanges, des übertriebenen Anlockens sowie der Irreführung spielen bei der Ausgestaltung des Gewinnspiels eine entscheidende Rolle.

• Insbesondere die zwingend erforderlichen Teilnahmebedingungen müssen transparent und rechtlich wasserdicht sein, um mit einem Gewinnspiel sorgenfrei an den Start gehen zu können.

• Schließlich spielen auch datenschutzrechtliche Fragen eine Rolle, da bei der Veranstaltung eines Gewinnspiels fast immer personenbezogene Daten übermittelt werden, die bei dem Veranstalter datenschutzrechtliche Verpflichtungen auslösen.

• Beim Versand der Gewinnbenachrichtigungen ist größte Sorgfalt an den Tag zu legen. Gemäß § 661a BGB können Gewinnzusagen stets eingeklagt werden. „Diese Norm wurde jüngst dem Finanzdienstleister ,PayPal’ schmerzlich vor Augen geführt, als er – aufgrund eines technischen Versehens – tausende Nutzer über einen Gewinn von 500 Euro benachrichtigt hat“, berichtet Solmecke. Ob solche fehlerhaften Zusagen seitens des Unternehmens angefochten werden können, sei juristisch noch umstritten.

• Anders als bei Gewinnspielen, muss der Spieler bei einem Glücksspiel für seine Teilnahme einen Einsatz leisten. Außerdem hängt der Ausgang von Glückspielen in der Regel vom Zufall ab. Lotterien und die bekannten Spiele in Casinos sind daher überwiegend Glückspiele. Für Unternehmen ist es ganz entscheiden, dass Gewinnspiele nicht so ausgestaltet werden, dass sie sich letztlich als Glückspiel rausstellen. „Die Durchführung und die Teilnahme an nicht genehmigten Glücksspielen stellt eine Straftat dar“, betont Solmecke. Daher habe diese Abgrenzungsfrage sowohl für das veranstaltende Unternehmen als auch für dessen Kunden eine hohe Relevanz.

Übrigens: Falls Sie ein Gewinnspiel bei Facebook planen, sollten Sie einen Blick in das Blog von Beraterin Annette Schwindt werfen. Bei Facebook gelten nämlich zusätzliche Regeln. (mil)