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Creditreform

Green Logistics dient nicht nur zur effizienten Kostensenkung, sondern trägt auch zum Schutz der Umwelt bei. Das Unternehmermagazin Creditreform zeigt die Chancen und Problemfelder auf, denen Firmenchefs bei der Implementierung umweltgerechter Logistikketten begegnen.

Wirtschaftswachstum? Möchte jeder. In der Regel geht diese erfreuliche Entwicklung mit einer Zunahme des Verkehrs einher. Schließlich müssen sämtliche Rohstoffe und Zwischenprodukte zu den Herstellern und fertige Waren in die Läden geliefert werden. Studien des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur prognostizieren für 2050 eine Steigerung des Güterverkehrsaufkommens von heute 3,7 Milliarden Tonnen auf 5,5 Milliarden Tonnen. Die Güterverkehrsleistung soll sich mit gegenwärtig 600 Milliarden Tonnenkilometern auf dann 1.200 Milliarden sogar verdoppeln. Das Problem dabei: Gleichzeitig strebt Deutschland bis 2020 eine Reduzierung der Treibhausgasemissionen um 40 Prozent an – ein äußerst ehrgeiziges Ziel.

Können ökonomisches Wachstum und ökologische Zielvereinbarung unter einen Hut gebracht werden oder droht buchstäblich dicke Luft in Deutschland? Gegenwärtig summiert sich der CO2-Ausstoß in Deutschland auf jährlich 850 Millionen Tonnen. An diesem Emissionsaufkommen trägt die Transport- und Lagerwirtschaft einen Anteil von etwa 14 Prozent. Eingedenk des zu erwartenden Anstiegs des Güterverkehrsaufkommens tun die Unternehmen also gut daran, zukunftsfeste Konzepte für ein umweltbewusstes Supply-Chain-Management zu entwickeln. Green Logistics nennen Fachleute diese Strategie, die alle Maßnahmen zur Reduzierung oder Kompensation der durch Transport, Lagerung und Kommissionierung entstehenden CO2-Emissionen zusammenfasst.

Höhere Emissionen, höhere Kosten

Dass Green Logistics nicht nur gut fürs Image ist, sondern auch der Wirtschaftlichkeit dient, davon zeigt sich die Mehrzahl der 171 Unternehmen überzeugt, die der Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME) in einer Studie befragte: Mehr als die Hälfte der Interviewten geht davon aus, dass die CO2-Emissionen künftig ein wesentlicher Kostentreiber sein werden. Für ein Drittel der Unternehmen, so die BME-Studie, stellen die CO2-Emissionen schon heute einen bedeutenden Kosten- und Wettbewerbsfaktor dar.

Auf die folgenden Bereiche sollten Firmen bei ihren Green-Logistics-Überlegungen besonders achten:

1. Im Transportbereich sind Emissionseinsparungen mittels verbesserter Technik (Motoren, Aerodynamik, Leichtlaufreifen etc.), höherer Auslastung (zum Beispiel Doppelstockverladung und die Nutzung von Eurocombi-Fahrzeugen) oder Verlagerungen auf die Schiene möglich. Allerdings, so die BME-Studie, bemängeln viele Unternehmen den unzureichenden Kundenservice und die mangelnde Flexibilität der Bahn. Und auf der Straße werden den bis zu 60 Tonnen schweren und 25,25 Meter langen Eurocombi-Lastern sowohl politische als auch verkehrstechnische Grenzen gesetzt.

2. Logistikimmobilien können durch energieeffiziente Beleuchtung, Heizungs- und Lüftungstechnik sowie eine verbesserte Wärmedämmung umweltschonender genutzt werden.

3. Über die Vermeidung von Leerlaufverbräuchen und die Optimierung von Produktverpackungen kann die Intralogistik des Unternehmens weitere Einsparpotenziale beisteuern.

4. Ebenso gehören das Flottenmanagement und die Touren-, Netzwerk- sowie Standortplanung auf den Prüfstand. Entsprechend reorganisierte beispielsweise die Bayer AG ihre Distributionsnetzwerke auf dem chinesischen Markt. Im Ergebnis trug das Modul „Green Supply Chain & Logistics“ dazu bei, beim Pharmakonzern die Zahl der Fahrten mit kurzen Lieferzeiten auf 150 Prozent zu steigern. Gleichzeitig sanken die Logistikkosten auf 80 Prozent und die CO2-Emissionen auf 25 Prozent.

So weit, so gut. Doch kann Green Logistics auch Probleme schaffen, falls

• energiesparende Antriebe zu langsam sind und so den Lagerdurchsatz senken,
• der erforderliche Beratungs- und Betreuungsaufwand bei der Umsetzung de facto nicht geleistet wird,
• das Personal die neuen Systeme und Prozesse falsch oder gar nicht nutzt,
• Kundenerwartungen bezüglich der Liefergeschwindigkeit in der Praxis nicht erfüllt werden,
• Kunden die Neuerungen ablehnen und den Logistikpartner wechseln.

Um Unternehmen von der Notwendigkeit einer grüneren Logistik zu überzeugen, hat die Politik bereits verschiedene Maßnahmen ergriffen: Emissionshandel, CO2-Steuern, Fahrzeugsteuern und Mautgebühren zählt der Logistik-Lehrstuhl der Philipps-Universität Marburg als die wichtigsten Optionen auf.

 

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