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Creditreform

Die Ukraine-Krise zeigt, welche Gefahren aus der Abhängigkeit von Gasimporten aus Russland für Deutschland drohen können. Mit der Steigerung von Energieeffizienz lässt sich diese Situation verbessern und die Firmenkasse schonen. Drei Beispiele zeigen, wie es funktioniert.

Rechtzeitig zu seinem 125-jährigen Firmenjubiläum im Jahr 2008 tat das Familienunternehmen Steinbach & Vollmann GmbH & Co. KG (STUV) etwas Gutes für die Umwelt: Der Hersteller von Schlössern, Verschlüssen, Beschlägen und Scharnieren für die Industrie sowie für Produzenten von Geldschränken und Ausrüstern von Justizvollzugsanstalten nahm eine Solarthermieanlage in Betrieb. Die gute Tat schlug sich auch in der eigenen Bilanz positiv nieder: Mit einem Schlag konnte die Firma aus Heiligenhaus bei Wuppertal damit ihren Gasverbrauch um bis zu 40 Prozent senken.

So wie bei STUV schlummert in vielen Firmen ein enormes Einsparpotenzial beim Erdgasverbrauch. Allein im Industriesektor können in zehn Jahren rund 51Milliarden Kilowattstunden Gas pro Jahr eingespart werden. Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Studie „Energieabhängigkeit von Russland durch Energieeffizienz reduzieren“, die das Beratungsunternehmen Ecofys im Auftrag der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) durchführte. Voraussetzung dafür ist: Die Unternehmen setzen alle Energieeffizienzmaßnahmen im Wärmebereich um und nutzen zum Beispiel Sonnenenergie, Wärmerückgewinnung, effiziente Dampf- und Heißwassererzeuger, Trockner und Industrieöfen. Carsten Müller, Vorstandsvorsitzender der Deneff, erläutert: „Einsparung von Energie ist das sicherste, umweltfreundlichste und unabhängigste Mittel, um die Abhängigkeit vom Gas zu reduzieren.“ Und die ist bis dato ziemlich groß. Bisher importiert Deutschland knapp ein Drittel seines Gasaufkommens allein aus Russland – jährlich 259 Milliarden Kilowattstunden.

Großes Einsparpotenzial

Rund 85 Prozent des Gases verbraucht die Industrie, um die notwendige Prozesswärme zu erzielen. So nutzte auch STUV bis Anfang 2008 diese Energiequelle zur Aufheizung der Galvanikbäder auf eine Temperatur von 75 Grad Celsius. Dann jedoch kam die Wende: „Mit der Nutzung von Solartechnik wollten wir ein Zeichen setzen, denn der Klimaschutz ist uns wichtig“, sagt Betriebsleiter Ulrich Brix. Das Unternehmen installierte eine Solarthermieanlage mit 400 Quadratmetern Kollektorfläche auf dem Dach des Galvanikgebäudes. „Eine auf Solarenergie basierende Prozesswärmeanlage dieser Größenordnung war damals ein absolutes Novum im Bereich der Galvanik“, berichtet Brix. Die neue Technik erbringt 210 Kilowatt Leistung. Zusätzlich sorgt die Anlage für Wärme in den Waschräumen der Belegschaft. Die Investition für die Anlage – rund eine viertel Million Euro – hat sich noch nicht ganz amortisiert. Der Grund: STUV musste eine Lüfteranlage auf dem Dach errichten, die zusätzlich Strom verbraucht. „Manchmal können wir etwa wegen unseres Einschichtbetriebs das warme Wasser nicht komplett nutzen und die Kollektoren werden zu heiß. Dann schalten sich die Lüfter an und kühlen die Kollektoren, die sonst beschädigt würden“, so Brix.

Alternative Heizquelle

Beim Zulieferer SMP Deutschland GmbH in Neustadt-Schwaig rechnete sich die Investition dagegen nach gut zwei Jahren. Der Hersteller von Kunststoffteilen für die Automobilindustrie nutzt seit 2010 die Abwärme einer Kühlwasseranlage für die Nutzung von zwei Lackieranlagen. Dafür müssen große Außenluftmengen erwärmt und befeuchtet werden. Die Wärme wurde zuvor durch Erdgasheizkessel bereitgestellt. Rund ein Drittel des Verbrauchs ging auf das Konto der Lackieranlagen. Das änderte sich mit dem neuen Energiesparkonzept: Die Abwärme der Lackier- und Druckluftanlage und aus anderen Produktionsbereichen wird nicht mehr nutzlos über Kühltürme an die Umwelt abgegeben, sondern wird zur Erzeugung von Warmluft speziell für die beiden Lackieranlagen eingesetzt. Das Resultat: „Der Gasverbrauch dieser Anlagen konnte um 63 Prozent reduziert werden“, erläutert Wolfgang Brettl, Projektleiter bei der Berliner Ökotec Energiemanagement GmbH. Sein Unternehmen hatte die rund 1,2 Millionen Euro teure Anlage geplant und realisiert. Zusätzlich zum Gasverbrauch spart SMP auch Strom und Wasser an den Kühltürmen ein, die jetzt vor allem im Winter vollständig stillstehen. Unterm Strich bringt dies weitere Kosteneinsparungen von 530.000 Euro im Jahr mit sich. Zur klimaneutralen Fabrik will sich die Michael Koch GmbH aus Ubstadt-Weiher entwickeln. Der Umweltschutz und die Ziele eines nachhaltigen Wirtschaftens gehören zur Unternehmenskultur des Herstellers von Energiespeichern und Bremswiderständen für den Maschinenbau. Bereits seit mehr als zehn Jahren verfügen die Badener über ein Umweltmanagementsystem nach der europäischen EMAS-Verordnung (EMAS: Eco-Management and Audit Scheme).

Das Unternehmen trägt mit großem Engagement zur Senkung der Energie- und Ressourcenverbräuche in der Produktion bei. Einen großen Schritt in diese Richtung machte der Betrieb 2013, als eine Wärmepumpe installiert wurde. Die erzeugte Wärme nutzt er jetzt für die Gebäudeheizung. Mit dem Ergebnis ist Tobias Stengel, Leiter der Produktion und des Qualitäts- und Umweltmanagements bei Koch, mehr als zufrieden: „Wir konnten den Gasverbrauch um mehr als 80 Prozent senken.“

 

Wer Firmen bei Energiesparmaßnahmen hilft

Zahlreiche Verbände und Institutionen unterstützen Firmen dabei, in allen Bereichen energieeffizienter zu arbeiten. Hier eine Auswahl der wichtigsten Kontakte:

  • Der Bund der Energieverbraucher ist eine nicht staatliche Organisation, die sich den Schutz der Interessen von privaten Verbrauchern sowie kleineren Unternehmen bei der Energieversorgung auf die Fahnen geschrieben hat. Der bundesweit tätige Verein bietet seinen Mitgliedern Rechtsschutz und Informationen für den günstigen Energiebezug. www.energieverbraucher.de
  • Die Deutsche Energie-Agentur GmbH (kurz: dena) sieht sich als neutrales, ministeriumsübergreifendes Kompetenzzentrum für Energieeffizienz, regenerative Energietechnologien und innovative Energiesysteme. Sie informiert mit Projekten und Publikationen über aktuelle Entwicklungen. www.dena.de
  • Im Bundesverband der Energie- und Klimaschutzagenturen Deutschlands (eaD) haben sich 38 weitere Energie- und Klimaschutzagenturen der Bundesländer, Regionen und Kommunen zusammengeschlossen. Sie beraten und informieren Firmen bei allen Fragen der Energieeffizienz. www.energieagenturen.de