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Neue Studie: Deutsche Industrie will China-Umsatz deutlich ausbauen

Allen Unkenrufen zum Trotz peilt die deutsche Industrie weiterhin starkes Wachstum in China an. So wollen gerade die bereits auf dem chinesischen Markt tätigen Unternehmen kräftig expandieren: In einem Jahrzehnt möchte ein gutes Viertel von ihnen schon bis zur Hälfte des Gesamtumsatzes im Reich der Mitte erwirtschaften. Das zeigen Ergebnisse der „Standortstudie Nordostchina“ der Unternehmensberatung Staufen. Mehr als 400 Führungskräfte aus deutschen Industrieunternehmen wurden dafür befragt. Der aktuelle Besuch von Kanzlerin Merkel in Shenyang ist ein weiteres Indiz,  dass China wirtschaftlich wichtig bleibt.

Das häufig in den Medien zelebrierte sinkende chinesische Wirtschaftswachstum täuscht. Die Zahlen bleiben weiterhin überdurchschnittlich positiv. Vor allem in der Region Nordostchina schafft die Regierung mit großen Investitionssummen in Infrastruktur und Subventionierung eine aufstrebende Wirtschaftsregion. Ein Fakt, der sich die deutsche Industrie durchaus bewusst ist. Beträgt der Anteil der in China aktiven Unternehmen, bei denen der chinesische Umsatzanteil zwischen 25 und 50 Prozent liegt, heute noch sieben Prozent, wird dieser Wert in fünf Jahren auf 18 und innerhalb von zehn Jahren auf 28 Prozent stark ansteigen (siehe Grafik).

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Gerade im Maschinenbau besteht angesichts Pekings neuer Wirtschaftsstrategie „China Manufacturing 2025“ – dem Äquivalent zur deutschen Industrie 4.0 – ein großes Potenzial für deutsche Firmen. Die Regierung hat sich zum Ziel gesetzt, in den nächsten zehn Jahren von der Produktion billiger Massenware auf qualitativ hochwertige Produkte umzustellen. Die Nachfrage nach hochwertigeren Produktionsanlagen und -prozessen steigt. Nicht verwunderlich ist daher, dass sich die Gründe der deutschen Unternehmen für den Aufbau einer Niederlassung in China  stark verändert haben. Die Zeiten des billigen Produktionsstandorts sind längst vorbei. Heutzutage dreht es sich hauptsächlich darum, den chinesischen Absatzmarkt zu erschließen.

Weitere Erkenntnis: Die strategische Bedeutung Chinas für deutsche Unternehmen ist bereits sehr hoch und wird künftig noch zunehmen. Bewerten aktuell rund die Hälfte der Befragten das Reich der Mitte in ihrer globalen Unternehmensstrategie als wichtig bis sehr wichtig, wird diese Einschätzung in fünf Jahren bereits auf zwei Drittel der Unternehmen zutreffen.

Boomende Regionen in Nordostchina auf der Überholspur

Gewinner dieser Trends sind beispielsweise wirtschaftlich boomende Regionen und Städte im Nordosten Chinas wie Shenyang. Zwar stehen für den Aufbau von Vertriebs- und Servicezentren nach wie vor Tier-1 Städte wie Peking und Shanghai an erster Stelle. Doch florierende Tier-2-Städte wie Shenyang oder Dalian befinden sich bereits auf der Überholspur. Zwei Drittel der befragten Unternehmen finden diese für den Aufbau einer Produktion attraktiv. Rund die Hälfte sieht dort Vertrieb und Einkauf. Und immerhin noch 32 Prozent empfinden die Tier-2-Städte auch schon als attraktive Ansiedlungspunkte für Forschung und Entwicklung. Bereits jetzt sind zahlreichen deutsche Firmen, insbesondere die Autoindustrie mit BMW, in Shenyang vertreten und erst 2012 hatte die deutsche Bundesregierung dort ein neues Konsulat eröffnet. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen diesmal nach Shenyang fährt, unterstreicht ebenfalls die wachsende Bedeutung der Region Nordostchina.

Fazit

Viele in China agierende deutsche Industrieunternehmen wollen dort künftig kräftig wachsen. Besonders die deutsche Automobilindustrie sieht das Reich der Mitte heute und in Zukunft als wichtigen Pfeiler der globalen Unternehmensstrategien. Der Nordosten Chinas boomt und ist insbesondere für die Automobilbranche ein wichtiger Investitionsstandort. Ein Potenzial, das Zulieferer sowie Maschinen- und Anlagenbauer für sich nutzen sollten. Zeit, trotz aller Unkenrufe im Chinageschäft jetzt richtig Gas zu geben.

 

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