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Creditreform

Flexibel und günstig – Carsharing ist auch in Unternehmen immer stärker im Kommen. Das Prinzip bringt Bewegung in mittelständische Autoflotten.

Sie sind jedem Team ein Graus: Mitarbeiter, die nur selten in die Gänge kommen und bloß herumstehen. Doch genau damit vergeuden Dienstwagen 90 Prozent ihres Lebenszyklus. Kein Wunder also, dass Firmen sich zunehmend für Corporate Carsharing interessieren. Anders als ein personalisierter Dienstwagen wird ein Poolfahrzeug von mehreren Mitarbeitern genutzt und ist laut einer repräsentativen Studie der EBS Universität für Wirtschaft und Recht für nahezu die Hälfte der Fuhrparkleiter „eine interessante Option“. 17,5 Prozent der Befragten planen gar den konkreten Einstieg ins Corporate Carsharing.

Aktuell weisen die Statistiken für Deutschland etwa 1,6 Millionen Firmenfuhrparks mit rund 4,3 Millionen Fahrzeugen aus. Mobilitätspower satt also sollte man meinen. Doch sind die Dienstwagen durchschnittlich nicht mal eine Stunde pro Tag in Bewegung. „Pro Jahr kommt ein Firmenwagen gerade mal auf etwa 300 Betriebsstunden“, hält die Studie „Carsharing für gewerbliche Kunden“ des Bundesverbands Carsharing (BCS) fest. Während die Autos sich die Reifen platt stehen, rollt die Kostenlawine jedoch munter weiter: Instandhaltung, Verwaltung, Abschreibung, Versicherung und manches mehr. Dabei böte eine effizientere Nutzung beträchtliche Einsparpotenziale für die Total Cost of Ownership (TCO) und die Total Cost of Mobility (TCM).

Wer bietet was? Eine Übersicht der Modelle, die bei den Carsharing- Anbietern zur Verfügung stehen, finden Sie unter creditreform-magazin.de/carsharing2015.

Es kommt noch besser: Durch die private Nutzung der Poolfahrzeuge können Betriebe sogar Einnahmen generieren und auf diese Weise das Fuhrparkbudget weiter entlasten (siehe Berechnungsbeispiel). Unterm Strich sind durchschnittlich Einsparpotenziale von etwa 30 bis 40 Prozent drin. Die Prozesskosten, die Corporate Carsharing seinerseits verursacht, lassen sich durch digitalisierte Abrechnungs- und Steuerungssysteme in einem überschaubaren Rahmen halten.

Teilen liegt im Trend

Auch Ronald Dobe, einer der Geschäftsführer des Hamburger Dienstleistungsunternehmens Advertecs, ist von den Vorteilen des Carsharings überzeugt: „Wir zahlen für ein Auto nur dann, wenn wir es tatsächlich benötigen. Außerdem können wir auch mehrere Fahrzeuge gleichzeitig nutzen, was aufgrund unseres wachsenden Kundenkreises häufig erforderlich ist. Und last but not least profitieren wir dank Carsharing von einer wesentlich höheren Flexibilität als mit einem gekauften oder geleasten Firmenwagen. Denn wir können aus unterschiedlichen Fahrzeugmodellen immer das gerade passende auswählen.“

Mit der wachsenden Nachfrage kommt Dynamik in den Carsharing-Markt. So sind allein 2014 sechs weitere große Anbieter an den Start gegangen: Better Car Sharing, Citeebiz, Fleetster, Corporate Carsharing (GE Capital Fleet Services), Share your Fleet (Peugeot und Citroën) und Sixt Corporate Carsharing. Schon länger aktiv sind Alpha-City (BMW), Daimler Fleet Management sowie andere kleine und große Anbieter. Weitere Automobilhersteller haben für dieses Jahr eigene Services angekündigt.

60 Prozent eingespart

Entsprechend dem Kundenbedarf werden die Fahrzeuge physisch in den Firmenfuhrpark implementiert, um auf dem Betriebsgelände bereitzustehen. „Durchschnittlich teilen sich dann 35 Nutzer ein Auto“, sagt Thomas Holzmann, Vizepräsident beim Umweltbundesamt. Beispiel DB Projektbau GmbH: Im Fuhrpark des Regionalbereichs Ost versehen 14 Fahrzeuge ihren Dienst als Pool-Pkws. Seitdem fallen statt der ständigen Mietzahlungen nur noch nutzungsabhängige Buchungstarife an. „In einem halben Jahr habe ich dadurch 11.000 Euro Fuhrparkkosten in meinem Bereich eingespart – das macht fast 60 Prozent Einsparung aus“, sagt Fuhrparkchef Matthias Heymann.

© Creditreform-Magazin 04/2015

© Creditreform-Magazin 04/2015

Skeptiker mögen einwenden, dass der klassische Dienstwagen als Mittel zur Mitarbeitermotivation und als automobile Visitenkarte des Unternehmens nach wie vor unverzichtbar sei. Kann man so sehen. Aber ebenso gut können Firmen mittels Corporate Carsharing ihren innovativen Charakter öffentlichkeitswirksam dokumentieren und entsprechende Imagegewinne erzielen. Und die jüngeren Mitarbeiter haben mit der flexiblen Autoflotte ohnehin kein Problem. Ihr Interesse gilt einer unkomplizierten und umweltfreundlichen Nutzung der beruflichen und privaten Mobilität. Deshalb avanciert Corporate Carsharing auch zu einem überzeugenden Argument im Wettbewerb um qualifizierten Nachwuchs. „Die Möglichkeit, sich die Fahrzeuge auch für Privatfahrten zum Beispiel am Wochenende auszuleihen, steigert die Motivation und trägt zur Arbeitgeberattraktivität bei“, begründet etwa der Chipanbieter Infineon Technologies Dresden seine vielfältigen Aktivitäten im Bereich der bedarfsorientierten Mitarbeitermobilität.

Das Carsharing-Barometer der EBS Universität zeigt an, dass jedes zweite der befragten Unternehmen einer Kombination von Corporate Carsharing mit Elektromobilität aufgeschlossen gegenübersteht. Elektrofahrzeuge wecken Sympathie und bieten zudem günstige Betriebs- und Verbrauchskosten. Softwarelösungen organisieren die Energie- und Kostenoptimierung durch automatische Zuweisung des jeweils idealen Fahrzeugs, damit dem Dienstmobil unterwegs nicht der Saft ausgeht.