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„Das Gesicht verrät viel über die Eigenschaften und Fähigkeiten eines Menschen. Bei der ,Face Communication’ geht es darum, diese Merkmale zu entschlüsseln und so einen neuen Zugang zu finden – zu anderen und auch zu sich selbst“, erklärt Wiebke Lüth, die als Geschäftsführerin der fresh-academy GmbH Seminare zum Thema anbietet.

Hier ihre Hinweise:

Geht es darum, wie jemand den Mund bewegt oder was welcher Gesichtsausdruck bedeutet? Nein, im Wesentlichen stehen unveränderliche Merkmale wie etwa der Abstand der Augen, die Höhe der Augenbrauen oder die Breite der Nasenflügel im Mittelpunkt des Interesses. Und dann gibt es noch ein paar Merkmale wie die Fülle der Ober- und Unterlippe oder die Augenlider, die sich mit der Zeit verändern können. Wichtig ist, dass wir alle nur Stärken haben, es gibt also keine negativen oder positiven Gesichtsstrukturen. Wenn allerdings eine Stelle besetzt werden soll, dann muss der Bewerber bestimmte Anforderungen für diese Stelle besitzen. Und ob diese Qualitäten vorhanden sind, das lässt sich mit Hilfe der Erkenntnisse aus „Face Communication“ leicht feststellen.

Auf welches Gesichtsmerkmal sollte man beim Kennenlernen achten? Hier sind beispielsweise die Augenbrauen sehr wichtig, speziell geht es um den Abstand der Augenbrauen von den Augen. Bei manchen Menschen ist der Abstand sehr gering, andere sehen so aus, als würden sie die ganze Zeit die Augenbrauen nach oben ziehen. Die Faustregel lautet: Wenn der Abstand so groß ist, dass noch ein ganzes Auge dazwischen passen würde oder mehr, dann sollten Sie sich diesem Menschen mit etwas mehr Abstand nähern, also etwa die Hand zur Begrüßung etwas weiter vorstrecken und auch sonst am Anfang etwas mehr Abstand wahren. Diese Menschen werden auch in Gruppen erst einmal ein bisschen zurückhaltender sein und beobachten, was die anderen machen.

Und wie ist es bei Menschen mit einem geringeren Abstand zwischen Auge und Augenbraue? Denen macht es nicht so viel aus, sozusagen auf Tuchfühlung zu gehen: Sie können auch mit einem Fremden sofort wie mit einem guten Kumpel umgehen.

Wie lässt sich das jetzt im Alltag nutzen? Stellen Sie sich einen Vertriebsmitarbeiter vor, der niedrige Augenbrauen hat. Wenn der auf einen Kunden mit einem hohen Abstand zwischen Auge und Augenbraue trifft, dann würde dieser Kunde gerne deutlich mehr Distanz wahren wollen. Hier ist es absolut vorteilhaft, wenn der Vertriebsmann weiß, dass er in diesem Fall eine höflichere Gangart einschlagen und den Abstand wahren darf, der dem Kunden gut tut. Also: Nicht wie einen guten Freund begrüßen, sondern mit ausgestrecktem Arm und mit den üblichen Begrüßungsformeln wie etwa „Herzlich Willkommen in unseren Räumen!“

Welche Rolle spielt der Abstand zwischen den Augen? Menschen, die einen relativ geringen Augenabstand haben, können sehr gut auf Details achten. Menschen, bei denen zwischen die beiden Augen noch ein ganzes Auge passt, tun sich leichter damit, den Überblick zu behalten. Nehmen wir nun einmal an, dass ein Personalverantwortlicher eine neue Buchhaltungskraft einstellen will. Diese sollte dann enger zusammenstehende Augen haben, um eine Idealbesetzung für die Stelle zu sein. Natürlich gibt es auch noch weitere Aspekte, die dann berücksichtigt sein sollten, aber der Augenabstand liefert einen entscheidenden Hinweis in diesem Kontext.

Welche Anwendungsgebiete für „Face Communication“ gibt es noch? Praktisch immer dann, wenn man mit anderen Menschen zusammenkommt. „Dabei ist es mir wichtig festzustellen, dass wir durch dieses Know-how auch unser Verhältnis zu uns selbst verändern“, betont Wiebke Lüth. „Teilnehmer berichten zum Beispiel, dass Sie sich nach meinem Seminar auf einmal selbst viel besser verstehen und ihr eigenes Verhalten besser nachvollziehen können. Wir entwickeln ein großes Herz mit uns selbst. Und diese Erkenntnisse verändern auch den Umgang mit anderen. Wir alle dürfen ja im Lauf unseres Lebens lernen, dass wir unterschiedlich sind und dass andere Menschen anders ticken als wir selbst. Face Communication baut hier eine Brücke des Verständnisses und der Offenheit im Umgang mit anderen Menschen.“

Wie gut treffen die Erkenntnisse von „Face Communication“ tatsächlich zu? „Man kann von einer fast hundertprozentigen Übereinstimmung ausgehen“, so Wiebke Lüth. „Ich hatte zum Beispiel eine junge Frau im Seminar, deren Verhalten nicht zu einem bestimmten Gesichtsmerkmal passte. Das hat mich erstaunt und dann habe ich einfach mal nachgefragt. Dabei stellte sich heraus, dass sie sich die Nase hatte operieren lassen, sie hatte sich das entsprechende Gesichtsmerkmal operativ verändern lassen. Ihr Verhalten entsprach aber weiterhin der früheren Gesichtsstruktur.“

Wiebke Lüths Buch mit dem Titel „Kunden lesen: Wie Sie in drei Sekunden wissen, wie Ihr Gegenüber tickt“ ist im Redline-Verlag erschienen (ISBN: 978-3868813456, Preis: 16,99 Euro). (mil)