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Creditreform

Dass Umweltschutz und Wirtschaftlichkeit sich keineswegs ausschließen, weiß man bei der Selzer Fertigungstechnik in der hessischen Gemeinde Roth schon seit Jahrzehnten. Rund 600 Beschäftigte fertigen bei Selzer Komponenten und Baugruppen für Getriebe, Motoren oder Bremsen. Und dank des „Eco-Management and Audit Scheme“ (EMAS), auch bekannt als EU-Öko-Audit, passiert dies so umweltfreundlich wie möglich und in der Folge kostensparend. „Wir haben erhebliche Einsparungen bei der Energie, aber auch bei Abfällen“, sagt Wolfgang Schneider, bei Selzer für Management-Systeme zuständig.

Dabei schützt das Unternehmen die Umwelt nicht ursprünglich aus Kostengründen, sondern aus Überzeugung. „Schon Ende der 1980er-Jahre wurde in der Firmenphilosophie verankert, die Umweltauswirkungen so gering wie möglich zu halten“, berichtet Wolfgang Schneider. Schon wenig später aber zahlte sich das Engagement aus: „In jenen Tagen reagierten die meisten Firmen lediglich auf behördliche Umweltvorgaben“, so Schneider. Mit dem Anfang der 1990er-Jahre eingeführten Umweltmanagement war Selzer der Zeit und den Behörden voraus. Laut einer Umfrage des Bundesumweltministeriums sind im Ergebnis geringere Haftungsrisiken für die meisten Firmen der Hauptgrund, das freiwillige Öko-Audit zu durchlaufen. Doch leistet es weit mehr: „EMAS ist das Universalsystem zum Nachweis umfassender Umweltleistung inklusive Einhaltung der rechtlichen Anforderungen“, fasst Esther Zippel zusammen, Referentin beim Umweltgutachterausschuss, der im Auftrag des Bundesumweltministeriums das Öko-Audit mitgestaltet. So ist etwa die Umweltnorm ISO 14001 bereits vollständig in EMAS enthalten.

Ein anderer Grund sind Einsparungen bei Energie, Material und Rohstoffen: „Mit EMAS werden die Umweltauswirkungen, die durch den Verbrauch von Energie und anderer Ressourcen entstehen, überhaupt erst erfasst und sichtbar“, erläutert Esther Zippel. Das Regelwerk sieht überdies vor, in bestimmten Bereichen Verbesserungen zu erreichen. In der Praxis führt das dazu, dass Auditoren nicht allein den Stand des Umwelt- und Ressourcenmanagements abfragen, sondern auch Optimierungspotenziale erkunden. Insgesamt unterstützt EMAS Unternehmen also dabei, umweltverträglicher und ressourceneffizienter zu wirtschaften. Bei Selzer hat man so etwa den Wasserverbrauch von einst 17.000 auf heute rund 6.000 Kubikmeter reduziert.

EMAS erspart Energie-Audit

Mit dem Einführen von EMAS genügen kleine und mittelständische Unternehmen auch neuen rechtlichen Anforderungen. Seit kurzem etwa fordert der Gesetzgeber, dass KMU ein Energieaudit durchführen, wenn sie von neuen Ausgleichsregelungen profitieren, also Energiekosten sparen wollen. Mit EMAS lässt sich auch diese Anforderung erfüllen, Mehrfachzertifizierungen für ein Umwelt- und ein Energiemanagement erübrigen sich daher. „Es steht zu erwarten, dass der Trend zum Einführen von Managementsystemen als Gegenleistung für umweltrechtliche Begünstigungen anhält“, sagt Esther Zippel. Mit EMAS als universeller Zertifizierung sind Firmen dabei jedenfalls gut aufgestellt.

Dirk Schäfer

– Zeitaufwand: Nach einer Befragung des Bundesumweltministeriums von EMAS-Unternehmen benötigten die Firmen für das Einführen von EMAS im Schnitt 15 Monate. Der personelle Aufwand ist in kleineren Unternehmen mit fünf Personenmonaten deutlich kleiner als in großen Organisationen, die 14 Personenmonate benötigten.

– Kosten: Für die erstmalige Validierung samt externer Beratung summierten sich die Kosten bei rund zwei Drittel der Firmen auf weniger als 25.000 Euro. Für das Aufrechterhalten des Umweltmanagements fallen je nach Unternehmensgröße weniger als 2.500 Euro an.

– Vorteile: Das Öko-Audit führt zu Kosteneinsparungen in den Bereichen Energie, Material und Rohstoffe. Die größten Vorteile eines Öko-Audits sehen die Firmen allerdings in einem verbesserten betrieblichen Umweltschutz, beim Thema Rechtssicherheit und bei der Mitarbeiterbeteiligung.

EMAS für KMU: Einen ausführlichen Leitfaden und viele weitere Tipps finden Sie unter creditreform-magazin.de/oeko-audit