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Handy mit Clubhouse App

© artcoastdesign/unsplash

Ende Januar ist die Audio-App Clubhouse an die Spitze der Download-Charts gestürmt. Was es mit dem Hype auf sich hat, ob die App sich etablieren wird und wie Unternehmen Clubhouse sinnvoll nutzen können, erklärt Christian Seifert, CEO von Avenit, einer Full-Service-Internetagentur für den Mittelstand.

 

Herr Seifert, was genau ist Clubhouse?

Im Kern ist es eine Audio-App, bei der User Gesprächen wie bei einem Live-Podcast zuhören oder sich aktiv beteiligen können. Aber es ist auch ein soziales Netzwerk, am ehesten eine Art Hör-Instagram.

Clubhouse funktioniert sehr stark über Themen und lebt davon, dass in den Audio-Chaträumen spannende Persönlichkeiten sprechen und Wissen teilen.

 

Wie bewerten Sie den Umstand, dass die Gespräche nur live stattfinden und später nicht nachzuhören sind?

Wir haben schon bei anderen erfolgreichen Social-Media-Formaten wie Snapchat oder Insta­gram Stories gesehen, dass die Beständigkeit der Inhalte nicht maßgeblich ist, sondern deren Relevanz für die Zielgruppe.

Im Medienmix kann das noch mal einen besonderen Effekt haben. Im Übrigen passt der Fokus auf Live-Gespräche zur Philosophie von Clubhouse. Man kann die App ja derzeit nur nach einer Einladung eines anderen Users nutzen, was eine gewisse Exklusivität schafft.

 

Wie können Unternehmen Clubhouse für ihr Marketing nutzen?

Die Ideen entstehen gerade erst. Ich kann mir gut vorstellen, darüber Kunden zu vernetzen und eine Community aufzubauen. Auch im Bereich des Brand Managements sehen wir bei avenit Möglichkeiten, etwa um einzelne Mitarbeiter als Experten zu positionieren.

Ich würde es immer dann einsetzen, wenn es darum geht, einen direkten Dialog zu führen, etwas zu erklären, Fragen zu beantworten.

 

Und was sollten Anwender tunlichst unterlassen?

Schwafeln. Sie sind bei Clubhouse ausschließlich auf die Tonspur fokussiert. Da ist es umso wichtiger, dass das Konzept stimmt.

Man braucht dort einen guten Moderator, der Monologe unterbindet und ein Gespräch in Gang bringt, bei dem ein Wortbeitrag auf dem anderen aufbaut.

 

Clubhouse ist gerade ein großer Hype. Verpassen diejenigen etwas, die noch zögern?

Ja und nein. Natürlich hat man es jetzt noch leichter, eine entsprechende Reichweite aufzubauen. Aber ich warne vor Aktionismus und Halbherzigkeit.

Wer kein Konzept und keine klare Vorstellung davon hat, wie er seine Marke digital positionieren möchte, der sollte mit Clubhouse lieber warten und die Energie in das strategische Fundament stecken.

Das Thema Audio als Megatrend gehört in eine solche Strategie aber auf jeden Fall mit hinein.