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Creditreform

Zwar ziehen die Gründungsaktivitäten von Frauen leicht an und die Selbstständigenquoten von Frauen in Ost und West haben sich angeglichen. Doch im Vergleich zur männlichen Selbstständigenquote liegen Frauen noch weit zurück — und dieser Gender Gap hat sich seit 1991 fast verdoppelt. Ein paar Lösungsansätze hierzu.

Zum historischen Jahrestag, ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall, haben sich am 9. November mehr als 120 Unternehmerinnen, Gründerinnen und Gründungsexpertinnen und -experten aus ganz Deutschland an der Freien Universität Berlin auf „die Spuren weiblichen Unternehmertums“ begeben. „Unsere Konferenz hat gezeigt, dass ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall Ost- oder Westdeutschland als Herkunfts- oder Standort für Unternehmerinnen keine Rolle mehr spielen“, so Steffen Terberl von der Freien Universität Berlin. „Dennoch gibt es Unterschiede in den Entwicklungen des weiblichen Unternehmertums in Ost und West, die wir erstmalig identifizieren konnten und in den nächsten Schritten gemeinsam mit Unternehmerinnen, Gründerinnen und Experten konkrete Lösungswege erarbeiten möchten.“

Gründungspotenzial „unzureichend ausgeschöpft“

Aktuell erfolgen 43 Prozent der Unternehmensgründungen nach Angaben des KfW-Gründungsmonitors durch Frauen. Dies ist der höchste bisher gemessene Anteil. Diesen Zahlen gegenüber stehen aktuelle Auswertungen des Mittelstandsforschers und Gründungsexperten Dr. René Leicht, die erstmalig auf der Konferenz bekanntgegeben wurden. So ergeben Untersuchungen des Experten vom Institut für Mittelstandsforschung der Uni Mannheim einen „Stau“ in der Entwicklung von Frauengründungen.

„Die Gründungsaktivitäten von Frauen steigen zwar leicht an und die Selbstständigenquoten von Frauen in Ost und West haben sich angeglichen, im Vergleich zur männlichen Selbstständigenquote liegen Frauen jedoch noch weit zurück, und dieser Gender Gap hat sich seit 1991 fast verdoppelt“, so Dr. René Leicht. Allerdings zeige sich allein schon infolge der hohen Bildung von Frauen ein unzureichend ausgeschöpftes Gründungspotenzial. „Entfielen bspw. im Jahr 2011 auf eine Million erwerbsfähige Männer im Osten rund 12.000 und im Westen 19.000 Neugründungen, so führte dies im gleichen Fall bei den Frauen lediglich zu 7.000 Gründungen im Osten und zu 11.000 im Westen. Eine der höchsten Gründungshürden liegt dabei in einer Berufswahl, die immer noch geschlechtsspezifischen Mustern folgt – und das sowohl im Osten wie im Westen“, so Dr. René Leicht weiter. Typische Frauenberufe bieten jedoch wenig Möglichkeiten, sich selbständig zu machen. Die Chancen sind nur ein Drittel so hoch wie in einem Männerberuf. „Die Stellschrauben für eine stärkere unternehmerische Präsenz von Frauen liegen in Ost und West bei Fragen der Sozialisation und der Auflösung von geschlechtsspezifischen Rollenmustern“, so das Fazit von René Leicht.

Entrepreneurial Education fördern

Insgesamt kam auf der Zukunftskonferenz zum Ausdruck, wie wichtig es ist, die Rolle der Unternehmerinnen sichtbarer zu machen — sowie die frühzeitige Bildung und Ausbildung unternehmerischer Kompetenzen in Schulen und an den Hochschulen („Entrepreneurial Education“) zu fördern.

Auch in den Medien dominieren beispielsweise immer noch stereotype Vorstellungen, wie erste Auswertungen einer Medienanalyse an der Uni Siegen aufzeigen: Demnach erschienen im vergangenen Jahr in den untersuchten Zeitungen allein 8.345 Beiträge über Unternehmer – aber lediglich 403 Beiträge über Unternehmerinnen. „Hier besteht zweifellos noch Handlungsbedarf – sowohl seitens der Unternehmerinnen, die ihre Öffentlichkeitsarbeit verstärken müssen, als auch seitens der Medien, die noch mehr über erfolgreiche weibliche Geschäftsaktivitäten berichten könnten“, so Prof. Friederike Welter, Präsidentin des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn und Lehrstuhlinhaberin an der Uni Siegen. Wie das Rollenmodell der Unternehmerin beispielsweise über (fiktionale) Formate in den audiovisuellen Medien konstruktiv eingebracht werden kann, um damit das Berufswahlverhalten von jungen Mädchen zu verändern, ist eins der nächsten Forschungsziele. Ebenso ist ein jährlicher bundesweiter  „Unternehmerinnentag“ geplant.

Schlüsselqualifikationen gezielt unterrichten

Constanze Buchheim, Gründerin der i-potentials GmbH und Expertin für Generation Y, appellierte in ihrem Vortrag eindringlich für eine komplexere Ausbildung von Schlüsselqualifikationen für erfolgreiche Gründerinnen und Unternehmerinnen in der Lehre an Hochschulen. Neben Analytik und dem Denken in Geschäftsmodellen gehören dazu auch Kompetenzen wie Beziehungsmanagement, Selbstmarketing verbunden mit (sozialer) Medien-Kompetenz, der Übernahme von Eigenverantwortung und Kontrolle und Selbstmanagement.

Ergebnisse der weiteren Themen-Räume wie die Entwicklung neuer bzw. die Überarbeitung bisheriger Förderprogramme und Unterstützungsmaßnahmen für Hightechgründungen und Gründungen aus der Hochschule von Frauen, Unternehmensnachfolgen durch Frauen, Unterstützung selbstständiger Frauen auf dem Land und in Metropolregionen sowie grundsätzliche Rahmenstrukturen werden im Rahmen der grOW! – Initiative im Frühjahr 2015 in sechs Regionalworkshops und interdisziplinären Expertengruppen weiterentwickelt, um zu evaluieren, welche Förderkonzepte wie reformiert werden müssen.