RentenversicherungVorsicht: Wer sich ein mal privat versichert hat, kommt nicht ohne weiteres zurück. © Fotolia

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Vorsorge-Spezial (4): Krankenversicherung – privat oder gesetzlich?

Chefarzt, Einbettzimmer, Originalmedikamente: Private Kassen versprechen nur das Beste vom Besten. Weniger wollen viele Führungskräfte sich und ihren Familien nicht gönnen. Doch im Alter – oder falls ein neuer Job schlechter bezahlt wird – wirkt die gesetzliche Krankenversicherung schnell wieder attraktiv.

Deutschlands Unternehmen sparen dank der privaten Krankenversicherung (PKV) Jahr für Jahr mehr als 1,3 Milliarden Euro Lohnnebenkosten – rechnet zumindest die Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw) in ihrer neuen Studie vor. Die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) halten dies für eine Milchmädchenrechnung: „Selbst wenn die PKV-Mitgliedschaft eines Mitarbeiters im Einzelfall für ein Unternehmen einen finanziellen Vorteil mit sich bringt, beruht dieser lediglich darauf, dass die private Krankenversicherung sich der gesellschaftlichen Solidarität entzieht und im Windschatten der gesetzlichen Krankenversicherung ihr Geschäft betreibt“, stichelt der GKV-Spitzenverband.

2016 muss ich 56.250 Euro brutto verdienen, um mich privat zu versichern – oder 4.687 Euro im Monat.

Wer darf die Krankenversicherung wechseln?

Außen vor gelassen wurden in der Studie die Patienten selbst: Jene Entscheider oder Selbstständige nämlich, die wählen dürfen zwischen gesetzlicher und privater Kasse. Entscheidend dafür, ob ein Angestellter die Wahl hat, ist die für das jeweilige Jahr gültige Versicherungspflichtgrenze. 2016 liegt sie bei 56.250 Euro – umgerechnet auf den Monat sind das 4.687,50 Euro.

Bis zu dieser Grenze, die regelmäßig angehoben wird, besteht Versicherungspflicht in einer gesetzlichen Krankenkasse. Bei einem höheren Bruttoeinkommen darf in eine private Kasse gewechselt werden, muss aber natürlich nicht. Namhafte Krankenversicherer wie die Hallesche aus dem Unternehmensverbund der Alte Leipziger werben um potenzielle Neukunden daher mit der Aussicht auf „ein erstklassiges Preis-Leistungs-Verhältnis, günstige Tarife und hervorragenden Service“. Argumentative Schützenhilfe beim Abwerben der lukrativen Mitglieder gibt es von der Dachorganisation Verband der Privaten Krankenversicherung in Berlin.

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Weil Wechselwillige eine Beitragsexplosion im Alter befürchten, betont der Verband regelmäßig die Solidität seiner Mitgliedsunternehmen. Laut PKV-Verbandschef Uwe Laue haben sich die Altersrückstellungen der Versicherten in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt – auf mehr als 200 Milliarden Euro. „Am meisten profitieren langjährig Versicherte, die sehr jung in die PKV gegangen sind“, sagt Gerd Güssler vom Analysehaus KVpro. Zur Gefahr für stabile Beiträge wird hingegen das Niedrigzinsumfeld, da angelegte Altersrückstellungen weniger Erträge abwerfen.

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Doch unabhängig davon, wie wirtschaftlich solide, leistungs- und servicestark die privaten Krankenkassen auch sind: Der Abschied vom gesetzlichen System sollte gut überlegt sein. Die wichtigsten Knackpunkte: Die Rückkehr in den Schoß der Gesetzlichen ist schwierig und nur in Ausnahmefällen möglich. Bei den Privaten gibt es keine Familienversicherung. Der Ehepartner, sofern er nur ein sehr geringes eigenes Einkommen hat, und die Kinder müssen separat versichert werden. Vor- oder gar chronische Erkrankungen können zu Leistungsausschlüssen oder zu happigen Beitragszuschlägen führen. Am besten also sind Junge, Unverheiratete und Kerngesunde mit einer privaten Krankenkasse bedient. Aber wer ist das schon alles gleichzeitig?

Gleichwohl wird der Kampf um neue PKV-Mitglieder mit harten Bandagen geführt. Grund dafür ist, dass der Vertrieb trotz Provisionsdeckelung mit Neuverträgen noch immer viel Geld verdienen kann. Gelockt werden Kunden vorzugsweise im Internet durch Monatsbeiträge von weniger als 100 Euro. „Der Privatpatient spart am meisten, wenn er von Anfang an nicht zu wenig zahlt“, mahnt Güssler. Eine gute Orientierung sei die Beitragshöhe in der Gesetzlichen: „Ein PKV-Tarif, der nur halb so teuer ist, kann nicht genauso gut oder sogar besser sein.“

Immerhin lässt sich der PKV-Beitrag steuerlich absetzen – wenn auch nur der Teil, der auf die Basisabsicherung entfällt, also auf die mit denen der Gesetzlichen vergleichbaren Leistungen. Bei der jährlichen Beitragsübersicht, den die Kasse erstellt, ist der relevante Beitragsanteil detailliert fürs Finanzamt aufgeschlüsselt.

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