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Geld für den Heiligen Geist

Als der portugiesischen Banco Espirito Santo das Geld ausging und der Kapitalmarkt nichts mehr geben wollte, soll die US-Großbank Goldman Sachs bei der Finanzierung geholfen haben. Ein verlustreiches Geschäft.

Manchmal reicht ein himmlischer Name alleine nicht. Als der portugiesischen Großbank Espirito Santo (zu deutsch: Heiliger Geist) Anfang des Jahres das Geld ausging, suchte sie dringend nach irdischer Hilfe – und fand Sie wohl auch bei der US-Großbank Goldman Sachs. Über ein luxemburgisches Finanzkonstrukt halfen die Goldmänner der Banco Espirito Santo (BES) damals, rund 835 Millionen Dollar einzusammeln, berichtet das Wall Street Journal unter Berufung auf interne Berichte. Und das zu einem Zeitpunkt, zu dem es für die Portugiesen am Kapitalmarkt nahezu unmöglich war, frisches Geld zu bekommen.

Eigentlich sollte das Geld für die Finanzierung eines Raffinerie-Bauprojekts verwendet werden , das eine angeschlagene, chinesische Firma für Venezuelas staatlichen Ölkonzern PDVSA betrieben hatte. Dieser Ölkonzern gehörte zu den größten Gläubigern von Unternehmen der Espirito Santo Gruppe. Am Ende entpuppte sich der vermeintlich lukrative Deal als Verlustgeschäft. Goldman habe versucht, die Schuld der Portugiesen an einen weiteren Investor abzutreten. Es sei der US-Großbank aber nicht gelungen, einen Käufer zu finden, berichtet das Wall Street Journal weiter.

Die Goldmänner sind nicht die einzige Großbank, die mit den Geschäften der Portugiesen zu tun haben. Bereits vor zwei Wochen hatte das Wall Street Journal berichtet, dass die Schweizer Großbank Credit Suisse geholfen habe, Anteile an BES-Anlage-Vehikeln in Milliardenhöhe an Kleinkunden zu verkaufen. Den Kunden sei dabei nicht bewusst gewesen, dass die Wertpapiere auch Schulden von Espirito-Santo-Unternehmen enthielten, hieß es in dem Bericht, der sich auf Firmendokumente und Insider berief.

Die Banco Espirito Santo war vom portugiesischen Staat gerettet worden. Sie wurde in zwei Teile zerschlagen: Faule Kredite wurden in eine ‘Bad Bank’ ausgelagert, deren Eigentümer nun die bisherigen Aktionäre der BES sind – darunter auch die Crédit Agricole aus Frankreich. Aus dem gesunden Teil wurde mit einer Kapitalspritze von fast fünf Milliarden Euro eine neue Bank. Damit kamen erstmals die neuen EU-Regeln zur Bankenrettung zur Anwendung.

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