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Bankenumfrage (1): Wir wachsen kräftiger als Euroland

Während die Weltwirtschaft um uns herum abkühlt, der deutsche Arbeitsmarkt aber Stabilität verheißt und sogar Lohnsteigerungen verträgt: Wie entwickeln sich Außenhandel, Binnenkonjunktur und unser Konsumverhalten in diesem Jahr – und welches Wachstumsziel ist unterm Strich realistisch?

Zum Vergrößern klicken. © Creditreform-Magazin 01/2016

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Andreas Bley © BVR

Andreas Bley © BVR

Andreas Bley, Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken
Wichtige Auslandsmärkte für deutsche Erzeugnisse schwächeln. Daher: Die Exporte legen dieses Jahr nur moderat zu. Gleichzeitig ziehen die deutschen Importe aufgrund der robusten Binnennachfrage an, sodass per Saldo der Außenbeitrag kaum zum wirtschaftlichen Wachstum beiträgt. Zentraler Motor des Aufschwungs – wir rechnen mit einem BIP-Wachstum von 1,6 Prozent – bleibt damit der private Verbrauch, der von der guten Beschäftigungslage am Arbeitsmarkt, robusten Einkommenszuwächsen und den niedrigen Energiepreisen gestützt wird. Die Investitionsnachfrage unterstützt das Wirtschaftswachstum zwar ebenfalls, der Zuwachs der Investitionen bleibt aber, gemessen an früheren Aufschwungphasen, verhalten –trotz der extrem günstigen Finanzierungsbedingungen.

Die große Bankenumfrage • Konjunkturprognosen und Mittelstandsfinanzierung
Was sind die Wachstumstreiber im neuen Jahr – und auf welche Teuerungsraten, Wechselkurse und Finanzierungsbedingungen müssen sich Unternehmer 2016 einstellen? Zum 16. Mal in Folge hat das Creditreform-Magazin die Chefvolkswirte in Deutschlands Banken befragt.
1. Wir wachsen kräftiger als Euroland
2. Niedrigzins und weicher Euro
3. Wolken am Kredithimmel

 

Carolin Vogt © IKB

Carolin Vogt © IKB

Carolin Vogt, IKB Deutsche Industriebank
Auch wenn der Realeinkommenseffekt durch fallende Energiepreise dieses Jahr ausläuft: Das verfügbare Einkommen der Bundesbürger legt dank stabilem Arbeitsmarkt und kräftiger Lohnrunden weiter zu – entsprechend gut fallen Konsumentenstimmung und Anschaffungsneigung aus. Hinzu kommt: Die Ausgaben für die Flüchtlinge fließen fast vollständig in den privaten Verbrauch – das hilft der Binnenkonjunktur. Auch Bauinvestitionen ziehen im Zuge von verstärktem Wohnungsbau und zusätzlichen öffentlichen Investitionen des Staates spürbar an. Die Ausrüstungsinvestitionen der Unternehmen beleben sich zwar ebenfalls – doch ihr Expansionstempo bleibt weiterhin hinter dem in früheren Aufschwungphasen zurück. Und weil die Weltwirtschaft nur moderat wächst, dürften auch die Exporte nur mäßig zulegen, zumal die positive Wirkung der Euro-Abwertung allmählich nachlässt. Alles in allem rechne ich daher mit einem Wachstumsplus beim BIP von 1,8 Prozent.

 

 

Stefan Schneider © Deutsche Bank Research

Stefan Schneider © Deutsche Bank Research

Stefan Schneider, Deutsche Bank Research
Haupttreiber des deutschen Wirtschaftswachstum ist dieses Jahr der Verbrauch: Während der private Konsum von der robusten Lohn- und Arbeitsmarktentwicklung sowie weiterhin niedrigen Inflationsraten profitiert, ist der staatliche Verbrauch weniger Sparzwängen unterworfen als in den Jahren zuvor – und zieht durch die Ausgaben infolge des Flüchtlingszustroms zusätzlich an. Kurzfristig wirken diese wie ein kleines Konjunkturprogramm: Die Ausgaben für die Flüchtlinge tragen dieses Jahr 0,25 Prozentpunkte zum Wirtschaftswachstum bei. Insgesamt ist so ein Plus von 1,9 Prozent möglich. Um 0,25 Prozentpunkte steigt allerdings auch die Arbeitslosenquote. Denn obwohl der Jobmarkt mit einer Million offener Stellen nach wie vor in hervorragender Verfassung ist, dürften die meisten Flüchtlinge erst nach und nach eine Anstellung finden. Vom Export und damit auch von den Investitionen erwarten wir ebenfalls keine großen Impulse, da der Welthandel weiter schwächelt.

 

Die Einschätzungen der KfW, der Öffentlichen Banken sowie der Sparkassen-Gruppe finden Sie auf der nächsten Seite.


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