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Creditreform

Virtualisierung ist auf der CeBIT ein großes Thema – für viele Unternehmer bleibt diese Materie aber schwer zu durchdringen. Hätten Sie eine Beispielanwendung für unsere Leser?

Nehmen Sie einen mittelständischen Steuerberater: Die 30 Mitarbeiter arbeiten jeweils an einem PC, es existieren mehrere Server. Aufgrund der häufigen Änderungen im Steuerrecht muss die Kanzlei im Vierteljahres-Rhythmus ein Update der Software vornehmen. Damit die lokal installierten Programme schnell genug laufen, wurden in der Vergangenheit alle drei bis vier Jahre neue PCs angeschafft – mit hohem Verwaltungsaufwand, da jeder Arbeitsplatz nun auch neue lokale Installationen benötigte. Vom Risiko eines Datenverlusts, der damit einhergeht, ganz zu schweigen. Eine virtualisierte Architektur ist in diesem Fall deutlich sicherer, günstiger und auch einfacher.

Warum genau? Wie sähe die IT-Landschaft nach dem Umstieg denn aus?

Entscheidend ist eine End-to-End-Sicht, die Hardware, Software und Services umfasst: In unserem Beispiel würden neben den Servern auch die Arbeitsplatzrechner virtualisiert – also virtuelle Einheiten aufgesetzt, die auf vielen Gerätetypen laufen können, im Büro konkret auf Thin Clients. Das sind äußerst kompakte, langlebige Minirechner ohne Festplatten, die besonders wenig Strom verbrauchen und an denen die Mitarbeiter nur ihre Eingaben per Tastatur und Maus machen. Statt mehrerer physischer Server lassen sich ein bis zwei modernere Maschinen vorhalten, auf denen Virtualisierungssoftware läuft, die sämtliche Applikationen und Daten bereitstellt, verarbeitet und speichert. Das spart Hardware- und Energiekosten und vereinfacht Verwaltung und Wartung. Und da die Mitarbeiter unabhängig vom Endgerät und von ihrem Arbeitsplatz arbeiten können, steigt ihre Produktivität – schließlich erfolgt die Datenverarbeitung und -speicherung im Netzwerk, quasi in der Wolke.

Virtualisierung ist also Teil von Cloud Computing?

Cloud Computing hat verschiedene Facetten. Eine virtualisierte Desktop-Infrastruktur ist eine davon. Wobei das Unternehmen selbst entscheidet, ob es diese Infrastruktur selbst betreiben oder durch einen Dienstleister verwalten lassen will. In einer Private Cloud werden die Daten vom Internet abgeschottet und sicher auf dem Firmengelände verwaltet – wie beim herkömmlichen Netzwerk mit physischen Servern und PCs auch.

Das dürfte die Leser beruhigen, die „der Wolke“ durch die Spähangriffe mehr denn je misstrauen. Aber je nach Endgerät wandern die Daten doch sehr wohl noch durchs Internet?

Werden Daten verschlüsselt übertragen und gespeichert, lässt sich in der Cloud ein hohes Maß an Sicherheit erzielen. Generell gilt: Wer Virtualisierung konsequent nutzen möchte, sollte sich nicht nur auf das Rechenzentrum konzentrieren und sich mit Bereitstellungsoptionen in der Firma befassen, sondern mit allen benötigten Zugangspunkten. Sprich: Er sollte seine Endgerätestrategie optimieren. Dazu gehören neben Thin Clients im Büro auch Notebooks, Tablets und Smartphones. Und auch private Geräte, Stichwort „Bring your own device“, müssen abgesichert werden. Ist die virtuelle Infrastruktur richtig aufgesetzt und konzipiert, gibt es keine Abstriche – weder bei Funktionalität und Performance noch bei der Sicherheit. Denn Server und virtualisierte Desktops sind zentral im Rechenzentrum immer besser und effizienter zu schützen als als Einzelkämpfer.Ingo Schenk