Finanzierung, solvent

Finanzkommunikation in der Praxis

Von Tanja Barleben

Dass Banken im Zuge von Basel III Risikenstärker abwägen und langfristige Kreditzusageneher zögerlich oder gar nichtmehr vergeben, hat sich im Mittelstandherumgesprochen: Laut einer Umfrage der Commerzbankunter 4.000 Betrieben sind 80 Prozentder Unternehmer überzeugt, ihr Zugang zu Kreditenkönnte durch Basel III schwerer werden.

77 Prozent befürchten zumindest härtere Konditionen.Eine Sorge, die Finanzierungsexpertenwie Prof. Christoph Kaserer von der TU Münchenoder Marc Tenbieg, geschäftsführender Vorstandbeim deutschen Mittelstand-Bund (DMB), teilen:„Spätestens seit Mitte diesen Jahres haben dieBanken, insbesondere auch die Sparkassen, ihreohnehin hohen Anforderungen nochmals angezogenund halten sich bei mittel- und langfristigenKreditvergaben verstärkt zurück“, sagt Tenbieg.Grund hierfür sei neben Basel III auch die Grundeinstellungvieler Banken, keine noch so geringenKreditausfallrisiken eingehen zu wollen.

Überschaubarer Aufwand

Und die Kunden? „Viele Unternehmen und auchderen Steuerberater und Kreditinstitute reagierenderzeit noch viel zu spät auf Engpass-Situationen“,mahnt Carl-Dietrich Sander, Vorsitzenderder Fachgruppe Finanzierung-Rating im KMU-Beraterverband.Wer dies aber frühzeitig erkenne –auch mit den Methoden und Instrumenten aktiverFinanzkommunikation – der sollte besser agierenstatt nur zu reagieren. Auch die Banken fühltensich dann fortlaufend informiert, sähen dies alsein Zeichen transparenter Kommunikation – „unddamit verbessert sich die Verhandlungspositiondes Unternehmens dauerhaft positiv“, wie Sanderergänzt. Obgleich unklar ist, wie viele kleine undmittlere Unternehmen überhaupt Finanzkommunikationbetreiben, sind sich Verbände, Kreditinstitutebis hin zu Auskunfteien, Finanzexpertenund IHKs einig: Eine aktive Finanzkommunikationist als vorbeugende Maßnahme eine wichtigeGrundlage, um Bankengespräche so effizient wienur möglich vorzubereiten und vor allem auf Augenhöhezu führen.

Ein wichtiges Kriterium der Banken bei derKreditvergabe ist die Bonität, die sich mit denInstrumenten der Finanzkommunikation allerdingsbeeinflussen lässt. Unter anderem deshalbbetreibt die PFK Group GmbH, ein Kölner Unternehmenmit rund 32 Mitarbeitern, seit gut vierJahren aktive Finanzkommunikation: „Anlass dazu gab die gesetzliche Publikationspflicht imöffentlichen Register des Handelsgerichts undim Bundesanzeiger, die Datensammlungen derAuskunfteien sowie die Wirtschafts- und Finanzkrise2008/2009“, erinnert sich Dr. Uwe Streck,geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens.„Wenn sowieso Informationen veröffentlichtwerden müssen, sollte doch am besten derUnternehmer selbst der Informant sein. Denner kennt den aktuellen Datenbestand am bestenund sollte ihn dann auch kommunizieren.“

Das ist bei der PFK der Fall. Gut ein Vierteljahrkostete es zunächst, die Grundlagen aufzusetzen,seitdem hält sich der Aufwand für denUnternehmer mit zwei bis drei Stunden proWoche für die Pflege der Daten in Grenzen.Sein vorrangiges Ziel ist:

  • über die Finanzkommunikation die Bonitätzu stabilisieren oder zu verbessern,
  • die Kreditwürdigkeit zu unterstützen,
  • Kreditentscheidungen zu verkürzen und
  • die Vertrauensbasis auch für Krisenzeiten zustärken.

Publikationskanal ist für die PFK die eigeneWebsite (www.pfk.de/finanzkommunikation).Hier finden sich:

  • die Handelsregisterangaben,
  • die verkürzte Darstellung der Bilanz,
  • die Gewinn- und Verlustrechnung,
  • der Geschäftsbericht und
  • die Bonitätsbeurteilungen von vier Auskunfteien,darunter das Bonitätszertifikat der Creditreform.

Apropos Bilanzen: Die PFK sendet diese 1:1an Banken sowie an Auskunfteien. Für Finanzdienstleistergibt es zudem zusätzlich ein „geschlossenes“Finanzportal. Hier lassen sich perLogIn weitere Daten wie

  • die monatlichen Betriebswirtschaftlichen Auswertungen(BWA),
  • die Summen-Salden-Listen,
  • die Umsatzentwicklung der Geschäftsbereiche,
  • die Jahresabschlüsse der letzten Jahre sowie
  • die Drei-Jahresplanung und Branchenberichteeinsehen.

Die Daten werden jeden Monat auf den neuestenStand gebracht und Banken via Mail darüberinformiert. Die Firmenkundenberaterin etwa derCommerzbank, eine der PFK-Hausbanken, begrüßtdies als „vorbildlichen und professionellenService“, der nicht bei allen Kunden anzutreffensei. „Das persönliche Gespräch mit der Bank“, soDr. Streck, „ersetzt dieser Datenfluss nicht. Aberer dient der effizienten Vorbereitung der Bankengespräche,die von uns mit jedem Kreditinstitutzweimal im Jahr geführt werden.“ Ein Bankentagfür alle Kreditinstitute ist dagegen seiner Meinungnach eher für Konzerne sinnvoll. Denn der sich durch seine Art der Informationspolitik eigeneVerhandlungs-Spielräume erhalten.

Um die Daten im Finanzportal zu verbessern, verschicktedie PFK Fragebögen an die Kreditinstitute.Das Ergebnis war ernüchternd: Neben den positivenBewertungen der PFK-Finanzkommunikationreichten der Hälfte der Institute die BWA sowiedie Summen-Salden-Listen aus. Erstaunlich, weilprophylaktisch für Krisenzeiten mehr verlangtwerden müsste, findet der Unternehmer – etwadie Kapitaldienstrechnung, der Bankenspiegeloder die Jahresplanung. Weitere Erkenntnis derPFK: Nur vier der acht Banken, darunter die Commerzbankund die Sparkasse Köln Bonn, gabenAuskunft über die aktuelle Ratingbeurteilung.

Bonität stets im Blick

Dennoch: Ziel für den Unternehmer sollte stetssein, seine gute Bonitätseinstufung zu halten odereine schlechte nach und nach zu verbessern. Dennsie ermöglicht Firmen, rechtzeitig und gezielt anaufgezeigten Schwachstellen zu arbeiten. Ein CreditreformBonitätsindex von 176 beispielsweisesteht für ein sehr gutes Rating, ab etwa einemWert von 300 wird die Lage kritisch. Der Creditreform-Bonitätsindex dient einerseits den Bankenzur besseren Gesprächsvorbereitung. Andererseitskann sich dort jeder Kaufmann und Unternehmerein Bild seines Geschäftspartners verschaffen.

Gut 20 Mal pro Monat fragt allein die PFK bei derCreditreform nach, wenn es um die Einschätzungihrer eigenen Kunden geht. Dabei bewertet PFKeinen Creditreform-Index von bis zu 250 als positiv.„Ab Werten von 250 bis 300 wird von unskleine oder mittelständische Unternehmer solle die Zusammenarbeit deutlich stärker abgewogen– und bei einem Index über 300 lehnen wir dieGeschäftsanfrage ab“, erklärt Dr. Streck. AndereBezieher der Creditreform Wirtschaftsauskunft,darunter viele Factoring- und Leasing-Institute,setzen diesen Wert gemäß ihrer individuellenStrategie jeweils höher oder tiefer an.

Unternehmen sollten also ihre Bonität kennenund bei schlechten Werten über den Weg derFinanzkommunikation verbessern, so die Einsichtdes Kölner Unternehmers. Eine Selbstauskunftist übrigens bei jeder Auskunftei kostenlos.Noch ein Grund mehr, sich mit diesemThema und seinen Chancen zu befassen.


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