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Fast jedes dritte Unternehmen betreibt einen eigenen Business-Blog. Clever gemacht, sind sie nicht nur gut fürs Image, sondern verhelfen auch zu neuen Kunden, wie die folgenden Beispiele zeigen.

 

Blogger und Technikjournalist Sven Wernicke schreibt im Euronics-Trendblog über den aktuell größten Hype in der Welt der Smartwatch-Fans: Sgnl, ein Armband, mit dessen Hilfe jedermann ohne Telefonhörer, nur mit dem Finger am Ohr, telefonieren kann. In Begeisterungsstürme bricht er dabei nicht gerade aus.

„Mit ihm bloggen für uns insgesamt fünf freie Technikjournalisten über neue Techniktrends – neutral, mitunter aber auch durchaus kritisch“, sagt Dominic Mai, der bei Euronics die täglichen Blog-Veröffentlichungen koordiniert. Sein Ziel: den Lesern eine objektive und neutrale Orientierung zu geben – stets verbunden mit dem Hinweis auf eines der 1.700 lokalen Fachgeschäfte, das noch gezielter auf Anfragen reagieren könne.

Regelmäßig ist der Euronics-Trendblog in den Suchmaschinen ganz weit oben zu finden. „So sparen wir uns zusätzliche Ausgaben für Online-Werbung und liefern gleichzeitig unseren Händlern laufend hochwertiges Material für ihre eigenen Social-Media-Aktivitäten“, sagt der Online-Marketingmanager.

Tatsächlich: Viele der Euronics-Händler posten die Blog-Beiträge auf den eigenen Homepages und Facebook-Seiten, verschicken Tweets und Newsletter an Kunden aus ihrer Region. Mai: „Die News setzen Anreize zum Kauf, unterstreichen die Technikkompetenz von Euronics und unterstützen die Händler dabei, bestehende Kunden an sich zu binden und neue zu gewinnen.“

»In der schnelllebigen digitalen Welt ist ein Blog-Beitrag schon für die Ewigkeit.«

Felix Beilharz, Social-Media-Berater

„Fast jedes dritte Unternehmen in Deutschland betreibt mittlerweile einen eigenen Business-Blog“, sagt Kommunikationsexperte Hans-Wilhelm Eckert vom 1. Arbeitskreis Social Media B2B. Seit 2011 befragt das Firmennetzwerk alljährlich Unternehmen aller Branchen zu ihren Social-Media-Aktivitäten.

„Häufig ist der Fimen-Blog das Rückgrat der gesamten Online-Content-Strategie“, so Eckert. Aus gutem Grund, wie der Kölner Social-Media-Berater Felix Beilharz weiß: „In der schnelllebigen digitalen Welt ist ein Blog-Beitrag schon für die Ewigkeit“, erklärt er und erläutert: „Zumindest ist er über Google noch jahrelang auffindbar und kann so nachhaltigen Traffic liefern.“ Beiträge in den sozialen Netzwerken gehen dagegen schon nach wenigen Minuten oder Stunden in der schieren Masse der Posts unter.

 

Vielfältig einsetzbar und googletauglich

Blogs punkten aber nicht nur durch ihre Beständigkeit, sie sind auch ein ideales Instrument für die Suchmaschinenoptimierung. Beilharz: „Im Idealfall haben sie alles, was Suchmaschinen lieben: viel Text, aktuelle Inhalte und eine gute interne Verlinkung zu bereits erschienenen Beiträgen.“

Obendrein bieten sie ausreichend Platz und kennen keine Beschränkungen, was die Art der Darstellung angeht: Vom reinen Textbeitrag über Videos, Bilder und Animationen bis hin zu Infografiken ist im Blog alles möglich und kann mit anderen Vermarktungswegen – etwa Newsletter, Twitter oder Facebook – über Postings verknüpft werden.

„Wer erfolgreich sein will, muss versuchen, seinen Blog bei der relevanten Zielgruppe möglichst schnell bekannt zu machen“, sagt Jörg Forthmann von der Medien- und Kommunikationsberatung Faktenkontor. Zu einer aktiven Vermarktung gehört es, zum Beispiel Links zu eigenen Studien und Blog-Beiträgen zu posten, sich mit anderen Bloggern zu vernetzen und Beiträge in themenverwandten Blogs zu kommentieren.

Der Süßwarenfabrikant Ritter Sport etwa feiert in seinen Blog-Beiträgen die Welt der Schokolade und ruft seine überwiegend jüngeren Leser regelmäßig dazu auf, Vorschläge für neue Schokoladensorten zu entwickeln, die Ideen anderer zu bewerten und zu liken. „Wir geben unseren Blog-Lesern auch die Möglichkeit, über neue Plakate abzustimmen sowie neue Produkte vorab zu testen und zu bewerten“, sagt Produktmanagerin Meike Heitker. So viel Mitgestaltungsspielraum und Großzügigkeit kommt an: der Fan-Blog wurde schon mehrfach preisgekrönt.

„Mit unseren Themen und Aktionen wollen wir natürlich auch neue Kunden ansprechen, vorrangig geht es uns aber darum, unsere Fans und Verbraucher an unsere Marke zu binden“, so Heitker.

Auch als die Stiftung Warentest 2013 angeblich in einer Voll-Nuss-Schokolade von Ritter Sport den chemisch hergestellten Aromastoff Piperonal nachgewiesen haben wollte, erwies sich der Firmen-Blog als Segen. „Wir haben ihn intensiv genutzt, um unsere Sicht der Dinge darzustellen und alle, häufig kritischen, Anfragen zu dem Thema zu beantworten“, so Heitker. „Über eine Pressemitteilung hätten wir das nicht so ausführlich und persönlich tun können.“

Gleich drei verschiedene Blogs betreibt die Firma Krones in Neutraubling. Im Azubi-Blog des Herstellers von Abfüllund Verpackungsanlagen für die Getränkeindustrie berichten Auszubildende aus ihrem persönlichen Alltag – und machen ganz nebenbei Lust auf Krones als Arbeitgeber.

Im Corporate Blog schreiben erfahrene Mitarbeiter über neueste Trends in ihrem Fachgebiet. Ein Blog also, der Einblicke in die Welt des Anlagenbauers bieten soll, vor allem aber die Expertise der Techniker und Ingenieure, Forscher und Entwickler unterstreicht.

Und dann ist da noch der Craft Beer Blog, mit dem Krones mehrere Tausend Anhänger der ursprünglich angelsächsischen Mikrobrauerei-Bewegung erreicht. Seit 2013 posten die Bayern auf Englisch und seit kurzem auch auf Deutsch über die „wunderbare Welt des Craft Beers“.

„Der Blog hilft uns, mit Kunden ins Gespräch zu kommen, und signalisiert den Mikrobrauerei-Fans, dass wir bei Krones von der Bierherstellung nicht nur viel verstehen, sondern auch mit ganzem Herzen bei der Sache sind“, sagt Maria Seywald, Social-Media-Koordinatorin bei Krones, und freut sich: „Unsere Community reicht inzwischen von den USA über Großbritannien bis hin nach Australien.“

Dass Blogs auch im Dienstleistungsbereich erfolgreich sein können, beweist Kai Schimmelfeder. Seitdem der Geschäftsführer der Beratung Feder Consulting seinen eigenen Fördermittel-Blog betreibt, bleibt dem Hamburger sogar die leidige Reiserei zu Messen erspart, um neue Aufträge zu akquirieren.

„Das Problem ist, dass die meisten Unternehmer gar nicht ahnen, welche Geldquellen sie eigentlich anzapfen könnten – sie sind vollauf mit ihrem Alltag beschäftigt. Die Kundenakquise gleicht damit der Suche nach der berühmten Nadel im Heuhaufen“, sagt der Finanzierungsexperte.

Bequemer geht es da per Blog: Seine praxisnahen Handlungsempfehlungen und Checklisten überzeugen dermaßen, dass sich viele Firmenchefs von selbst bei ihm melden und um mehr Informationen bitten. „Auch wenn der Blog Mühe kostet und wir viel Wissen kostenfrei herausgeben – die Investition lohnt sich“, ist sich Schimmelfeder sicher und ergänzt: „Kunden, die sich von alleine bei ihm melden – etwas Besseres kann einem doch als Berater nicht passieren.“

Werbesprech wird abgestraft

Fünf Tipps rund um den Firmen-Blog von Social-Media-Experte Jörg Forthmann von Faktenkontor:

Das Thema. Blogs helfen, Reichweite und Reputation zu verbessern, mit Kunden in Kontakt zu kommen oder den Kundenservice zu verbessern. Sein Thema sollte direkt von der Firmenstrategie abgeleitet sein.

Die Zielgruppe. Selbstbeweihräucherung und Werbesprech sind tabu, am wirkungsvollsten sind spannende und für die Zielgruppe nützliche und relevante Inhalte. Wer eine treue Leserschaft binden will, muss sie genau kennen und klare inhaltliche Mehrwerte bieten.

Die Frequenz. Wer einen Blog führt, muss am Ball bleiben und viel Zeit investieren. Deshalb: gleich mehrere Autoren einplanen, damit Urlaubs- oder Krankheitsphasen nicht den Veröffentlichungsfluss beeinträchtigen. Beiträge, Interviews, Infografiken, Gastbeiträge sollten in regelmäßigen Abständen erscheinen, beispielsweise einmal in der Woche.

Die Reaktionen. Nur etwa zwei Prozent der Blog-Nutzer reagieren auch durch Kommentare oder Anfragen. Grundsätzlich gilt: Kommentare nicht ungeprüft freischalten und Antworten binnen 24 Stunden, auf jeden Fall aber so schnell wie möglich geben.

Die Beständigkeit. Mit Serien wie „Drei Fragen an“ oder „Ein Fachthema kurz erklärt“ lässt sich gut Lesestoff vorhalten. Bevor einzelne Beiträge zu lang werden, lohnt es sich, richtig gute Themen in mehrere aufzusplitten.