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Creditreform

Was für die Schwarzwälder Mineralbrunnengesellschaft Bad Dürrheimer – Slogan: Besser trinken, besser leben – schon aufgrund des Produkts aus dem Erdinnern auf der Hand liegt, findet immer mehr Zuspruch in anderen kleinen und mittleren Unternehmen: umweltgerechtes, wirtschaftliches, gesellschaftliches Handeln, auch Corporate Social Responsibility (CSR) genannt. Business Trips sind als wesentlicher Teil mit eingeschlossen. „Nachhaltigkeitsaspekte bei Geschäftsreisen zu berücksichtigen und zu analysieren, dies gilt für Unternehmen aller Größenordnungen“, bekräftigt Anton Lill, im Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) Mitglied des Fachausschusses Nachhaltigkeit, im Hauptberuf General Manager bei American Express in Deutschland. Das grüne Reisedenken beginnt bei der Bewertung des Reiseanlasses, reicht über die Auswahl der Reisemittel sowie Reisepartner bis zur Berechnung und Kompensation der unterwegs verursachten Emissionen – alles in der firmeneigenen Geschäftsreiseordnung geregelt. Ihr oberstes Ziel: die Vermeidung von CO2-Emissionen.

Dementsprechend lautet die erste Frage in den CSR-Reiserichtlinien, die beispielsweise auch für Kärcher, Vaude und Deutsche Postbank gelten: Ist die Dienstreise wirklich notwendig oder kann nicht doch alles per Telefon-, Web- oder Videokonferenz geklärt werden? Die Antwort kommt vom betroffenen Mitarbeiter und dessen Vorgesetzten. Fällt sie pro Reise aus, heißt die nächste Frage: Welches Verkehrsmittel eignet sich unter Umwelt- und Kostengesichtspunkten am besten? Statistisch gesehen, liegt der Dienstwagen ganz vorne. Mit ihm werden rund 70 Prozent aller Geschäftsreisen komplett oder teilweise absolviert, so der VDR. In der Praxis sollte es aber häufig gerade nicht der Firmenwagen sein, so die Deutsche Umwelthilfe (DUH). Besonders Führungskräfte seien meist mit schweren, emissionsstarken Limousinen unterwegs. Doch das Bild ändert sich, so Experte Anton Lill. Zum einen wegen der Glaubwürdigkeit und aus Imagegründen. „Unternehmen, die sich zu Umweltschutz und Nachhaltigkeit bekennen, müssen dies auch bei ihren Firmenfahrzeugen praktizieren“, untermauert DUH-Bundesgeschäftsführer Jürgen Resch. Zum anderen weil es immer schärfere, gesetzlich bestimmte Kfz-Schadstoffgrenzwerte gibt. Dazu kommt, dass geringere Kohlendioxid-Emissionen gleichzeitig weniger Kraftstoffverbrauch und -kosten bedeuten: eine Gewinnsituation für Umwelt und Firmenkasse.

Die Neuausrichtungen spiegeln sich in der Car Policy wider. Sie regelt unternehmensintern, welcher Mitarbeiter unter welchen Voraussetzungen welches Geschäftsfahrzeug erhält. Und das beginnt bei der Beschaffung. „Das Orientierungsmaß bei der Anschaffung von Neufahrzeugen ist nicht mehr die Höhe des Listenpreises oder der Leasingrate, sondern die Höchstgrenze für den CO2-Ausstoß“, beschreibt Sven Schmidt, Pressesprecher beim Kabelanbieter Leoni, den Trend. Doch am gesetzlichen Limit für die Kohlenstoffdioxid-Emission halten sich nicht alle Unternehmen: Sie entscheiden sich freiwillig für schärfere Werte. Von Gesetzes wegen gilt ab 2015 der CO2-Höchstwert von 130, ab 2020 von 95 Gramm pro Kilometer. Bei Ikea beispielsweise dürfen die Firmenwagen heute schon höchstens 120 Gramm Kohlendioxid je Kilometer emittieren. Der Informations- und Technologiedienstleister Seven Principles schreibt intern den Wert von 117 Gramm pro Kilometer ab 2014 vor. Bei der Deutschen Telekom soll im Jahr 2015 der durchschnittliche CO2-Normemissionswert von neu angeschafften Pkw bei 110 Gramm pro Kilometer liegen. Das entspricht einem Durchschnittsverbrauch von 4,2 Liter Diesel pro 100 Kilometer.

Firmenfuhrpark mit E-Bikes

Bayer und Tchibo forcieren die Anschaffung von Fahrzeugen mit emissionsarmem Hybrid- oder Erdgasantrieb, um so tendenziell die Gesetzesgrenzen zu unterbieten. Der Modehersteller Bogner bevorzugt hierfür pro zulässigem Automodell jeweils die Variante mit der geringsten PS-Zahl. Infineon setzt auf ein hauseigenes Car-Sharing, Kärcher und Vaude auf die Bildung von mehr Fahrgemeinschaften. Dadurch soll die Anzahl der Firmenwagen allmählich sinken sowie die Effizienz pro Fahrzeug steigen. Telekom und Lufthansa haben für ihren Fahrzeugpool, auf den jeder Mitarbeiter für geschäftliche Fahrten zugreifen kann, Fahrräder für ortsnahe Termine angeschafft. Bei SAP, Bilfinger und Allianz wurden zudem Elektro-Autos in den Pool mit aufgenommen. „Bei der Allianz werden die Elektro-Fahrzeuge von Citroën auch von Vorständen genutzt“, so Unternehmenssprecher Hermann-Josef Knipper. Motto: Mit gutem Beispiel vorangehen.

Um Mitarbeitern die grüne Mobilität besser schmackhaft zu machen, bieten einige Firmen ein Bonus-Malus-System. Wer freiwillig einen kleineren, verbrauchsärmeren Dienstwagen ordert, wird belohnt. Beschäftigte beim Baukonzern Bilfinger, beim Tiefkühlkosthersteller Apetito oder beim IT-Spezialisten PPI können das kleinere Gefährt auf Firmenkosten aufrüsten. Zur Auswahl stehen HiFi-Anlage, Ledersitze, Tempomat, Einparkhilfe. Der willkommene Nebeneffekt beim Kfz-Leasing: die bessere Ausstattung hebt den Restwert, und das reduziert die monatliche Rate. Die Deut-sche Post gewährt Mitarbeitern, die freiwillig einen kleineren Dienstwagen fahren, eine Ausgleichszahlung. Bei der Telekom errechnet sich die Höhe der Ausgleichsprämie aus den eingesparten Kraftstoffkosten. Wer bei Dupont den Empfehlungen der Car Policy nicht folgt und das leistungsstärkste Pkw-Modell in der zustehenden Fahrzeugklasse bestellt, bekommt eine Kostenbeteiligung aufgebrummt.

Das System sieht aber auch klare Verbote vor. So wurden bei Dupont und Allianz Geländewagen auf der Dienstwagenliste gestrichen. Die Baufirma Depenbrock verbietet Sportfahrwerk, Breitreifen, Spoiler und Sportsitze. Der Energiedienstleister ista International schreibt vor, dass die Reifengröße maximal ein Zoll über der Serienbereifung liegen darf. Hochtief, Tchibo und Siemens helfen ihren Geschäftsreisenden beim praktischen Kraftstoffsparen. Sie ermöglichen ihnen die Teilnahme an eintägigen Eco-Trainings – Spritsparfahrkurse, wie sie Dekra oder ADAC anbieten. Vaude und ista International veranstalten auch Spritspar-Wettbewerbe: Mitarbeiter, die innerhalb eines festgelegten Zeitraums einen vorgegebenen Durchschnittsverbrauch unterschreiten, erhalten einen Bonus.

Beim Ranking der besten Verkehrsmittel für eine Dienstreise steht die Bahn an erster Stelle. So hat bei der DZ Bank die Deutsche Bahn auf innerdeutschen Strecken Priorität. Unmissverständlich die Bankvorgaben: Die Bahn ist dem Pkw und dem Flugzeug vorzuziehen. Lediglich aus Zeitgründen können auch andere Verkehrsmittel genutzt werden. Auch Coca-Cola und Telekom setzen vornehmlich auf den Zug. Der Getränkekonzern schloss mit der Deutschen Bahn eine Umweltvereinbarung. „Die Vereinbarung ermöglicht es, dass wir unsere Bahnreisen mit 100 Prozent grünem Strom und damit CO2-frei durchführen können“, erklärt Geschäftsführer Hendrik Steckhan.

Um tatsächliche Umwelterfolge festzustellen, führen einige Unternehmen Kohlendioxid-Bilanzierungen durch. Bezogen auf die Emissionen beim Pkw wird als Referenzjahr meist das Jahr genommen, indem die Zeichen im Fuhrpark auf Green gestellt wurden. Bei Bayer war es das Jahr 2007, bei Dupont und Telekom 2008, bei Siemens und Schreiner Group 2009, bei IVG Immobilien und ista International 2010, bei Coca-Cola und DZ Bank 2011. Der Schadstoffausstoß wird über den realen Kraftstoffverbrauch oder – wie bei Tchibo – über Leasingverträge ermittelt. In den Finanzverträgen sind jeweils die Berechnungsgrundlagen dokumentiert: Jahreskilometerzahl und Kraftstoffdurchschnittsverbrauch nach EU-Norm.

CO2-Verbrauch kompensieren

Dazu kommen die Emissionen, die bei Bahn- und Flugreisen, mit Mietwagen sowie während den Terminen vor Ort und während Hotelübernachtungen entstanden sind. Sie können im Internet mit Hilfe eines CO2-Rechners, wie er beispielsweise von der Klimaschutzorganisation Myclimate angeboten wird, annäherungsweise bestimmt werden. Mit ausgewiesen wird ein Geldbetrag, der zum Ausgleich der produzierten Umweltschadstoffe an die Organisation zur Förderung von Umweltprojekten überwiesen werden sollte. Andere relevante Klimaschutzorganisationen sind CO2OL und atmosfair. Mineralwasserproduzent Bad Dürrheimer geht einen anderen Weg. Er engagiert sich direkt bei einem Umweltprojekt vor der Haustür: bei der „Stiftung des Schwarzwaldvereins – Natur- und Kulturlandschaft Schwarzwald“. Sie kümmert sich in dem Mittelgebirge um die Biotop-Pflege, den Landschafts- und Artenschutz. Gerd Zimmermann

Grüne Reiserichtlinien auch in Ihrer Firma? Für 4-seitigen Leitfaden QR-Code scannen, E-Mail schreiben (creditreform-service@fachverlag.de, Betreff: Reiserichtlinie) oder URL eintippen: creditreformmagazin.de/reiserichtlinie

Auto: Beschäftigte, die mit einem Firmenwagen reisen, absolvieren alle zwei Jahre einen Spritsparfahrkurs, zum Beispiel beim ADAC. Beim Tanken achten sie auf den Kraftstoffpreis – auch mit der firmeneigenen Tankkarte. Sie vermeiden das Tanken direkt an Autobahnen, da der Spritpreis dort tendenziell am höchsten ist.

Bahn: Zugfahrten sollten im Rahmen von Umwelt-Plus der Deutschen Bahn stattfinden – der Arbeitgeber ist Partner dieses Programms. Dabei wird die für Bahnreisen benötigte Strommenge prognostiziert, die Bahn kauft diese Menge als regenerativen Strom ein und lässt ihn in das Bahnstromnetz einfließen. Auf diese Weise werden CO2-Emissionen vermieden.

Flugzeug: Hier ist festzulegen, ab welcher Entfernung – beispielsweise ab 400 Kilometer – das Flugzeug statt der Bahn oder dem Auto in Frage kommt. Die Fluggesellschaften sind auszuwählen, die in einem Nachhaltigkeitsindex aufgenommen sind. Darüber informiert unter anderem die Website eine Airline oder das Reisebüro.

Mietwagen: Ein Hybrid-, Erdgas- oder Flüssiggasfahrzeug wird bevorzugt. Besteht diese Wahl nicht, ist das Fahrzeug mit dem geringsten Kraftstoffverbrauch und Schadstoffausstoß auszuwählen.

Hotel: Entscheidend für die Auswahl sind die Länge der notwendigen Transfers durch die Hotellage und das Vorhandensein einer Umweltzertifizierung. Zu den wichtigsten Zertifizierungen gehören ISO 14001 und EMAS (Eco-Management and Audit Scheme). Sie stehen für einen umweltgerechten, optimierten Umgang mit Energie, Wasser, Abfall und Emissionen.