Frank Thomas Zimmer leitet das Münchener Fachinstitut für Insolvenzrecht und Sanierung.  (c) MFIFrank Thomas Zimmer leitet das Münchener Fachinstitut für Insolvenzrecht und Sanierung.
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    “Das Risiko, Zahlungsausfälle zu erleiden, steigt”

    Das Münchener Fachinstitut für Insolvenzrecht und Sanierung (MFI) zeigt in einer gemeinsam mit Creditreform veranstalteten Konferenz, wie Mittelständler frühzeitig erkennen, dass ein Geschäftspartner in Insolvenznähe gerät, und was dann zu tun ist. Das Thema ist hochaktuell: MFI-Leiter Dr. Frank Thomas Zimmer ist überzeugt, dass die Zahl der Insolvenzen schon bald wieder steigen wird.

    Herr Dr. Zimmer, Kongresse und Seminare zu Fragen des Insolvenzrechts gibt es viele. Warum noch eine Veranstaltung?
    Weil sie eine große Lücke füllt. Unsere erstmals in Kooperation mit Creditreform veranstaltete Konferenz wendet sich vor allem an die Verantwortlichen in kleinen und mittelständischen Unternehmen, die sich regelmäßig mit der Bonität ihrer Geschäftspartner beschäftigen müssen. Sie wünschen sich keine wissenschaftlichen Analysen, sondern praxisnahe Tipps – genau das bieten wir.

    Die Wirtschaft brummt, die Zahl der Insolvenzen ist rückläufig. Da könnte mancher Wirtschaftsakteur in Versuchung geraten, bei Bonitätsfragen sorglos zu werden und ohne näheres Hinsehen darauf zu vertrauen, dass der Vertragspartner die Rechnung zahlen wird.
    Das wäre sehr leichtsinnig. Die Gefahr, dass es schon bald wieder deutlich mehr  Zahlungsausfälle und Insolvenzen geben wird, steigt. Der Grund sind die extrem niedrigen Zinsen. Das billige  eld hat vieleUnternehmen dazu verleitet, höhere  Risiken einzugehen und Projekte auf Pump zu finanzieren. Wenn die Zinsen irgendwann wiedersteigen und die Finanzierungen teurer machen, könnte mancher Betrieb in Nöte geraten. Mit unserer Veranstaltung möchten wir die Teilnehmer anleiten, wachsam zu bleiben.

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    JETZT BUCHEN
    Creditreform und das MFI veranstalten am 30. November 2016 in Montabaur die sechsstündige Konferenz „Warnsignale bei Kunden erkennen – der Vertragspartner in Insolvenznähe“. Die Details im Überblick:

    • Die Themen: Bilanz- und BWA-Analyse, Rating und Scoring, Grundzüge und Gefahren der Insolvenzanfechtung, der Kunde in der Insolvenz
    • Die Zielgruppe: Insolvenzverwalter, Berater und Sachbearbeiter
    • Der Ort: Hotel Schloss Montabaur, Rheinland-Pfalz
    • Der Preis: 495 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer
    • Die Anmeldung: http://bit.ly/2bRoE32
    • Ein PDF mit weiteren Infos und einem Anmeldefax finden Sie unter creditreform-magazin.de/mfi

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    Welche Informationen helfen bei der Beurteilung, ob ein Unternehmen in Insolvenznähe geraten könnte?
    Da sind zunächst einmal die Bilanz und die Betriebswirtschaftliche Auswertung, die ja auf den laufenden Daten der Finanzbuchhaltung basiert. Die Frage ist nur: Habe ich als Geschäftspartner Anspruch darauf, diese Daten einzusehen? Und wenn ich die Gelegenheit dazu habe: Wie kann ich diese Informationsquellen nutzen? Woran erkenne ich, ob ein Unternehmen möglicherweise schon bald in Zahlungsschwierigkeitengerät? Geschäftsführer  oder Vertriebsmitarbeiter sind häufig buchhalterisch nicht so geschult; ihr Aktionsfeld ist mehr der operative Bereich.

    Bilanzkennzahlen sind ein Abbild der Vergangenheit. Über die Zukunft sagen Sie oft wenig aus.
    Ja, das ist eine Gefahr. Deshalb gehen wir in der Konferenz auch sehr intensiv der Frage nach, welche Aussagekraft solche Daten haben und wann es sinnvoll ist, weitere Informationen inzuholen. Denn im Kern geht es doch darum: Wie gelingt mir ein verlässlicher Blick in die Zukunft?

    Was kann dabei helfen?
    Da sind wir natürlich bei der Wirtschaftsauskunft. Die ist den meisten Zuhörern im Zusammenhang mit der Bewertung von Unternehmen bekannt, denn sie ist der schnellste und effektivste Weg, sich ein Bild von der Bonität eines Geschäftspartners zu machen. Wir wollen besonders auf die Möglichkeiten des Scorings von privaten Kunden eingehen. Davon haben sicher die meisten schon einmal gehört. Aber die wenigsten wissen, auf welchen Daten die Werte basieren und welche Informationen aufgrund von Datenschutzbestimmungen möglicherweise nicht eingeflossen sind und welche Aussagekraft sie genau besitzen. In Fällen, in denen die Ampel grün oder rot zeigt, ist die Sache klar. Problematisch sind die Gelbphasen.

    Warum?
    Weil ich nicht weiß, wann die Ampel auf Rot springt. Befindet sich der Kunde noch in der Phase des frühen Gelb, kann ich möglicherweise noch gefahrlos mit ihm Geschäfte abschließen. Das gilt  unter Umständen auch, wenn ich aus langjähriger Erfahrung weiß, dass seine Ampel beständig gelb zeigt, er aber stets zuverlässig gezahlt hat. Anders ist die Situation, wenn das Licht dunkelgelb leuchtet, der Abnehmer also kurzfristig in akute Zahlungsunfähigkeit geraten könnte. Dann muss ich fragen: Sollte ich nur noch unter Eigentumsvorbehalt oder Vorkasse liefern und die Kreditlinie kürzen oder die Lieferungen gar sofort ganz einstellen?

    Viele kleine und mittelgroße Betriebe sind verunsichert über die Entwicklung beim Thema Insolvenzanfechtung. Sie fürchten, dass Insolvenzverwalter immer häufiger Zahlungen zurückfordern, die vor vielen Jahren erfolgt sind – und damit ihren Betrieb in finanzielle Bedrängnis bringen. Können die Referenten auch in diesem Punkt Orientierungshilfe bieten?
    Ja. Insolvenzanfechtung ist ein heikles Thema, das ständig von der Rechtsprechung präzisiert wird. Das macht es schwierig zu sagen, was genau ein Geschäftspartner über mögliche finanzielle Probleme eines Unternehmens wissen darf, wenn er Zahlungen entgegennimmt, und wann er bösgläubig ist. Die Konferenz will vor allem anhand konkreter Fälle klarmachen, wo die Trennlinie verläuft. Noch immer sind viele Unternehmen überrascht, dass es die Möglichkeit der Insolvenzanfechtung gibt, dass sie also möglicherweise Geld zurückzahlen müssen für Leistungen, die sie lange vorher ordnungsgemäß erbracht haben.

    Mancher, der einen Kunden für solvent hielt, ist überrascht, wenn er plötzlich Post von einem Sanierungsberater erhält und erfährt, dass es nicht gut um seinen Geschäftspartner bestellt ist. Was ist von solchen Schreiben zu halten?
    Auch das wird ein Thema auf der Konferenz sein. Fachkundige Referenten erläutern, worauf es bei Post von Sanierungsberatern ankommt und wie man darauf reagieren sollte. Häufig sind solche  schreiben ein Indiz dafür, dass ein Unternehmen an einem Insolvenzplan arbeitet und ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung anstrebt.

    Was können die Teilnehmer außerdem von der Konferenz erwarten?
    Kontakte! Uns ist ganz wichtig, dass genügend Zeit bleibt, damit sich die Teilnehmer über ihre Erfahrungen austauschen können.

     

     

     


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