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Creditreform

Bei alkoholabhängigen Mitarbeitern können Arbeitgeber die Entgeltfortzahlung in aller Regel nicht verweigern – schließlich ist Alkoholismus als Krankheit anerkannt. Das geht aus einem Urteil des Bundesarbeitsgerichts hervor (Az.: 10 AZR 99/14).

 

Der Fall: Ein Arbeitgeber, der einen alkoholabhängigen Arbeitnehmer beschäftigte, klagte gegen die Krankenkasse. Die Krankenkasse, die teilweise Krankengeld an den Alkoholkranken gezahlt hatte, forderte Schadensersatz von der Firma, da diese Entgeltfortzahlung hätte leisten müssen. Der Arbeitgeber argumentierte dagegen, dass bei einem alkoholkranken Mitarbeiter, der mehrere Therapien hinter sich hatte, von Selbstverschulden auszugehen sei, wenn er erneut Alkohol trinke. Daher könne er die Entgeltfortzahlung verweigern. Dies sah das Bundesarbeitsgericht im entschiedenen Fall aber anders.

Die Begründung: Ein Selbstverschulden ist hier laut Gericht auszuschließen. Denn es handelt sich bei der Alkoholsucht um eine Krankheit. Wird ein Arbeitnehmer infolge der Alkoholabhängigkeit arbeitsunfähig, kann nicht von einem Verschulden im Sinne des Entgeltfortzahlungsgesetzes ausgegangen werden. Der Betrieb muss hier also Entgeltfortzahlung leisten.