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Creditreform

Die Insolvenzzahlen in Deutschland sind im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Die Zahl der Verbraucherinsolvenzen verringerte sich um 6,7 Prozent auf 91.500 Fälle, die Zahl der Unternehmensinsolvenzen sank um 8,4 Prozent auf 26.300. Das ist der niedrigste Wert seit 14 Jahren. Insgesamt wurden von den Amtsgerichten zwischen Januar und Dezember 2013 141.900 neue Insolvenzfälle behandelt (2012: 150.810). Die aktuelle Zahl liegt um ein Sechstel unter dem bisherigen Rekordjahr 2010 (169.840 Fälle). Seit drei Jahren hält der Trend sinkender Insolvenzzahlen an.

In Ostdeutschland sank die Zahl der Unternehmensinsolvenzen mit 5,5 Prozent nur etwa halb so stark wie im Westen (neun Prozent). Allerdings konnte die Zahl der Unternehmenspleiten im Osten Deutschlands bereits in den Vorjahren deutlich verringert werden. Knapp zwei Drittel aller Insolvenzen (West: 64,4 Prozent; Ost: 65,0 Prozent) betreffen private Verbraucher.

Strukturwandel bei Insolvenzen

Die Schäden aufgrund von Unternehmensinsolvenzen für die Gläubiger belaufen sich im Jahr 2013 auf schätzungsweise 26,9 Milliarden Euro. Das ist ein deutlicher Rückgang der Schadenssumme verglichen mit 2012, als noch 38,5 Milliarden Euro Schäden registriert wurden. Weniger ganz große Unternehmensinsolvenzen und mehr Fälle von Kleinstunternehmen haben auch die Gesamtzahl der von Insolvenz betroffenen Arbeitnehmer verringert. Im vergangenen Jahr mussten insgesamt 285.000 Beschäftigte um ihren Arbeitsplatz bangen; 61.000 weniger als 2012.

In der Struktur der Insolvenzfälle gibt es einige Verschiebungen im Vergleich zu 2012. So mussten 2013 mehr ältere Unternehmen einen Insolvenzantrag stellen, während ganz junge Unternehmen weniger stark betroffen waren als 2012. Hinsichtlich der Umsatzgröße zeigen sich in allen Umsatzklassen Rückgänge. Diese fallen aber bei kleinen Unternehmen, mit Umsätzen von unter einer Viertelmillion Euro, deutlich unterdurchschnittlich aus. In etwa acht von zehn insolventen Unternehmen lag die Zahl der Beschäftigten bei maximal fünf. Das Insolvenzgeschehen in Deutschland ist damit sehr kleinteilig. Auf große Unternehmen mit mehr als 50 Millionen Euro Umsatz entfielen 2013 lediglich 130 Insolvenzen (0,5 Prozent des Insolvenzaufkommens).

Bau bleibt Sorgenkind

Im Baugewerbe ist die Zahl der Insolvenzen mit minus 11,1 Prozent im Vergleich zu 2012 am stärksten von allen Wirtschaftsbereichen zurückgegangen. Im Handel betrug das Minus 5,6 Prozent. Gut die Hälfte aller Insolvenzen (56,7 Prozent) entfiel auf den Dienstleistungssektor. Die Insolvenzquote bei Dienstleistern liegt mit 82 Insolvenzen pro 10.000 Bestandsunternehmen im Bereich des gesamtwirtschaftlichen Durchschnitts. Am höchsten ist die Insolvenzquote jedoch weiterhin im Baugewerbe (103), auch wenn gegenüber 2012 (116) eine merkliche Entspannung zu verzeichnen war. Das Verarbeitende Gewerbe weist eine Insolvenzquote von 55 Fällen je 10.000 Unternehmen auf (2012: 60), der Handel bringt es auf eine Quote von 86 Fällen (Vorjahr: 91).

Der Vergleich mit dem Jahr 2003 zeigt, dass sich das Insolvenzgeschehen bei den Unternehmen in Deutschland in den zurückliegenden zehn Jahren strukturell verschoben hat. Es ist mittlerweile stärker geprägt von Unternehmen aus dem Dienstleistungssektor, von älteren und vor allem deutlich kleineren Firmen.