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Creditreform

Pillen, Pulver und Säfte – das Geschäft mit der Gesundheit blüht. Doch auch die Pharmaunternehmen haben zu kämpfen: mit extrem langen Entwicklungszeiten, hohe Zulassungshürden und weltweit agierenden Nachahmern. Die interessantesten Fakten zur Branche.

Klicken Sie auf die Grafiken, um sie zu vergrößern. © Shutterstock; Getty Images; Fotolia; Creditreform-Magazin 07/2016

 

Die Pharmaindustrie heute

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Drei Fragen an:

Christian Dierks, Fachanwalt für Medizinrecht und Facharzt für Allgemeinmedizin. Partner von Dierks+Bohle, RAe und Professor für Gesundheitssystemforschung an der Charité Berlin.

Wie steht die Pharmabranche aktuell da?
Mit guten Ressourcen, Spitzenforschung und High-End-Fertigung ist sie strukturell sehr gut aufgestellt. Es gibt hochspezialisierte, exportstarke Konzerne, mittelständische Firmen für Spezialtherapeutika, hochinnovative Start-ups für neuartige Therapien. Die Branche entwickelt nun die digitale Einbettung des Arzneimittels in ein patientenorientiertes Angebot.

Christian Dierks © Fotostudio Charlottenburg

Christian Dierks © Fotostudio Charlottenburg

Welche Hürden existieren mittel- und langfristig?
Zahlreiche umsatzstarke Arzneimittel, insbesondere auch Biologika, stehen vor dem Ende ihrer Patentlaufzeit, Biosimilars kommen als Konkurrenz hinzu und die Big Player finden keine neuen Blockbuster – sie müssen ihre Pipeline teuer mit extern entwickelten Produkten aufstocken. Die Ausschreibungen im generischen Markt strangulieren die deutschen Unternehmen und erhöhen zusätzlich die Abhängigkeit des Gesundheitswesens von ausländischen Herstellern. Und schließlich werden durch die strengen Vorgaben der frühen Nutzenbewertung innovative Arzneimittel gerade im Bereich chronischer Erkrankungen, wie etwa neue Antidepressiva, durch zu niedrige Preise vom deutschen Markt gedrängt.

Was kann die Politik tun, um eine positive Entwicklung zu unterstützen?
Mit dem jetzt abgeschlossenen „Pharmadialog“ sind Schritte zur Verbesserung der Marktbedingungen angeregt, wie etwa die Flexibilisierung für Preisverhandlungen und die Beschleunigung der Abrechenbarkeit diagnostischer Leistungen. Weiterzuentwickeln sind die Möglichkeiten für Outcome-Based-Contracting und die Bewertung von Real World Evidence. Und die Politik sollte anerkennen, dass wir die gestiegene Lebenserwartung der vergangenen Jahrzehnte auch den Investitionen in den Hochrisikobereich Pharmaforschung verdanken.

 

Die Pharmaindustrie in Zukunft

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