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Creditreform

Berlin, Germany – 05 28 2016: Apple iPhone 6s screen with internet shopping e-commerce applications eBay, Amazon, AliExpress, Groupon, PayPal etc.

Seit dem 12. Juli gilt europaweit die P2B-Verordnung. Das Kürzel steht für Platform-to-Business. Die neuen EU-Regeln sollen die Position von Onlinehändlern gegenüber Plattformen und Marktplätzen wie Amazon und Co. stärken. Wie die Verordnung mehr Transparenz und Fairness schafft.

 

Worum geht es?

Digitale Marktplätze wie Amazon, Ebay, Otto oder Zalando gehören zu den erfolgreichsten Geschäftsmodellen der vergangenen zehn Jahre.

Experten schätzen, dass allein in Deutschland über rund 7.000 Plattformen, Vergleichsportale, Apps oder Suchmaschinen Produkte und Dienstleistungen angeboten werden.

Entscheidend für den Verkaufserfolg ist dabei das Ranking der Suchergebnisse. Artikel auf der zweiten und dritten Ergebnisseite werden deutlich seltener gekauft, alles danach versinkt in der Bedeutungslosigkeit.

 

Was müssen Plattformanbieter ändern?

Sogenannte Onlinevermittlungsdienste, dazu gehören Marktplätze, Preisvergleichsportale, App-Stores, Hotel- und Flugbuchungsportale sowie soziale Netzwerke, über die Produkte verkauft werden, müssen ihre AGB ändern.

Darin muss nun zu lesen sein, welche Kriterien – etwa der Preis, Abnahmemengen oder Kundenrezensionen – beim Ranking zugrunde gelegt und wie diese gewichtet werden. Auch müssen die Plattformen offenlegen, ob sie selbst Produkte anbieten, die sie bevorzugt vertreiben.

 

Warum fordert die EU mehr Transparenz?

Die Plattformen besitzen die Hoheit über Daten und Algorithmen. Wer dort als Händler Produkte anbietet, ist somit nur theoretisch ein Partner auf Augenhöhe.

Gerade kleinere Anbieter befinden sich oft in einer Abhängigkeit. Egal ob beim Ranking, bei gesperrten Konten oder eingefrorenen Guthaben – Händler sind den Regeln der Plattformen ausgesetzt.

„Die P2B-Verordnung schafft mehr Fairness im Markt und ist ein wichtiger Schritt hin zu einem ‚Level Playing Field‘“, sagt Thomas Duhr, Vizepräsident des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW).

 

Was verändert sich für Unternehmen?

Bei Streitigkeiten gewährt die P2B-Verordnung die Möglichkeit einer Schlichtung. Dafür müssen Plattformbetreiber Mediatoren angeben, mit denen sie bereit sind zusammenzuarbeiten.

„Mediation ist ein ideales Instrument für die Händler, sich bei Problemen mit der Plattform eines geordneten und fairen Verfahrens zu bedienen“, sagt Oliver Prothmann, Präsident des Bundesverbands Onlinehandel (BVOH).

Als Mediatoren kommen spezialisierte Wirtschaftskanzleien oder eigens eingerichtete Stellen des BVOH infrage.

 

Und was bedeutet die Verordnung für Konsumenten?

Die neuen Regeln zielen nicht unmittelbar auf Endverbraucher ab. Doch auch sie könnten von mehr Transparenz profitieren, erwartet der BVOH:

Wenn die P2B-Verordnung gerade kleinen und mittleren Händlern mehr Wettbewerbsgleichheit ermögliche, fördere das gute Angebote – und in der Folge auch bessere Kauf- und Serviceerfahrungen beim Kunden.