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Wenn ein neues Produkt auf den Markt zu bringen ist, lässt Per Ledermann gerne mal provokative Werbeslogans dichten. Der Chef des Schreibwarenherstellers Edding über Wachstumsstrategien in einem schrumpfenden Markt, glückliche Mitarbeiter und Erfolgsfaktoren des Generationswechsels.

 

Sie leiten Edding nun seit gut zehn Jahren in zweiter Generation. Gab es in dieser Zeit Überraschungen für den Unternehmer Per Ledermann?
Ja, viele. Und zum Großteil positive. Als ich angefangen habe, war ich 29. Jeder wusste: Ich bin deshalb Vorstand, weil ich Sohn bin. Natürlich habe ich versucht, mich ordentlich auszubilden. Aber 29 ist nun einmal 29.

Schlug Ihnen große Skepsis entgegen?
Im Gegenteil: Ich bin positiv aufgenommen worden, habe viel Unterstützung erfahren – vermutlich, weil ich offen damit umgegangen bin, dass ich nicht alles wissen konnte. Das war die erste große Überraschung und das hat mich über die nächsten Jahre getragen.

Welche Überraschung bleibt noch im Gedächtnis?
Als die zehn Jahre rum waren, hatte ich das gar nicht auf dem Schirm. Ich kam nach Silvester zum ersten Arbeitstag, im Terminkalender stand eine Videokonferenz. Als ich nichts ahnend in den Konferenzraum ging, war die ganze Firma versammelt und gab ein Ständchen. Die Mitarbeiter hatten auch ein Buch für mich gebastelt. Ich wusste da, wie viel den Leuten die Firma wert ist, wie viel Herzblut drinsteckt.

Edding hat jüngst eine ungewöhnliche Pressemitteilung herausgegeben mit dem Thema „Freude als fortwährender Erfolgsmotor“. Wie machen Sie Ihre Beschäftigten glücklich?
Wir waren schon immer überzeugt, dass Leute, die Spaß bei der Arbeit haben, auch gut für das Unternehmen sind. Daran halten wir fest, auch wenn mal in einem Jahr der Umsatz zurückgeht. Wir lassen nie die Weihnachtsfeier oder den Betriebsausflug ausfallen. Zur Not geht es dann halt mit dem Bollerwagen in den nächsten Wald. Die Mitarbeiterbefragungen, die wir jedes Jahr machen, zeigen: Ein wesentlicher Teil unserer Kultur ist die hohe Identifikation mit der Firma. Das gemeinsame Motto heißt: Wir haben Edding-Tinte im Blut.

Manchmal sogar im Magen. Eine ihrer Produktmanagerinnen hat einmal ein ganzes Glas davon getrunken …
Das ist ihr gut bekommen. Es ging darum zu zeigen, dass unsere Produktreihe Ecoline nicht umwelt- oder gesundheitsschädlich ist. Basis für die Stifte ist ein Abfallprodukt aus der Papierindustrie. Die Tinte wird auf Wasserbasis hergestellt.

© Edding

© Edding

Der Vorstand:
Per Ledermann, 39, ist als CEO der Edding AG verantwortlich für die Ressorts Strategie, Marketing und Markenführung, Unternehmensentwicklung, Personal und lateinamerikanische Märkte. Der studierte Jurist erwarb in den USA zwei Masterabschlüsse (Business Administration, International Management). Anschließend arbeitete er für OC&C Strategy Consultants und eine Beratungsfirma in Abu Dhabi. 2005 stieg er bei Edding ein.

Hat die Werbung gewirkt?
Wir versuchen, die Ecoline-Produkte stark nach vorne zu bringen. Im Privatbereich ist das noch schwer. Im Bürobereich sind vor allem große Unternehmen und Verwaltungen Abnehmer. Wir verkaufen schon einige Millionen Stück pro Jahr. Das ist noch ein kleiner Anteil, der aber wächst.

Die Produkte sind auch umstritten. Das Edding-Tag – also ein Graffito etwa im Bahnwaggon – ist ein feststehender Begriff der Rechtsprechung. Bereitet Ihnen das Probleme?
Wir arbeiten mit Verkehrsbetrieben zusammen und versuchen, Tipps zu geben. Aber wir stellen nun einmal Permanent-Marker her. Und wir verspüren keine Gesamtverantwortung. Das wäre so, als würde ein Solinger Messerhersteller sagen: Unsere Messer sind zu scharf, weil ab und zu mal eine Schwiegermutter damit um die Ecke gebracht wird.

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