Das Unternehmermagazin aus der Handelsblatt Media Group

Creditreform

Das Leitthema der diesjährigen CeBIT lautete „Shareconomy“. Einige Elemente davon, etwa das Teilen von Inhalten auf Social-Media-Plattformen, sind aus dem Privaten bekannt. Werden sie auch in Firmen und öffentlichen Einrichtungen Fuß fassen?

Shareconomy beschreibt ja zunächst nur das Teilen und die gemeinsame Nutzung von Wissen, Ressourcen und Kontakten. Eine zentrale Rolle spielen dabei Kommunikationsformen wie Firmen-Wikis, E-Learning, Intranet und Content-Sharing-Plattformen. Gleiches gilt für Konzepte wie Cloud Computing oder „Bring Your Own Device“. Moderne Internet-Plattformen fördern aber auch in Unternehmen die Unabhängigkeit von Mitarbeitern! Entsprechende Social-Media-Elemente haben bereits Einzug in Unternehmensprozesse gehalten, Stichwort „Facebookisierung“. Diese Entwicklung wird sich künftig verstärken.

Weil jüngere Mitarbeiter diese Form des Teilens gewohnt sind und auch beruflich einfordern?

Ja, denn noch vor einigen Jahren waren Kommunikationstechnologien auf Experten zugeschnitten und nur von diesen bedienbar – heute kann dies jeder. Es gibt eine unvorstellbar große Menge an Daten, die genutzt werden kann, Stichwort Big Data Unterschiedliche Cloud-Computing-Dienste, etwa im Rahmen von Software as a Service oder der gemeinsamen Nutzung einer IT-Infrastruktur, stoßen in Unternehmen auf wachsendes Interesse. Das gilt ebenfalls für Organisationen und öffentliche Auftraggeber: Auch sie erkennen die Vorteile der Shareconomy-Konzepte.

Und zwar? Welche Vorteile sind das?

Anbieter und Nutzer von Produkten und Services rücken näher zusammen und entwickeln neue Formen der Zusammenarbeit. Sie teilen Wissen, Risiken und Erfolg, und das über traditionelle Branchengrenzen hinaus. Beispiel: Ein mittelständisches Unternehmen kann die Rückmeldungen zu seinen Angeboten, die Kunden über Social-Media-Plattformen wie Facebook abgeben, quasi in Echtzeit aufgreifen und zusammen mit Partnern in neue oder modifizierte Angebote umsetzen.

Gibt es konkrete Anwendungsbeispiele aus der Wirtschaft?

In Japan wird gerade eine Smartphone App getestet, die an der Stimme des Telefonierenden erkennt, ob er sich in einem emotional labilen Zustand befindet. Hintergrund ist, dass in Japan Senioren häufig Opfer von Betrügeranrufen werden. Gibt es beispielsweise einen Erpresseranruf, meldet das System dies. Gegebenenfalls wird sogar die Polizei informiert oder das Bankkonto gesperrt. Zweites Beispiel Landwirtschaft: Japanische Reisbauern erfassen und speichern mithilfe einer „Agriculture Cloud“ Livedaten und analysieren die Ackerland-Bedingungen. So wissen sie genau, wie viel sie düngen und wässern müssen. Langfristig ist das Ziel, die tatsächliche und digitale Welt zusammen zu bringen, um daraus größtmögliche Vorteile zu ziehen. Dafür investieren wir intensiv in Forschung und Entwicklung, um den Menschen und den Unternehmen zu helfen.

Und weitere Beispiele aus dem Mittelstand?

Vor allem der Mittelstand gewinnt durch Shareconomy! Auf der CeBIT 2013 zeigte Fujitsu Eco Track, einen Cloud-Service, mit dem auch mittelständische Unternehmen auf einfache und kostengünstige Weise die gesetzlich vorgeschriebenen Energie-Audits durchführen können. Kleinen und mittelständischen Software-Anbietern eröffnen Cloud-Computing-Angebote die Möglichkeit, ihre Produkte einem breiten Nutzerkreis zugänglich zu machen, und das bei klar kalkulierbaren Kosten. Auch das ist Shareconomy in Reinkultur!

Die Fragen stellte Ingo Schenk

Kundendialoge in einer Shareconomy: Für einen ergänzenden Beitrag QR-Code scannen oder URL aufrufen: creditreform-magazin.de/heft