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Leadbase Fashioncloud

© Leadbase

Von Facebook lernen, heißt siegen lernen – zumindest, wenn es um Kommunikation im Internet geht. Auch die Aufmerksamkeit von Teilnehmern bei virtuellen Veranstaltungen lässt sich mit Instrumenten sozialer Medien fesseln.

 

Das Problem

Zu Beginn der Pandemie legte die Wirtschaft einen Crashkurs im Slacken, Teamsen und Zoomen hin. Teambesprechungen, Mitarbeiterversammlungen und Vorstandssitzungen wurden ins Digitale verlegt – ebenso Produktpräsentationen, Kundengespräche und Messen.

Ein Ringen entstand um die begrenzte virtuelle Aufmerksamkeit. Schnell fand ein Wissenschaftler der Universität Stanford einen Begriff für das Wegdämmern vor dem Bildschirm – Zoom Fatigue – und es war klar: Wer mit digitalen Events erfolgreich sein will, muss sich etwas einfallen lassen.

 

Die Lösung

Edgar Dyck, Gründer des Startups Leadbase, hat das getan. „Im ersten Lockdown haben wir uns die Lösungen angeschaut, die es schon gab. Nachbauten der realen Welt, Videostreams, virtuelle Messehallen, durch die man sich durchklicken kann“, sagt er. „Das war uns zu einseitig.“ Er und sein Team fragten sich, wie erfolgreiche Kommunikation im Internet funktioniert.

Die Antwort: wie in Social Media. „Wir haben die Idee des Newsfeeds übernommen, damit Nutzer Inhalte in ihrer eigenen Geschwindigkeit konsumieren können.“ Ein Algorithmus sorge dafür, dass die einzelnen Stücke – Videos, Fotos, Artikel von Ausstellern und Sponsoren – gleichberechtigt und abwechslungsreich ausgespielt werden. Wie in Social Media können Messegäste liken, sharen, kommentieren und chatten – sowohl untereinander als auch mit Ausstellern und Sponsoren.

Auf Wunsch bindet Leadbase virtuelle Rundgänge ein und unterstützt beim Erstellen von Content. Abrufzahlen werden auf einem Dashboard angezeigt. „So sehen unsere Kunden, welcher Content gut funktioniert.“ Der Preis eines digitalen Events richte sich nach dem Aufwand. „Eine fertige Messe mit Videoproduktion kostet circa 9.000 bis 10.000 Euro.“ Aktuell arbeite Leadbase an einem Abomodell für kleinere Messeformate, mit denen Kunden neue Angebote regelmäßig zeigen können.

 

Die Anwendung

Martin Brücher hat in der Corona-Pandemie Erfahrungen mit digitalen Messen gesammelt. Brüchers B2B-Plattform Fashion Cloud produziert und distribuiert Content wie Bilder, Videos und Texte für Modehersteller. Diese litten durch Corona nicht nur unter den geschlossenen Geschäften. Normalerweise nehmen Einkäufer der Branche die Ware der neuen Frühjahr/Sommer- und Herbst/Winter-Kollektionen physisch in Augenschein, besuchen mehrmals im Jahr Showrooms und Messen und platzieren dort ihre Orders. Kaum möglich während der Lockdowns.

Brücher organisierte deshalb digitale Fashion Weeks und bot den Modeherstellern die Teilnahme an, um virtuell mit den Einkäufern in Kontakt zu treten. „Für uns waren die Messen unter anderem ein Marketinginstrument – mit den Ausstellern konnten wir auch über Fashion Cloud sprechen.“ Insgesamt drei dieser Veranstaltungen stellte Fashion Cloud auf die Beine, die letzten beiden zusammen mit Leadbase.

Neben den Social-Media-Funktionen der Software setzte Brücher auf Livestreams, branchenbekannte Speaker und ein virtuelles Speeddating-Format, das Ein- und Verkäufern helfen sollte, zueinander zu finden. Fashion Cloud ist zufrieden mit dem Ergebnis: „Die Digital Fashion Weeks hatten über drei Tage hinweg etwa 8.000 Besucher und 200 Aussteller.“