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Im Alleingang hat der 59-Jährige seinen Klub in der Zweiten Liga etabliert. 2010 eröffnete das neue Stadion mit 15.000 Plätzen, das Jackwerth finanzierte. Zudem hielt er knapp 20 Prozent der Anteile der Fußball GmbH. „Es war gesellschaftsrechtlich eine One-Man-Show“, erinnert er sich. Das änderte sich mit dem Auftritt eines neuen Mitspielers: Audi stieg ein. Schritt für Schritt hatte die VW-Tochter mit Sitz in Ingolstadt sich mit dem Klub verbandelt. Seit 2006 tragen die Spieler die vier Ringe des Autobauers auf dem Trikot. Sechs Jahre später griff Audi richtig zu – übernahm die Anteile von Jackwerth und kaufte ihm auch die Stadionbetreiber GmbH ab. Ein gutes Geschäft für den Unternehmer?

Vom Leiharbeiter zum Unternehmer

© Stefan Bösl

© Stefan Bösl

Große Firmen leiten, einen Klub in die Bundesliga bringen und mit einem Weltkonzern wie Audi Allianzen schmieden, vom Ministerpräsidenten umschmeichelt werden – der jugendliche Peter Jackwerth hätte gestaunt, wenn man ihm diese Zukunft prophezeit hätte. Koch wollte er nach dem Hauptschulabschluss eigentlich werden – am liebsten auf einem Schiff. Doch Jackwerth entschied sich um und wurde Werkzeugmacher. Eine Weile war er selbst Leiharbeiter und dachte schließlich: „Das kann ich auch.“ 1992, damals 35 Jahre alt, startete Jackwerth sein eigenes Unternehmen. Im Jahr 2007 verkaufte Jackwerth Tuja für 800 Millionen Euro an die Schweizer Zeitarbeitsfirma Adecco.

„Ich war nie darauf aus, aus dem FC Ingolstadt Geld zu ziehen“, sagt Jackwerth. „Als das Angebot von Audi kam, war ich heilfroh.“ Für den Verein habe sich nichts geändert – der zahle die gleiche Miete wie zuvor. „Aber das Risiko der Verschuldung ist weg – das waren 20 Millionen“, sagt Jackwerth. Er selbst habe kein Geld verdient, sagt er. „Ich habe höchstens Geld verloren in den letzten Jahren, richtig Geld. Aber das war kein Verlust, sondern eine Investition in einen Verein – als Mäzen mit Herzblut.“ Wie viel er genau investiert hat, verrät er nicht.

Wenn heute im Klub Entscheidungen getroffen werden, dann spricht der Autobauer mit: Im dreiköpfigen Vorstand sitzen neben Jackwerth der Ex-Audi-Manager Andreas Schleef sowie Martin Wagener, Leiter Zentraler Rechtsservice bei Audi. Mit dem Generalbevollmächtigten von VW, Wendelin Göbel, ist die Wolfsburger Konzernmutter im Aufsichtsrat prominent vertreten. Hat der mittelständische Unternehmer Peter Jackwerth am Ende etwa den nächsten deutschen Werksklub nach VW-Tochter VfL Wolfsburg und Bayer Leverkusen geformt?

„Es nervt mich, dass alle meinen, wir sind ein Werksklub oder von Audi gesteuert.“ Peter Jackwerth

Jackwerth winkt ab: „Es nervt mich, dass alle meinen, wir sind ein Werksklub oder von Audi gesteuert. Audi ist ein Superpartner, wir sind heilfroh, dass wir ihn haben.“ Für ihn allein sei der Ausbau der Infrastruktur mit einem neuen Leistungszentrum für den Nachwuchs nicht zu stemmen gewesen. „Natürlich tun wir uns schon etwas leichter, als wenn wir die Last, die Audi schultert, jetzt auf vier, fünf Werbepartner verteilen müssten“, sagt Jackwerth. „Aber jeder weitere Sponsor ist bei uns willkommen, um den Verein voranzutreiben – ausgenommen Wettbewerber.“ Erfolg hatte der Klub dabei jüngst in der Region. Der ebenfalls in Ingolstadt ansässige Elektronikhändler Media-Markt übernimmt ab der kommenden Saison das Trikotsponsoring.

Auch mit Audi als starkem Partner lenkt Jackwerth weiter. Einmal Bundesliga spielen und dann aufhören – das hatte er einst als persönlichen Traum formuliert. Nun ist der Verein erstklassig, doch der Abschied ist für Jackwerth kein Thema mehr. „Meine Frau sagt: Du kannst den Klub doch nicht alleinlassen.“ Die Bindung zum FC Ingolstadt scheint stärker zu sein als zu jenem Unternehmen, das er groß gemacht und anschließend an einen Wettbewerber verkauft hat. Als Sponsor ist das Unternehmen weiter beim FC Ingolstadt aktiv. Jackwerth selbst pendelt seit dem Tuja-Verkauf zwischen Ingolstadt und dem Nobelvorort Son Vida bei Palma auf Mallorca. Der Panoramablick krönt das erfolgreiche Geschäftsleben. Zwar ist er weiter in der Branche aktiv. Doch seine Aufgabe in der 2009 gegründeten JR Holding, die über Tochterfirmen wiederum Personaldienstleistungen anbietet, sieht Jackwerth weniger operativ: „Ich stehe eher als Berater zur Seite.“

Immer 100 Prozent geben

Voller Einsatz, auch körperlich – das ist für Jackwerth der Schlüssel zum Erfolg. Im Beruf gelte das ebenso wie im Fußball. „Wenn du in der Verantwortung stehst und den Verein lebst, dann bist du nach jedem Spiel kaputt“, sagt er. „Die Anstrengung und die Konzentration, das aufzusaugen und aufzunehmen, um es besprechen zu können, das schafft mich.“ Von seinen Angestellten erwartet er dieselbe Einstellung. „Meine Mitarbeiter und Kollegen geben mir genauso das Gefühl wie meine Spieler, dass sie für mich durchs Feuer gehen würden“, sagt er. Die Fähigkeit, dies bei Menschen zu erkennen, zeichne ihn als Manager aus. „Man kann das lernen“, sagt Jackwerth ganz selbstbewusst. „Bei mir behaupte ich: Ich hab’s einfach.“

Jetzt blickt Jackwerth in die Zukunft. Es gibt noch viel zu tun in seiner Wahlheimat. Nur 80 Kilometer sind es bis München. „In Ingolstadt gibt es noch mehr Bayern-Fans als Anhänger des FC Ingolstadt.“ Das will er ändern. „Wer mit 30 oder 40 Jahren Bayern-Fan ist, der wechselt nicht, bloß weil da ein neuer Klub ist“, sagt Jackwerth. Er setzt auf die Jugend. „In 20 Jahren wird unser Stadion voll sein. Bei jedem Spiel.“ Ein großes Ziel, mal wieder.