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© Hiroshi Watanabe/Getty Images

Onlineshops haben es schwer mit Kunden, die nicht genau wissen, was sie suchen. Das Startup nyris will mit einer Software für mehr Bestellungen sorgen.

Das Problem

Kaufbedürfnisse entstehen oft, weil Kunden irgendwas mal irgendwo gesehen haben. Einen schönen Anzug in Social Media oder so eine Tasche wie die Sitznachbarin in der Straßenbahn – aber wie heißt das Produkt bloß? Und wer ist der Hersteller?

Ein anderes Beispiel: Es fehlt ein bestimmtes Ersatzteil zur Reparatur, dessen Name nicht bekannt ist. Große Player wie Pinterest und Amazon arbeiten schon länger an Lösungen.

Das Netzwerk Pinterest ermöglicht Nutzern mit dem Service „Shop the Look“, ein Kleidungsstück direkt aus einem Bild heraus zu kaufen.

Der Handelsriese bietet in seiner App eine ähnliche Funktion an. Außerdem haben Kunden die Möglichkeit, Produkte mit der Kamera ihres Smartphones zu erfassen und sich dieselben oder ähnliche Waren zum Bestellen anzeigen zu lassen.

Die Lösung

Die Bilderkennungssoftware des Berliner Startups nyris bietet auch für den mittelständischen Handel Lösungen. „Wir erweitern die Textsuche im Onlineshop um eine Bildsuche“, erklärt Gründerin Anna Lukasson-Herzig.

„Wenn die Mitarbeiter eines Handwerksbetriebs ein Teil in der Hand halten und sich fragen, was das ist – Knüppel, Griff oder Werkzeug – und wie sie es bestellen sollen, dann können sie ein Foto hochladen und unsere Software sucht in der Datenbank Produkte, die genau so aussehen.“

Die Anwendung eigne sich aber auch in anderen Bereichen, in denen gut ausgebildete Fachkräfte ihre Zeit mit langen Suchen verbringen müssten. „Zu unseren Kunden zählen auch Maschinenbauer, die ihren After-Sales-Shop um eine visuelle Suchfunktion erweitern“, sagt die Geschäftsführerin.

Darüber hinaus hilft die Software, wenn Bilder in Bildern gesucht werden müssen: „Versicherungen schätzen die Anwendung, um Schadenswerte zu ermitteln.

Die Sachbearbeiter bekommen Fotos von Schäden, auf denen sie Bilder von kaputten Lampen, Fernsehern und Möbeln identifizieren müssen, um die Preise zu ermitteln. Auch das kann unsere Software übernehmen.“

Die Kosten des SaaS-Angebots richten sich nach der Größe der Datenbank, die durchsucht werden muss, der Menge der Anfragen und nach dem gewünschten Servicepaket.

„Startups, die ihre Daten selbst hochladen und keine Serviceleistungen in Anspruch nehmen, erhalten die Lizenz für wenige Hundert Euro“, so ­Lukasson-Herzig. Von mittelständischen Kunden würde meist das Paket im Preis von 4.950 Euro monatlich gewählt.

Die Anwendung

Fabian Haustein ist Geschäftsführer und Chef von 40 Mitarbeitern beim Hamburger Großhändler Esska.de, der Betriebstechnik im Internet vertreibt. „Wir nutzen nyris in unserem mobilen Onlineshop und schaffen so ein besseres Einkaufserlebnis“, sagt er.

Schließlich sei es meist wesentlich einfacher, ein Foto einzustellen als einen komplizierten Produktnamen einzutippen. „Außerdem beseitigen wir Unsicherheiten, denn derjenige, der ein Produkt braucht, ist oftmals nicht derjenige, der es beschafft.

Schickt ein Maschinenbauer ein Produktfoto an den Einkäufer, ist es doppelt hilfreich, wenn der sich dank der Bildsuche sicher sein kann, dass er das richtige Produkt bestellt.“

Haustein ist zufrieden. Die neue Funktion in den Onlineshop einzubauen, ging schnell: „Vom ersten Kennenlernen bis zum Launch benötigten unsere Entwickler und die Kollegen von nyris eine Woche.“