Mathias EbelingMathias Ebeling

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erfolgreich, Fuhrpark

Vernetzte Nutzfahrzeuge: Alles unter Kontrolle

Wie Lkws und Transporter dank smarter Telematiksysteme zu wirtschaftlicher Höchstform auflaufen, veranschaulichen Praxisbeispiele.

Telematik – das meint in der Transport- und Logistikbranche ein bidirektionales Kommunikations- und Datensystem, das Informationen zwischen Fahrzeugen, Containern und deren Betreibern austauscht. War ein Lkw früher eher ein „Stand-alone“-Produktionsmittel, hat er sich längst zu einem vielfältig vernetzten multifunktionalen Glied innerhalb der Transportkette entwickelt – „der Telematik sei Dank“, sagt Bernd Reining, Fuhrparkchef der Duvenbeck Unternehmensgruppe in Bocholt: „Wir sind mit mehr als 1.500 ziehenden Einheiten unterwegs, Tendenz steigend. Aber das Grundprinzip gilt: Wir brauchen Daten.“

In technischer Hinsicht besteht ein Telematiksystem einerseits aus einem mobilen Bordrechner, der über integrierte Sensoren Daten erhebt oder von anderen Elektroniksystemen empfängt, andererseits aus einem stationären Server sowie dem Informations- oder Datenaustausch. Dass durch diesen Dialog der Maschinen bedeutend weniger Telefongespräche zwischen Fahrer und Zentrale anfallen, spart Kosten und nicht zuletzt Zeit, die der Disponent in den Kundenservice oder andere wertschöpfende Aktivitäten investieren kann.

Zwei Liter Diesel weniger

Im Basismodus ermöglicht Telematik einfache Dienste wie etwa die Ortung oder Fernüberwachung verschiedener Betriebsdaten eines Fahrzeugs. „Der Ansatz war bei uns damals die Ortung“, erinnert sich Bernd Häger, Inhaber der in Bestwig ansässigen gleichnamigen Spedition: „Dieser Dienst spielt im Moment bei uns aber nur die zweite Geige. Heute nutzen wir verstärkt Fahrzeugmanagementdaten, um Wartungs- und Kraftstoffkosten zu reduzieren.“ Bei der Ausrüstung und Vernetzung seiner 50 Fahrzeuge setzt Häger auf ein Bundle von Fleetboard- Services aus dem Daimler-Konzern. „Wir sparen mit Sicherheit drei bis fünf Prozent an Wartungskosten“, rechnet der Spediteur vor – und verweist auf die Mapping- und Disposition-Services seiner Lösung: „Heute haben wir geringere Stillstandzeiten. An Kraftstoffkosten sparen wir etwa zwei Liter auf 100 Kilometer.“

Auch bei der Krage Spedition in Hannover lautet das Ziel mehr Wirtschaftlichkeit und Effizienz im Fuhrpark: „Wir können mithilfe der Fahrzeugeinsatzanalyse die Fahrweise schnell optimieren“, freut sich Firmeninhaber Mathias Krage. Seine Spedition fahre für Stückgutverhältnisse relativ hohe Gewichte. „Unser Dieselverbrauch liegt jetzt mit 30 bis 31 Liter auf 100 Kilometer rund fünf Prozent niedriger.“

Immer mehr Unternehmen setzen wegen der wirtschaftlichen Vorteile auf vielfältig vernetzte Allround-Lösungen zur Optimierung der Geschäftsprozessqualität: Kosten runter, Wettbewerbsfähigkeit rauf. Bei Duvenbeck greift die hauseigene Dispo gern auf das Mapping zu: Zunächst wird geschaut, ob an einem Verladeort nicht doch ein Duvenbeck-Truck steht, bevor man die Fremdvergabe einer Ladung anschiebt. Auch das verbessert den Deckungsbeitrag.

Vom intelligenten Flottenmanagement profitieren Unternehmen auf vielfältige Weise: Branchen- und bedarfsgerecht konfiguriert, stellen Telematiksysteme fein zu justierende Informations- und Steuerungsfeatures wie etwa intelligente Routenplanung mit Gebiets- und Zonenüberwachung, Kommunikationsmöglichkeiten, durchgängiges Auftragsmanagement, Berichte, automatisierte Statusmeldungen, ereignisdefinierte Alarmierung, Sendungsverfolgung oder Datenverwaltung zur Verfügung.

Mautzahlungen sind mit Telematiksystemen problemlos elektronisch möglich, außerdem kann die Zentrale Daten wie etwa Fahrzeugstandort und -geschwindigkeit in Echtzeit überwachen. © Daimler AG

Mautzahlungen sind mit Telematiksystemen problemlos elektronisch möglich, außerdem kann die Zentrale Daten wie etwa Fahrzeugstandort und -geschwindigkeit in Echtzeit überwachen. © Daimler AG

Die strategische Auswertung von Durchschnittswerten ergibt wichtige Anhaltspunkte für etwaige Nachschulungsbedarfe oder ein auf den Analysen aufsetzendes Prämiensystem, „um den Fahrer auch monetär für eine wirtschaftliche Fahrweise zu entlohnen und ihn am Erfolg der Firma teilhaben zu lassen“, wie Bernd Häger es ausdrückt.

Seit 2010 ist der Anteil der Betriebe, die zumindest im Güterfern- oder -nahverkehr auf Telematiksysteme setzen, um 23 Prozentpunkte auf insgesamt 89 Prozent gestiegen, meldet der Deutsche Speditions- und Logistikverband. Auf den verschiedenen Onboard-Technologien und Datenbanken setzten Dienstleister konfigurierbare Software- und Schnittstellenlösungen für firmenspezifische Bedarfe auf – sei es zur Versandabwicklung, zum Transportmanagement, Warenscan, zur Kühlung oder für Apps zur Auftragssteuerung. Gute Voraussetzungen also für die Entwicklung profitabler Strategien – einerseits. „Andererseits ist die Telematik – zumindest in Deutschland – ein sehr fragmentierter Markt, in dem Dutzende von Telematik-Anbietern ihre Systeme ver- und betreiben“, heißt es in der Studie „Telematik 2015“ der Dualen Hochschule Baden-Württemberg. Bislang existiere kein Standard, welcher den Datenaustausch zwischen den Bordrechnern und den Datenservern der Telematikanbieter logisch und inhaltlich definiert.

Als Lösung bieten verschiedene Dienstleister inzwischen Telematik-Integrationsportale an, welche die Daten der jeweiligen Systeme in ein einheitliches Format umwandeln, damit sie für Informationen oder weitere Anwendungen leichter zur Verfügung stehen.

 

Sieben typische Telematik-Anwendungen

Fahrzeug-Ortung. Ermittlung von Fahrzeugstandort und -geschwindigkeit über GPS in Echtzeit.

Kommunikation. Ladelisten oder Be- und Entladeadressen werden während der Fahrt automatisch zwischen Nutzfahrzeug und Zentrale ausgetauscht.

Navigation. Routen-Restriktionen für Lkw-Verkehr werden automatisch beachtet, die Zentrale kann die Auftragsabwicklung dank Übertragung der ETA-Werte (Estimated Time of Arrival) überwachen.

Remote Download. Datenerfassung via digitalem Tachographen (Fahrtenschreiber). Chipkarte zur Fahreridentifikation. Aufzeichnung, Überwachung und Speicherung von dessen Lenk-, Arbeits-, Bereitschafts- und Ruhezeiten.

Technisches Fahrzeugmanagement. Übertragung und Auswertung technischer Daten wie „Stellung Gaspedal“, Tachoanzeige, Tempomat, Drehzahlmesser sowie Kontrolle des technischen Fahrzeugzustands zur besseren Planung der Wartung.

Personalmanagement. Fahreridentifikation (RFID-Lesegerät, Pin-Eingabe oder Fahrerkarte) und Zuordnung zum Fahrzeug als Information für den Disponenten.Überblick über verbleibende Lenk- und Arbeitszeit unter Beachtung der jeweils gültigen nationalen Gesetze, Regelungen und Sozialvorschriften.

Reporting. Sammlung und Auswertung von Informationen einzelner oder aller Fahrzeuge einer Flotte, um die Effizienz weiter zu erhöhen. Elektronische Fahrtenbücher ersetzen händisch geführte. Kontrolle der Mautabrechnung und Reklamation von Abrechnungsfehlern.


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