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Creditreform

Herr Aubry, können Sie Ihr jüngstes Edenred-Ipsos-Barometer zum Thema „Wohlbefinden und Motivation von Arbeitnehmern“ eigentlich in einem Satz zusammenfassen?

Ja: Die europäische Schuldenkrise hat direkten Einfluss auf die Eigenwahrnehmung der deutschen Arbeitnehmer! 44 Prozent der befragten Mitarbeiter geben an, dass ein gesichertes Arbeitsverhältnis aktuell ihre größte berufliche Sorge ist. Das ist etwas verwunderlich, ist doch die Wirtschaftslage in Deutschland – gerade im Vergleich zu anderen europäischen Ländern – verhältnismäßig stabil. Dennoch schwingt bei knapp der Hälfte der Mitarbeiter ein deutliches Unsicherheitsgefühl in Bezug auf das Arbeitsverhältnis mit. Der Vergleich zu früheren Jahren verdeutlicht den hohen Wert: 2012 sagten 29 Prozent der deutschen Arbeitnehmer, dass der Erhalt des Arbeitsplatzes aus beruflicher Sicht am meisten Sorgen bereitet. Und selbst 2008, im Jahr der Lehman-Pleite, waren es „nur“ 34 Prozent.

Und lässt das Rückschlüsse auf die Motivation der deutschen Arbeitnehmer zu?

In der Tat, allerdings sind die Folgen, die sich daraus ableiten lassen, ambivalent: Einerseits empfinden die Mitarbeiter starken Stolz für ihre Arbeit – das geben ganze 91 Prozent der befragten Arbeitnehmer an. Im Vergleich zu 2008 ist hier eine Steigerung um 4 Prozent zu verzeichnen. Auch bringen deutsche Mitarbeiter nach wie vor ein hohes Maß an Engagement am Arbeitsplatz auf: Über drei Viertel (76 Prozent) der Befragten signalisieren steigende (14 Prozent) oder gleichbleibende Motivation (62 Prozent). Andererseits bleibt ein kongruenter Zuwachs der Zufriedenheit über das Arbeitsverhältnis aus: In Deutschland steigt die Anzahl der Beschäftigten, die mit ihrer beruflichen Situation insgesamt unzufrieden sind, von 25 Prozent im Vorjahr auf 27 Prozent in diesem Jahr.

Woran könnte das liegen?

Mögliche Gründe neben der bereits angesprochenen wirtschaftlichen Situation:

Immer mehr Mitarbeiter sind der Ansicht, zu viel Zeit mit der Arbeit zu verbringen, und bescheinigen einen Anstieg der Stressbelastung. Das alles führt dazu, dass 40 Prozent der deutschen Arbeitnehmer immer häufiger mit dem Gedanken spielen, ihr Unternehmen zu verlassen. Mitarbeiter in nicht führender Verantwortung aus privaten Industrieunternehmen führen das Feld mit 41 Prozent an.

Was raten Sie also mittelständischen Unternehmen, um Unzufriedenheit und hohe Fluktuation zu vermeiden?

Der Arbeitgeber kann dem mit einem motivierenden und leistungsfördernden Arbeitsumfeld entgegenwirken, in dem die Wertschätzung der Mitarbeiter einen wichtigen Stellenwert einnimmt. Gelebte Anerkennung und Belohnung für gute Leistungen wirken sich langfristig als fester Bestandteil der Unternehmenskultur positiv auf die Loyalität der Mitarbeiter aus. Das kann von einem netten Wort des Geschäftsführers über Menüschecks zur täglichen Mittagsverpflegung bis hin zum individuellen Geschenk bei persönlichen Anlässen gehen – es muss ja nicht immer gleich die Gehaltserhöhung sein. Mit dem Einsatz solcher Motivationslösungen zeigen Unternehmen, dass ihnen an einem angenehmen Betriebsklima gelegen ist. Damit interessieren sie Branchenfachkräfte für sich und binden erfahrene Mitarbeiter.

Die Fragen stellte Ingo Schenk