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Creditreform

Arbeitnehmerinnen profitieren auch auf unteren Ebenen von weiblichen Führungskräften. Diese schlüpfen dann in die Rolle der Anwältinnen weiblicher Interessen. In den meisten Unternehmen werden Frauen bei Beförderungen dennoch weiter systematisch benachteiligt.

Die Erkenntnis, dass Frauen im Topmanagement großer Konzerne unterrepräsentiert sind, ist keineswegs neu. Während in den Führungsetagen zahlreicher deutscher Mittelständler die Gleichberechtigung bereits vorgelebt wird, wurden im vergangenen Jahr laut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung die 500 umsatzstärksten Firmen der Welt zu 95 Prozent von Männern geleitet. Doch je höher der Frauenanteil in den Chefetagen eines Konzerns einmal ist, desto eher werden Frauen überraschenderweise auf allen Ebenen befördert.

Zu diesem Schluss kommt eine norwegische Studie, für die mehr als 4000 Unternehmen ausgewertet wurden. Dieser positive Effekt, dass die Aufstiegschancen von Arbeitnehmerinnen mit dem Anteil der weiblichen Vorgesetzten steigen, zeige nach Ansicht der Autorinnen eines ganz deutlich: Weibliche Vorgesetzte spielen eine wichtige Rolle für die Fortentwicklung der weiblichen Beschäftigten, zum Beispiel als Mentorinnen, Vorbilder oder einfach als Anwältinnen für ihre Interessen.

Jedoch gilt genauso der Umkehrschluss: Je weniger Chefinnen es gibt, desto geringer sind die Chancen der weiblichen Belegschaft aufzusteigen. Nach Ansicht der Autorinnen gebe es eine traditionelle männliche Dominanz an den Konzernspitzen, die die Benachteiligung von Frauen zementiere.

Von den Vorstandsmitgliedern der börsennotierten deutschen Konzerne waren Ende 2014 nur 5,5 Prozent weiblich. Ende 2013 lag die Quote noch bei 6,3 Prozent.  (c) Hans Böckler Stiftung

Von den Vorstandsmitgliedern der börsennotierten deutschen Konzerne waren Ende 2014 nur 5,5 Prozent weiblich. Ende 2013 lag die Quote noch bei 6,3 Prozent.(c) Hans Böckler Stiftung 

 

Männer werden viel öfter befördert

Darüber hinaus bestätigt die Studie den mehrfach gezeigten Effekt, dass Arbeitnehmerinnen bei Beförderungen systematisch zu kurz kommen. Während der Frauenanteil unter den Befragten insgesamt 28 Prozent betrug, waren weibliche Beschäftige am unteren Ende der Firmenhierarchie mit 80 Prozent deutlich überrepräsentiert. Die Wahrscheinlichkeit, in den Genuss einer Beförderung zu kommen, war für Frauen im Schnitt nur etwa halb so hoch wie für Männer.

Eine weitere Erkenntnis der Studie: Je mehr Frauen in ein und derselben Abteilung sind, desto geringer sind die Aufstiegschancen der weiblichen Beschäftigten. Letzteres könnte nach Ansicht der Autorinnen daran liegen, dass es in vielen Unternehmen eine informelle Obergrenze für Frauen in Führungspositionen gibt. Das habe zur Folge, dass Frauen mit den Kolleginnen auf derselben Ebene um die knappen Beförderungsmöglichkeiten konkurrieren.

Die Autorinnen kommen zu der Schlussfolgerung, dass nur staatlich verordnete Quoten für das Topmanagement eine Veränderung herbeiführen können.