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Creditreform

Ob beim Segeln, im Impro-Theater oder auf der überdimensionierten Murmelbahn: Teambuilding-Maßnahmen stärken den Zusammenhalt der Mannschaft. Das Creditreform-Magazin hat untersucht, wie sich die Effekte solcher Workshops nachhaltig im Betriebsalltag nutzen lassen. Damit sie nicht als launiger Betriebsausflug verpuffen.

Vom Außendienstler zum Rockstar: Andrea Anders, Marketing- und Vertriebsleiterin bei Radio SAW Rockland in Sachsen-Anhalt, ließ ihre Mitarbeiter bis zum Vorabend im Unklaren, was sie am folgenden Tag erwartete. Beim Teambuildung-Workshop wurde die 15-köpfige Gruppe zur Rockband. „Das hat uns bis an unsere Grenzen gebracht“, erinnert sich Anders. „Aber es schwärmen alle immer noch davon.“ Kein Teammitglied konnte zuvor ein Instrument spielen.

Das war auch keine Voraussetzung für den Workshop, denn Profimusiker begleiteten die Außendienstler, Disponenten und Marketingexperten den ganzen Tag über. „Sie ließen uns an die Instrumente herantasten, haben uns gut dabei beobachtet und hatten vor allem viel Geduld“, lobt Anders. Am Ende des Tages stand ein Auftritt mit Songs der Toten Hosen und von Xavier Naidoo. „Für Außenstehende wird sich das ziemlich schräg angehört haben. Aber uns hat es unheimlich Spaß gemacht.“

Jan Pierre Klage freut sich über dieses Ergebnis. Der Berater, Trainer und Freizeitgitarrist hat den „Rocking Business“-Workshop konzipiert. „Eigentlich funktioniert jedes Team wie eine Band“, so Klage. „Harmonische Klänge entstehen vor allem durch Kommunikation, Respekt und Begeisterung.“ Jedes Teammitglied stehe dabei für ein Musikinstrument, das seine Charaktereigenschaften repräsentiert. Klage kitzelt diese Fähigkeiten in seinem Workshop mit einem Selbsttest heraus. So können Personen mit ausgeprägter Basskomponente häufig sehr gut organisieren, haben aber seltener kreative Ideen.

„Mitarbeiter mit starker Gitarrenkomponente hingegen lieben es, Neues zu komponieren“, so Klage. Pianos wiederum haben alles im Griff und sehen immer das große Ganze. „Die volle Entfaltung ihrer Möglichkeiten erleben alle Instrumente aber erst, wenn sie – wie in jedem Arbeitsteam – einen gemeinsamen Grundrhythmus finden“, fasst Klage zusammen. Aber wie erkennen Sie diese Rollen in Ihrem Team? Wo steckt der geborene Tempomacher und wo der Vermittler? Wer plant gerne – und wer ist eher ein Umsetzer? Im günstigen Fall gibt ein Teambuilding-Workshop darauf die Antworten. Der musikalische Rahmen hilft dabei, dies alles mit Spaß und Kreativität zu durchleben.

Yacht als Seminarraum

Gerade Spaß ist bei Teambuilding-Maßnahmen ein elementarer Faktor. Durch die intensive Erfahrung setzen sich Inhalte ganz anders im Gehirn fest, sagt Christian Hemschemeier. Der Diplom-Psychologe ist mit seinem Unternehmen Alstertal Coaching auf Segelausflüge spezialisiert: „Entscheidend ist, dass es dann wirklich diese Teamerfahrungen gibt und nicht einfach ein Kartoffelwettschälen gemacht wird.“ Auf dem Segelschiff sind die Aufgaben wahrlich anspruchsvoller. Bei Alstertal Coaching lernen die Teammitglieder auf einer Jolle die Grundlagen des Segelns, bewältigen einige Manöver und fahren zum Abschluss eine kleine Regatta.

Der Großsegler dagegen sei eine Art schwimmender Seminarraum, beschreibt Hemschemeier. „Aber immer geht es um kooperative Abenteueraufgaben“, so der Trainer. „Das Wunderbare ist dabei, dass das Team exakt die Stärken und Schwächen zeigt wie im Arbeitsalltag.“ Die Teilnehmer sollten das Erlebte daher anschließend reflektieren: „Weiter vertiefen lässt sich das Ganze durch einen halbtägigen Folgeworkshop – klassisch indoor beim Kunden –, wo es dann nur um den Transfer geht.“

Mit einem verspielten Ansatz fordert derweil Marc Heinemann seine Workshop-Teilnehmer. Der Inhaber von Heinemann Teamevents lässt sie Deutschlands größte Murmelbahn bauen. Innerhalb von drei Stunden muss die Aufgabenstellung erkannt, diskutiert und direkt umgesetzt werden: „In unserem Fall ist das beste Ergebnis, eine Murmelbahn zu bauen, in der die Riesenmurmel möglichst lange unterwegs ist“, so Heinemann. Die Begeisterung der Mitspieler komme dabei schnell ins Rollen.

Harmonische Klänge entstehen vor allem durch Kommunikation, Respekt und Begeisterung.

Jan Pierre Klage, Berater

Gelerntes abrufbar halten

Das bestätigt einer der Teilnehmer, Marcus Tegetmeyer: „In der Startphase war es interessant zu beobachten, wie unterschiedlich die Herangehensweise unserer Mitarbeiter ausfiel – von handwerklicher Vorfreude bis hin zu Unverständnis ob der kindlichen Aufgabe war alles dabei“, erzählt der Chef der Beratungsfirma ConUti. Schon wenig später habe das allerdings keine Rolle mehr gespielt. Für den Chefberater war es in diesem Zusammenhang „besonders aufschlussreich zu erkennen, dass in jedem Team die individuellen Qualitäten der einzelnen Mitglieder eingebracht wurden“.

Team- und Abteilungsleiter können dabei schnell die diversen Charaktere erkennen, wirbt Trainer Heinemann: Wer nimmt das Heft in die Hand, wer agiert eher passiv? Welche Aufgaben bekommt ein jeder zugeteilt? Kennen die Teammitglieder die Schwächen und Stärken ihrer Kollegen? „Binnen kurzer Zeit durchlaufen sie einen Prozess, der sich in Unternehmen meist in mehreren Wochen, Monaten oder sogar Jahren abspielt“, so der Veranstalter.

Schnelle Entscheidungen müssen auch die Teilnehmer der Seminare von Rhetoriktrainer Gero Teufert treffen. „Das Leben ist ein Impro-Theater“, sagt der Diplom-Ingenieur und Buchautor. Viele Arbeitnehmer müssten im Alltag improvisieren. Und die Eigenschaften, die ein Schauspieler braucht, seien auch im Arbeitsalltag gefragt: Offenheit, Kreativität, Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität und Spontaneität – ebenso ein hohes Maß an Aufmerksamkeit für den Mitspieler, Einfühlungsvermögen und jede Menge Teamarbeit. „Diese Fähigkeiten spielen auch im Zusammenspiel von Führungskräften und Mitarbeitern eine große Rolle“, weiß Teufert.

Er hält die Teilnehmer während der Workshops daher gezielt dazu an, sich bestimmte Ereignisse als Triggerpunkte zu suchen, um die gelernten Inhalte in Erinnerung zu rufen. Das kann etwa der Gang über den Flur vor dem Mitarbeitergespräch sein oder der Griff zur Klinke an der Tür des Meetingraums. So gehen die neuen Impulse im Alltagsstress nicht verloren.

 

TEAMBUILDING: WELCHE MASSNAHME PASST ZU IHNEN?

Neues Team zusammenführen. Hier geht es darum, Vertrauen aufzubauen und das gegenseitige Kennenlernen von Stärken und Schwächen der Kollegen. Zum Beispiel bei Ausflügen in die Natur oder bei einem gemeinsamen Kochkurs.

Bestehendes Team stärken. Hier braucht es eine Herausforderung für die Mitarbeiter. Es darf abenteuerlich zugehen – beispielsweise beim Segeln, bei einer Wildwasser-Floßfahrt oder einem Survival-Training.

Erfolgreiches Team belohnen. Gut gemacht: Bei diesen Workshops soll der Spaß im Vordergrund stehen. Ein Wellness-Tag oder der Besuch einer Kulturveranstaltung bieten sich an.

Teamprobleme lösen. Wenn es unter den Mitarbeitern kriselt, sollte ein Inhouse-Workshop die erste Wahl sein. Teambuildings, bei denen es auf gegenseitiges Vertrauen ankommt, etwa im Hochseilgarten, sind hier noch zu riskant.