Christoph Leichtweiß ist geschäftsführender Gesellschafter von zwei Unternehmen der YPOS-Gruppe. 
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Allgemein, solvent

Frankreich hat gewählt – Marktreaktionen und Interpretationen

Die Kapitalmarktteilnehmer haben befürchtet, dass es im zweiten Wahlgang nur die Wahl zwischen zwei europa- und eurokritischen Parteien geben könnte. Dementsprechend war im Vorfeld eine defensive Haltung angesagt. Da nun Emmanuel Macron sehr große Chancen auf das Amt des Präsidenten eingeräumt werden, kam es zu starken Bewegungen in verschiedenen Segmenten des Kapitalmarktes.

Anleihen – Schreckgespenst Frexit vom Tisch?

Der obere Chart zeigt die Rendite von zweijährigen Staatsanleihen für die Länder Deutschland (dunkelblau) und Frankreich (türkisblau). Zunächst ist festzuhalten, dass beide im negativen Bereich notieren. Anleger akzeptieren also eine negative Rendite, um ihr Kapital dort anlegen “zu dürfen”. Der untere Chart zeigt in der grünen Line, dass die Verunsicherung im Vorfeld der Wahl zugenommen hat. Vereinfacht gesprochen hat die gestiegene Differenz der Renditen die Sorge über den Verbleib Frankreichs in der Europäischen Union und dem Euro ausgedrückt.

Frankreich

Nach dem ersten Wahlgang ist dieser Risikoaufschlag kollabiert. Damit wird ausgedrückt, dass ein Sieg Macrons als wahrscheinlich gilt und dieser einen europafreundlichen Kurs fahren wird. Der Anlagenotstand bleibt uns also erhalten. Für Anleger ändert sich erstmal nichts.

Aktien – Geringeres politisches Risiko = Steigende Kurse?

An den Aktienmärkten waren starke Kursgewinne zu beobachten. Der DAX30 Aktienindex (orange) hat am heutigen Montag ein neues Allzeithoch erreicht. Für den ohne Dividenden berechneten Kursindex (blau) gilt dies noch nicht. Die Differenz der beiden Berechnungsvarianten zeigt sehr deutlich, wie wichtig die Rolle der Dividende bei einem langfristigen Anlagehorizont ist.

DAX Div vs Kurs

Nach vielen Bewertungskennzahlen sind Aktien aus dem Euroland günstiger als ihre amerikanischen Pendants. Dies konnte und kann mit der politischen Unsicherheit in der Eurozone begründet werden. Da sich diese nun (vermeintlich und vorerst) reduziert haben, könnte die günstige Bewertung Käufer ansprechen.

Wechselkurs – Keine Überraschung

Der Euro hat gegenüber dem US-Dollar zugelegt. Dies sollte niemanden überraschen. Letztendlich wurde die eingepreiste Verunsicherung wieder relativiert. Eine Prognose zur weiteren Entwicklung des Währungspaars ist Kaffeesatzleserei.

Eur

Allerdings sollten Anleger die aktuelle Situation nutzen, um die Abhängigkeit ihrer verschiedenen Vermögenswerte vom Wechselkurs zu untersuchen. Schließlich hat die schwache Gemeinschaftswährung die Wertentwicklung von globalen Aktien und auch Edelmetallen sehr positiv beeinflusst. Eine Adjustierung der Chancen und Risiken aus der Fremdwährungsquote auf das gewünschte Niveau kann aktuell durchaus sinnvoll sein.

Ein zeitloser Hinweis

Grundsätzlich reiht sich auch die Wahl in Frankreich gemeinsam mit dem Brexit und der US-Wahl in die Liste derjenigen Events ein, die zwar kurzfristig das Potenzial für starke Marktbewegungen haben, einen langfristigen Anleger jedoch nicht in seiner Strategie beeinflussen sollten. Insofern bildet jedes der genannten Ereignisse einen sehr guten Anstoß, sich mit der eigenen Vermögensstruktur und der Angemessenheit hinsichtlich der finanziellen Risikobereitschaft zu beschäftigen. Denn sofern politische Ereignisse bei einem langfristigen Anlager für Kopfzerbrechen oder gar zu schlaflosen Nächten geführt haben, liegt zumindest der Verdacht nahe, dass die aktuelle Portfoliostruktur nicht zur eigenen finanziellen Risikobereitschaft passt und beispielsweise die Aktienquote zu hoch oder die Streuung zu gering ist.


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